The white man´s burden?
Die bundesrepublikanische Afrikapolitik um 1960 zwischen "moralischer Verantwortung" und "realen Interessen"
von
Torben Gülstorff
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Veröffentlichung: Oktober 2010

 

Am 19. Oktober 1959 wurde vom Auswärtigen Amt (AA) der Bundesrepublik Deutschland ein Kommuniqué veröffentlicht,[1] welches schon bald von zahlreichen in- wie ausländischen Presseorganen aufgegriffen werden sollte.[2] Es hatte die erste bundesdeutsche Afrikabotschafterkonferenz zum Gegenstand, die vom 12. bis 18. Oktober 1959 in Addis Abeba getagt hatte. Das Kommuniqué hielt hierzu fest: 

„In Vorträgen und Aussprachen wurde die gegenwärtige Lage des im schnellen Wandel begriffenen und immer bedeutsamer werdenden afrikanischen Kontinents erörtert und die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der künftigen Gestaltung der deutsch-afrikanischen Beziehungen geprüft. Die Konferenz hat die Erkenntnis verstärkt, wie notwendig es ist, die freundschaftlichen Beziehungen mit den unabhängigen und den gemäß der UN-Charter der Unabhängigkeit entgegengehenden Gebieten Afrikas zu vertiefen. Die Erörterungen bestätigten die Richtigkeit der von der Bundesrepublik Deutschland verfolgten Politik, die wirtschaftliche Entwicklung der afrikanischen Länder im Rahmen ihrer Kräfte auf der Grundlage echter Zusammenarbeit und Partnerschaft zu fördern. Als besonders wichtig wurde auch die Pflege des geistig-kulturellen gegenseitigen Austausches mit allen Völkern des afrikanischen Kontinents erkannt“.[3]

Mit diesen Worten fassten die Veranstalter Verlauf und Ergebnisse dieses ersten Treffens zusammen. Die Konferenz war einberufen worden, da Dekolonisierung, Kalter Krieg und europäischer Einigungsprozess zu Verschiebungen innerhalb der internationalen Machtkonstellation geführt hatten. In diesem Kontext war eine verstärkte Aktivität Westdeutschlands in Afrika möglich geworden.[4] Unter den europäischen Verbündeten hatte das „unterstützende Engagement“ der Bundesrepublik dieser sogar schon 1959 wieder die Anerkennung als „Afrika-Macht“ eingetragen.[5] In dieser Situation hatte das AA die Konferenz einberufen lassen, um sich über den neu gewonnenen Handlungsspielraum intern auszutauschen und den deutschen Afrikadiplomaten und -konsuln politische Richtlinien an die Hand zu geben.

Diese Konferenz soll deshalb im Folgenden als Ausgangspunkt dienen, um Einschätzungen und Entwürfe der an ihr beteiligten westdeutschen Diplomaten für den afrikanischen Kontinent und seine Bewohner zu rekonstruieren. Hierbei wird auch auf die Mentalitäten einzugehen sein, welche diese Gemüter im Vorfeld des sogenannten Afrikajahrs 1960 bestimmten. Zahlreiche afrikanische Staaten erlangten in dieser Hochphase der Dekolonisierung ihre Unabhängigkeit. Es stellt sich die Frage, inwieweit dieser Punkt auf der ersten bundesdeutschen Afrikabotschafterkonferenz Berücksichtigung fand. Wie nahmen die Diplomaten und Mitarbeiter des AA die Dekolonisierung wahr? Was für Konzepte lagen für eine postkoloniale Zusammenarbeit mit Afrika bereit? War Afrika in den Augen des AA schon „reif“ für die Unabhängigkeit? Diskussionen hierüber fanden nicht nur im Kontext von Kaltem Krieg, Westbindung und europäischer Einigung statt. Der doppelte Hintergrund der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika vor 1918 wie auch des nationalsozialistischen Deutschen Reiches, das keine 15 Jahre vor dem Treffen in Addis Abeba zur Kapitulation gezwungen worden war und gerade im AA der Bundesrepublik zahlreiche „personelle“ Spuren hinterlassen hatte, wirkten ebenso nachhaltig.

