|
|||
|
Trotzdem wurde Imre Nagy am 4. November durch den jugoslawischen Botschafter Soldatić über den Beginn der sowjetischen Intervention informiert und − wie wenige Tage zuvor verabredet − in die Botschaft eingeladen. Durch das politische Asyl für Nagy, seine wichtigsten Mitstreiter und deren Familien stand Jugoslawien in der internationalen Presse in dem Ruf, das Völkerrecht gegen die sowjetische Aggression verteidigt zu haben. Obwohl Moskau zunehmend auf die Auslieferung Nagys drängte, konnte Jugoslawien mit Rücksicht auf sein internationales Ansehen dem nicht nachgeben. Erst nachdem Moskau der jugoslawischen Regierung garantiert hatte, das politische Asyl Nagys und der übrigen Flüchtlinge auch außerhalb des Geländes der Botschaft zu respektieren, legte Jugoslawien am 22. November das Schicksal des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten und seines Umfeldes in die Hände der von Moskau eingesetzten Nachfolgeregierung Kádár. Diese Übereinkunft wurde von Kádár bzw. den Sowjets noch am selben Tag gebrochen, Nagy und ein Teil der übrigen Flüchtlinge nach Rumänien verschleppt. Durch den offenen Bruch der Vereinbarung war das Verhältnis Jugoslawiens zur Sowjetunion und zu Ungarn erneut auf Jahre schwer belastet. Quelle: Johanna Granville, Tito and the Nagy Affair 1956. In: East European Quaterly 23/1998, Heft 1, S. 23-55.
|
|||
|
|
|||
|
in Kooperation mit Zeitgeschichte-online
|