Aus den Erinnerungen von Wolfgang Harich
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Bei Walter Ulbricht verhielt ich mich einsilbig, zurückhaltend und ausweichend. Ich versuchte ihn allerdings zu gewinnen für ein Gespräch mit Wissenschaftlern in der Akademie der Wissenschaften, wo dann auch Zeitschriftenredakteure vom "Sonntag" usw. teilnehmen könnten. Das war ja ein Plan von uns, führende Funktionäre in solche Gespräche zu verwickeln, um sie dann dort in die Enge zu drängen. Das habe ich bei der Gelegenheit angebracht, das ist mir dann später von dem Generalstaatsanwalt auch besonders übel genommen worden. Im übrigen habe ich mich sehr zurückhaltend, sehr ausweichend und sehr einsilbig verhalten. Ulbricht hatte die "Deutsche Zeitschrift für Philosophie" liegen. Er wußte ja, ich bin der Chefredakteur. Er sagte: Na, was gibt es Neues in der Philosophie? Ich rückte mit der Sprache nicht heraus, und dann kam Ulbricht zu sprechen auf die simultanen Ereignisse in Ungarn und sagte: Das Schlimme sei eben, daß es zwischen den sozialistischen Ländern keine koordinierte Politik gäbe, und das wäre der Hauptfehler. Und dann gab er seine Einschätzung der ungarischen Ereignisse und sagte: Die schlimmsten Verräter sind die Leute im Petöfi-Club: Julius Hay, Tibor Dery und Georg Lukács. Und wenn sich bei uns sowas herausbildet wie dort im Petöfi-Club, dann werden wir das hier im Keim ersticken. Und dann stand er auf, schüttelte mir die Hand und sagte mit festem Blick in meine Augen: Ich wünsche Ihnen alles Gute. Damit war ich entlassen.
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in Kooperation mit Zeitgeschichte-online
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