Diese Spuren mögen dann vielleicht auch eine Diskrepanz erhellen, die zwischen dem für die Öffentlichkeit bestimmten Kommuniqué über die Afrikabotschafterkonferenz und den Akten des AA zu konstatieren ist: Während die offizielle Außendarstellung des Treffens Begriffe wie „Zusammenarbeit“, „Partnerschaft“ und „Austausch“ in den Vordergrund rückte, die eine Begegnung auf Augenhöhe signalisieren sollten, konterkarierten die internen Debatten der Planer einer erneuten deutschen Präsenz in Afrika diese Rhetorik immer wieder durch kolonialistische, paternalistische und rassistische Denkmuster und Argumentationen.

Der Kolonialhistoriker Horst Gründer hat zur Frage nach den Kontinuitäten der deutschen Rassen- und Kolonialideologie nach 1945 angemerkt, dass „nach dem Zweiten Weltkrieg die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit schnell die wenigen, politisch kaum noch relevanten kolonialapologetischen Töne“ überdeckt habe.[6]

Doch war dem wirklich so? Inwieweit beeinflussten Nachwehen einer „ausgeträumten“ Kolonialapologie, einer „verdrängten“ Rassenideologie doch noch die Gemüter der Teilnehmer dieser ersten bundesdeutschen Afrikabotschafterkonferenz?

 

1. Quellenkritik und Forschungsstand

Einer Beantwortung dieser Fragen sollen einige Bemerkungen zur Quellenlage und zum Forschungsstand vorangestellt werden. Die Aufzeichnungen zur Konferenz befinden sich im Politischen Archiv des AA in Berlin. Hier verteilen sie sich über mehrere Bestände. Im Bestand „Ministerbüro“ (B1), Band 260, befindet sich das Konferenzprotokoll, welches der Konferenzleiter, Staatssekretär Albert-Hilger van Scherpenberg, zum 23.02.1960 anfertigen ließ. Diese Fassung wurde von mir primär als Quelle herangezogen. Des Weiteren lässt sich das Protokoll noch im Bestand „Büro des Staatssekretärs“ (B2), Bände 96 und 97, sowie im Bestand „Afrikareferat 307“ (B34), Bände 115 und 116, finden.[7]

Inhaltlich müssen Abstriche bezüglich einer „Rücksichtnahme“ des AA auf mögliche „abhörende“ Teilnehmer oder spätere „ablesende“, nicht nur in bundesdeutschen Diensten stehende Mitarbeiter berücksichtigt werden. In den Vorbereitungen der nächsten Konferenz, die 1962 in Entebbe stattfinden sollte, wurde darauf hingewiesen, dass nicht nur der sogenannte Ostblock, sondern auch die westlichen Bündnispartner in dieser Hinsicht eine Gefahr darstellen würden.[8] Es ist deshalb anzunehmen, dass sich das Bemühen um die Aufrechterhaltung gewisser als „geheim“ eingestufter Vorgänge auch 1959 auf die schriftlichen Ausarbeitung des Protokolls ausgewirkt hat.

Dennoch erlaubt eine Analyse des Protokolls einige interessante Einblicke in die Wahrnehmung der Dekolonisierung Afrikas durch die außenpolitische Elite der Bundesrepublik. Der elitäre Diskurs einer Bürokratie kann hier auf engem Raum, im direkten Austausch von Zentrale und Vertretungen verfolgt werden. Noch wertvoller wird die Quelle dadurch, dass das Protokoll im Gegensatz zum Kommuniqué nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Vielmehr sollte im internen Gespräch ein elitärer „Common Sense“ für die künftige deutsche Arbeit in und mit den afrikanischen Staaten erarbeitet werden. Die im Protokoll niedergelegten Ergebnisse zeichnen ein „abgestimmtes“ Bild der Wahrnehmungen und Deutungen, mit denen die Konferenzteilnehmer Afrika begegneten.

