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Wertes Zentralkomitee! Ich bitte das Zentralkomitee, mich von meinem Posten als Erster Sekretär des Zentralkomitees und von meiner Mitgliedschaft im Politbüro zu entbinden. Einer der Gründe für meine Bitte ist der, daß ich im fünfundsechzigsten Lebensjahr stehe und daß meine Krankheit, unter deren zunehmenden Auswirkungen ich nun seit zwei Jahre leide, es mir unmöglich macht, die dem Ersten Sekretär des Zentralkomitees obliegenden Aufgaben zu erfüllen. [...] Was meinen Gesundheitszustand betrifft, so leide ich seit zwei Jahren an erhöhtem Blutdruck, der ständig ansteigt; und vor wenigen Tagen schickte mein Arzt dem Politbüro ein Attest, aus dem ich einen Satz zitieren möchte: »Wir halten den augenblicklichen Zustand des Genossen Rákosi für keineswegs befriedigend und bitten deshalb dringend um ein Eingreifen, um die Verschlechterung seines Zustandes zu verhindern.« Meine Genossen haben während der vergangenen zwei Jahre häufig erwähnt, daß ich die Fabriken nicht mehr so oft besuche, wie ich es früher tat. Sie haben recht; sie wußten nur nicht, daß dies auf meinen schlechten Gesundheitszustand zurückzuführen war. Mein Gesundheitszustand begann sich auf die Qualität und den Umfang der Arbeit auszuwirken, die zu leisten ich imstande war - eine Tatsache, die der Partei auf einem so wichtigen Posten unbedingt schaden mußte. So viel über meinen Gesundheitszustand. Was die Fehler betrifft, die ich auf dem Gebiet des »Personenkultes« und der Verletzung der sozialistischen Gesetzlichkeit begangen habe, so habe ich diese bereits auf den Sitzungen des Zentralkomitees im Juni 1953 zugegeben und mein Geständnis seither des öfteren wiederholt. Ich habe auch in der Öffentlichkeit Selbstkritik geübt. Nach dem Zwanzigsten Kongreß der KPdSU und aus der Rede des Genossen Chruschtschow wurde mir klar, daß Gewicht und Auswirkung dieser Fehler größer waren, als ich geglaubt hatte, und daß der unserer Partei durch diese Fehler zugefügte Schaden sehr viel ernster war, als ich mir vorher vorgestellt hatte. Diese Fehler haben die Arbeit unserer Partei erschwert; sie haben die Anziehungskraft der Partei und der Volksdemokratie vermindert; sie haben die Entwicklung der Leninschen Normen des Parteilebens, die Kollektivführung, die konstruktive Kritik und Selbstkritik, die Demokratie im Partei und Staatsleben sowie die Initiative und die schöpferische Kraft der breiten Massen der Arbeiterklasse gehemmt. Schließlich haben diese Fehler dem Feind eine ausgezeichnete Gelegenheit zum Angriff geboten. In ihrer Gesamtheit waren die Fehler, die ich in der bedeutendsten Funktion in der Partei begangen habe, Ursache schwerer Schäden für unsere sozialistische Entwicklung insgesamt. Es wäre meine Aufgabe gewesen, die Zügel bei der Wiedergutmachung dieser Fehler zu ergreifen. Wenn die Rehabilitierung bisweilen zögernd und mit Unterbrechungen durchgeführt wurde, wenn sich voriges Jahr ein gewisser Rückstand in der Liquidierung des Personenkultes bemerkbar machte, wenn sich Kritik und Selbstkritik mitsamt der kollektiven Führung in langsamem Tempo entwickelt haben, wenn sektiererische und dogmatische Ansichten nicht entschlossen genug bekämpft worden sind - dann liegt für all das zweifelsohne ein großer Teil der Verantwortung bei mir, da ich das Amt des Ersten Sekretärs innehatte. Quelle: Gosztony, Peter (Hg.), Der ungarische Aufstand in Augenzeugenberichten, Düsseldorf 1966, S. 60ff.
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