In der Forschung hat die Afrikakonferenz bisher wenig Beachtung gefunden. Ulf Engel konstatierte, dass die Rolle der Bundesrepublik als Vermittler zwischen Europa und Afrika in ihrem Zentrum gestanden habe.[9] Zu den „realen Problemen des Kontinents“, wie den „Rassenfragen“, sei dagegen kaum Stellung bezogen worden.[10] Auch Rolf Hofmeier sah in der bundesdeutschen Vermittlerrolle einen der Konferenzschwerpunkte. Der Auseinandersetzung mit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) maß er dann aber doch eine größere Bedeutung bei.[11] Olivier Podevins und Tanja Preißinger sowie Markus Eikel bemerkten immerhin „am Rande“, dass neben dem Ost-West-Gegensatz auch die Dekolonisierung Afrikas auf der Konferenz zur Sprache gekommen sei.[12]

Allgemein haben in der bisherigen Forschung solche ministeriumsinternen Ereignisse nur wenig Interesse erregt. Dabei war schon 1978 in einer politikwissenschaftlichen Publikation festgestellt worden, dass in einer Ministerialbürokratie ständig „bürokratische Prozessmuster“ entstehen, die „weitgehend ungesteuert ablaufen und außenpolitische Entscheidungen prägen“.[13] Der „Rolle der Bürokratie in der Außenpolitik“ wurde sogar eine „eminent politische Art“ bescheinigt,[14] was in der historischen Wissenschaft mit dem „gemischten“ Charakter der Außenpolitik umschrieben wurde.[15] Aus dieser Perspektive ist es verwunderlich, dass die Aufarbeitung der Aktivitäten des Apparates des AA in der Geschichtswissenschaft bisher nur wenig Berücksichtigung gefunden hat.[16] Zwar konnten Kontinuitäten innerhalb der Personal- und Organisationsstruktur klar herausgearbeitet werden,[17] deren mögliche politische Auswirkungen wurden aber nur unzureichend geklärt.[18] Neue Erkenntnisse dürfte hier das für den Herbst 2010 angekündigte Buch der „Unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Auswärtigen Amts in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik“ liefern.

Auch in der allgemeineren politikwissenschaftlichen wie historischen Forschung zur bundesrepublikanischen Außenpolitik wurde dem Thema möglicher Kontinuitäten nur geringe Bedeutung beigemessen. Eine Ausnahme bildete die DDR, die sich der Thematik großflächig annahm und sie in ihre Propaganda, über wie für Afrika, geschickt einzubauen wusste.[19] In der bundesdeutschen Forschung wurden Kontinuitäten in der Mentalität außenpolitischer Entscheidungsträger oder gar solche in den politischen Zielsetzungen ihrer Institutionen dagegen verneint. Mit dem Ende des „Dritten Reiches“ hätte ein „Machtstaat“ mit einer Außenpolitik für „Realisten“ einem „Handelsstaat“ bzw. einer „Zivilmacht“ Platz gemacht.[20] Nur vereinzelt wurde auf das historische Erbe der Bundesrepublik verwiesen.[21] Die neuen, westlichen „Werte, Prioritäten und Orientierungen“ seien verinnerlicht worden, so dass nur am Rande des politischen Spektrums“ noch „NS-Nostalgie“ möglich gewesen sei[22] und nach 1945 ein zurückhaltender Stil vorgeherrscht habe.[23] In der Forschung wurde dieser neue Stil mit Schlagworten wie „Kultur der Zurückhaltung“, „Strategie der Selbsteinbindung“, „Strategie der Selbstbeschränkung“, „Machtvergessenheit“ oder „schützende Passivität“ umschrieben.[24]

Wie die allgemeine Frage nach den personellen, institutionellen und ideologisch-politischen Kontinuitäten der bundesdeutschen Außenpolitik ist auch die spezielle Frage nach der bundesdeutschen Afrikapolitik bisher nur im Ansatz erschlossen. Hier besteht ein gewisses „Missverhältnis zwischen einer Vielzahl von Einzelstudien und breiten Wissenslücken hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung der intergouvernementalen Interaktion“.[25] Kum’a Ndumbe sah „Abhängigkeitsbewahrung und Abhängigkeitsschaffung“als Leitmotive der Bonner Afrikapolitik. Er glaubte eine Kontinuität ausgemacht zu haben, die von der deutschen Kolonialepisode über das „Dritte Reich“ bis in die Bundesrepublik andauere. Aktenquellen zur Untermauerung seiner Thesen konnte er aber nicht präsentieren.[26] Ulf Engel definierte die bundesdeutsche Afrikapolitik hingegen als „Zivilmachtpolitik“, die bis 1972 unter einem „deutschlandpolitische[n] Paradigma“ gestanden habe.[27] Auch in der neueren Forschung wurde der Deutschlandproblematik diese zentrale Stellung zugesprochen.[28] Lediglich der Sicherung Afrikas, für das westliche Bündnissystem wie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, wurde neben diesem Kernpunkt eine gewisse Bedeutung beigemessen.[29]

Gerade im Hinblick auf die bestehenden „Wissenslücken“ bietet diese ministeriumsinterne Afrikakonferenz deshalb interessante Einblicke in die gerade in ihrer Frühphase noch wenig erschlossene bundesdeutsche Afrikapolitik sowie in die politischen Traditionen, die mit personellen Kontinuitäten im AA einhergingen.

 

2. Eine Konferenz nimmt ihren Anfang

Eröffnet wurde die Zusammenkunft von Staatssekretär van Scherpenberg. Außenminister Heinrich von Brentano war nicht erschienen. Der Teilnehmerkreis setzte sich aus Abteilungsleitern und Mitarbeitern des AA in Bonn sowie den deutschen Afrikadiplomaten zusammen. Während auf Diplomaten aus deutschen Vertretungen in Europa verzichtet wurde,[30] waren Legationsrat Hoffmann, zuständig für „Politische Strukturfragen des Ostblocks“, sowie Generalkonsul a.D. Voigt, zuständig für den „Nahen Osten“, mit einbezogen worden.

Der genaue zeitliche Ablauf der Konferenz lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Mehrmals scheinen Referatstermine verschoben worden zu sein. Die Konferenzprotokolle bieten in dieser Hinsicht lediglich eine nachträgliche Verknüpfung der Vorträge und Diskussionen.

Stützt man sich aber auf das Protokoll aus dem Bestand des Ministerbüros, so referierten zunächst Vertreter der Bonner Zentrale zu den thematischen Schwerpunkten „Bundesrepublik Deutschland“, „Sowjetkommunismus“ und „Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent“, zu denen zwei Diskussionsrunden veranstaltet wurden. Als nächstes stellten die Afrikadiplomaten ihre jeweiligen Länderberichte vor, mit denen man sich in einer dritten Diskussionsrunde auseinandersetzte. Anschließend wurden von Mitarbeitern der Zentrale Referate zu Handel und Entwicklungshilfe von Bundesrepublik wie EWG sowie zur Kulturpolitik, zur Öffentlichkeitsarbeit und zu allgemeinen Verwaltungsfragen gehalten, die mit jeweils einer Diskussionsrunde beendet wurden. Zum Abschluss der Konferenz fasste van Scherpenberg die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, zu denen nochmals in einer achten und letzten Diskussionsrunde Stellung bezogen wurde.

Drei Schwerpunkte sollten die siebentägige Konferenz in ihren Referaten und Diskussionsrunden bestimmen: a) Deutsche Interessen und Möglichkeiten deutscher Einflussnahme, b) Der Ost-West-Konflikt sowie c) Die Dekolonisierung.

Die Auseinandersetzung mit diesen Schwerpunkten soll im Folgenden kurz dargelegt werden. Dabei wird sich zeigen, dass ein latenter Rassismus immer wieder zum Vorschein kam und schon bald Kolonisierung und Dekolonisierung Afrikas zum eigentlichen Hauptgegenstand der Konferenz werden ließ. In einem zweiten Schritt sollen deshalb drei Themenkomplexe angerissen werden, in denen sich die Teilnehmer zu „vergangenen“, „gegenwärtigen“ und möglichen „künftigen“ Bindungen Afrikas an den europäischen Raum äußerten: a) Kolonialistische Plädoyers - Standpunkte zur europäischen Kolonisierung, b) Rückzugspunkte weißer Dominanz - Grenzen der Dekolonisierung und c) Zwischen Post- und Neokolonialismus - Formen und Ideen künftiger Bande.

Die Annahme einer natürlichen „Unterentwicklung“ des afrikanischen Kontinents und seiner Bewohner bildete in der Auseinandersetzung mit dem europäischen „Rückzug“ aus Afrika eine Konstante. Aufgrund dessen soll in einem dritten und letzten Schritt auf die Einschätzungen der Konferenzteilnehmer im Hinblick auf die „Befähigung“ der Afrikaner zur selbständigen Entwicklung ihrer Staaten eingegangen werden. Drei kleinere Themenfelder, die in Bezug hierauf den Konferenzteilnehmern immer wieder Aussagen entlocken konnten, sollen dazu Ansatzpunkte liefern: a) Kultur und Natur als Indikatoren eigenständigen, staatlichen Potentials, b) Erfolgskomponenten staatlicher Entwicklung und c) Europas Rolle innerhalb afrikanischer Entwicklung.

 

3.a Deutsche Interessen und Möglichkeiten deutscher Einflussnahme

Ein zentrales westdeutsches Interesse bildete der von der Bundesrepublik gegen die DDR behauptete deutsche Alleinvertretungsanspruch.[31] Auf die Frage, wie dieser im Dekolonisierungsprozess aufrechterhalten werden könne, hatte die Zentrale auch 1959 noch keine Antwort parat.[32] Manch ein Diplomat musste sich deshalb mit der jeweiligen auslaufenden französischen, britischen, belgischen, später auch spanischen und portugiesischen Kolonialmacht und der aufstrebenden, jungen afrikanischen Elite ein „Katz- und Mausspiel“ liefern.[33] Mit beiden Kreisen mussten Kontakte gepflegt werden, da bei einer Bevorzugung oder Zurückweisung der einen Seite die sofortige Kontaktaufnahme der anderen mit der DDR befürchtet wurde. Vor einer Überbewertung dieses Ost-West-Gegensatzes hatte aber schon van Scherpenberg gewarnt.[34] Die Deutschlandproblematik stellte ein wichtiges, aber nicht das einzige Motiv für ein deutsches Engagement in Afrika dar.

Auch das Interesse für die ehemaligen deutschen Kolonialgebiete war beispielsweise immer noch vorhanden.[35] Lediglich ein Konsul bezog in dieser Frage gegen einen als überkommen geglaubten Traditionalismus Position,[36]währenddie Zentrale sich in dieser prekären Angelegenheit vollständig zurückhielt. Bestehenden Befürchtungen des europäischen Auslands vor einem deutschen „Wiedererstarken“ in Afrika sollte keine Nahrung gegeben werden.

Weitere rein deutsche Interessen wurden auf der Konferenz nicht behandelt. Wirtschaftliche oder verteidigungspolitische Aktivitäten der Bundesrepublik wurden, mit Ausnahme des Länderberichts über Liberia,[37] weder in den Referaten noch in den Diskussionen auch nur angerissen. Dass keiner der Konferenzteilnehmer über sie zu berichten gewusst hätte, dass sie vielleicht gar nicht vorhanden wären, muss jedoch bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist, dass solche deutschen Interessen bewusst nicht angesprochen oder ins Protokoll übernommen wurden, um sie nicht unnötig der Gefahr einer „Aufdeckung“ durch gegnerische wie verbündete Staaten auszusetzen.

Neben diesen nationalen Aspekten, die für ein bundesdeutsches Engagement in Afrika sprachen, gab es auch solche eher internationaler Natur. Die angestrebte Sicherung der Westbindung Afrikas, unter besonderer Berücksichtigung der Interessen der USA, nahm breiten Raum ein. Gleichzeitig wurden aber auch europäische Afrikaambitionen nie ganz aus den Augen gelassen.[38]

Um diese Ziele zu erreichen, war eine bundesdeutsche Afrikapolitik von Nöten, deren Eckpunkte die Zentrale für die Konferenz im Sinne eines „Afrikakonzepts“ ausgearbeitet hatte. Ihr „Afrikakonzept“ beinhaltete zehn Thesen: 1. Die Entwicklung zur völligen Unabhängigkeit Afrikas sei nicht aufzuhalten. 2. Dieser Vorgang müsse evolutionär und nicht revolutionär erfolgen. 3. Eine überhastete und völlige Lösung von Europa liege nicht im Interesse der Afrikaner. 4. Große staatliche Zusammenschlüsse innerhalb Afrikas seien anzustreben. 5. Die Beziehungen Afrikas zu Europa müssten über das Commonwealth, die Communauté Française oder ein zu schaffendes Eurafrika aufrecht erhalten werden. 6. Die EWG solle die sich auflösenden Beziehungen der afrikanischen Staaten zu ihren ehemaligen Mutterländern übernehmen. 7. Der Bundesrepublik falle eine natürliche Vermittlerrolle zwischen den europäischen Mächten und Afrika zu. 8. Hilfe und Handel für und mit Afrika seien zu verstärken. 9. Den Afrikabestrebungen der DDR müsse die Bundesrepublik mit schnellen und starken Eingriffen und nicht mehr mit bloßen Legitimationen[39] begegnen. 10. Ein „empirisches“ Vorgehen, von Fall zu Fall, sei erforderlich, um Afrika der „freien Welt“ zu erhalten.[40]

Als Werkzeuge zur Umsetzung dieses Konzepts sollten Entwicklungspolitik, Kulturpolitik und Öffentlichkeitsarbeit dienen. Erstere wurde dabei nicht allein von deutschland- und wirtschaftspolitischen oder gar „humanitären“ Faktoren bestimmt, wie es in der Forschung immer wieder dargestellt wird.[41] Eine nicht näher definierte „langfristige Einflussnahme“ stand im Vordergrund, die durch „direkte oder indirekte, psychologisch richtig anzuwendende Maßnahmen“ erzielt werden sollte. In ihrem Verlauf sollten die Beziehungen zwischen den westlichen und den sogenannten Entwicklungsländern intensiviert, ein langfristiger Einfluss auf Regierung und Bevölkerung erreicht, der Einfluss des „Ostblocks“ eingedämmt und die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den afrikanischen Ländern stabilisiert werden.[42] Auf dem Gebiet der Kulturpolitik sollte dagegen eine „Partnerschaft“ zum Tragen kommen, da ihre Ausübung im bisherigen, rein „propagandistischen“ Sinne nicht mehr möglich war. Von einem gewissen „Dirigismus“ wollte man aber dennoch nicht absehen, da „das Gebiet der Kulturpflege zum Kriegsschauplatz erklärt“worden war.[43] Auch auf kultureller Ebene wurde also, mit der Begründung des Kalten Krieges, in der Praxis letztlich von einer „Partnerschaft“ abgewichen.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die deutschen Interessen in Afrika internationale wie genuin nationale Begründungen fanden. Afrika sollte dem Westen und Europa gesichert, der Bundesrepublik gewonnen werden. Die Nichtanerkennung der DDR war Teil dieser Konzeption. Zur Erreichung dieser Ziele war ein „10-Punkte-Konzept“ erarbeitet worden, welches durch die politische Nutzung von Entwicklungshilfe, Kulturpolitik und Öffentlichkeitsarbeit umgesetzt werden sollte. Als Ziel hatte man sich eine „langfristige Bindung“ Afrikas an Europa gesetzt. Einblicke in die möglichen Hintergründe einer solchen Politik blieben verborgen, ihr kolonialer Prägestempel trat dafür umso deutlicher zu Tage.

 

3.b Der Ost-West-Konflikt

Einen weiteren Schwerpunkt der Konferenz bildete die Auseinandersetzung zwischen östlichem und westlichem System.

Der sogenannte Ostblock, so wurde angemerkt, sei in Afrika weniger an einem Ausgreifen des Kommunismus als vielmehr an einem Zugewinn politischer Bündnispartner interessiert.[44] 1956 habe Nikita S. Chruschtschow, Parteichef der KPdSU, auf dessen XX. Parteitag die These aufgestellt, dass Afrika erwacht sei und die Sowjetunion die Befreiungsbewegungen des Kontinents unterstützen müsse. Die Sowjetunion habe deshalb eine Offensive eingeleitet, welche sich in acht Punkten zusammenfassen lasse: 1. Die Sowjetunion unterstütze die afrikanischen Bewegungen. 2. Kommunistische Propaganda erfolge durch Tarnorganisationen. 3. Ziel sei es, Unruhen in Afrika anzustiften. 4. Die UdSSR werbe für wirtschaftliche Beziehungen mit den sozialistischen Staaten. 5. Die Sowjetunion propagiere sich selbst als einzigen wirklichen Freund Afrikas. 6. Die intellektuelle und kulturelle Beeinflussung der Afrikaner werde vorangetrieben. 7. Die Massenarbeit werde von den europäischen kommunistischen Parteien auf den Weltgewerkschaftsbund und die Jugendorganisationen des sogenannten Ostblocks übertragen. 8. Die afro-asiatische Solidaritätsbewegung werde zur Unterstützung dieser Offensive herangezogen.

Dieser sowjetischen Strategie, so hieß es weiter, müsse der Westen wirtschaftlich und politisch etwas entgegensetzen.[45] Folgendes sei für eine gemeinsame, westliche Afrikapolitik zu berücksichtigen: 1. Westliche Hilfe müsse sich auf „echte Partnerschaft“ gründen. Hierzu dürften die „schwarzen Afrikaner“[46] nicht mehr lediglich Objekte der Politik sein, sondern müssten zu Subjekten erhoben werden.[47]2.Afrika bilde nicht nur einen einfachen„Kriegsschauplatz im Ost-West-Konflikt“, sondern sei gleichzeitig Schauplatz eines wirklichen Strebens nach Freiheit, basierend auf westlichen „Ideologien“. Diesen Umstand gelte es auszunutzen.[48] Der Westen solle die entstehenden Nationalismen unterstützen, anstatt sie zu unterdrücken. So sei es auch möglich, dem afrikanischen Kontinent die Sowjetunion als wahre imperialistische Macht zu präsentieren. 3. Stabile Märkte und Preise für die afrikanische Wirtschaft müssten sichergestellt werden. 4. Auch der psychologisch-politische Faktor müsse berücksichtigt werden. Afrikaner könnten nur durch spektakuläre Maßnahmen gewonnen werden.[49]5. Der Westen könne nicht immer nur auf die Aktivitäten des Osten reagieren. Vielmehr habe er selber in die Offensive zu gehen. 6. Afrikaner sollten aus eigenem Antrieb Widerstand gegen den Kommunismus entwickeln.

Ob der Kommunismus sowjetischer Prägung aber tatsächlich in Afrika Fuß fassen könnte, wurde auf der Botschafterkonferenz lebhaft diskutiert. Ministerialdirektor Günther Harkort bemerkte hierzu, dass „unsere besondere Gegnerschaft gegen den Ostblock zu trennen [sei] von unserer Abneigung gegen dirigistische Systeme“.[50] Um sich dem sowjetkommunistischen Vorgehen stellen zu können, solle das AA bei den afrikanischen Staaten zwischen einer unerwünschten Unterordnung unter den sowjetischen Primat einerseits und den jeweiligen ungefährlichen, nationalen Entwicklungen andererseits unterscheiden. Legationsrat Gisbert Poensgen maß der sowjetkommunistischen Gefahr dagegen eine größere Bedeutung bei und meinte, eine gewisse Affinität zwischen ihrer Lehre und der afrikanischen Mentalität ausgemacht zu haben. Schließlich spiele die für den Kommunismus so bedeutsame Vorstellung vom „Gemeingut“ auch in afrikanischen Gesellschaften eine große Rolle.[51] Ebenso könne man auf zahlreichen weiteren Gebieten der Wirtschaft Überschneidungen ausmachen. Am Ende der Diskussion schloss van Scherpenberg aber doch mit der Feststellung, dass die kommunistischen Theorien nicht auf die Struktur der afrikanischen Gesellschaft anwendbar seien. Er implizierte zudem, dass die Sowjetunion diese Einschätzung teile und vor diesem Hintergrund ihre Strategie definiert habe, indem er fragte: „Wie aber, wenn die Sowjets ihre kommunistische Doktrin hier gar nicht verbreiten, wenn siegegenwärtig ganz andere Ziele verfolgen?“[52] Ein großer Teil der kommunistischen Propaganda komme derzeit schließlich aus Frankreich und nicht aus der Sowjetunion.[53] Auch andere Referenten, so Generalkonsul Hans-Jürgen Soehring in seinen Ausführungen zum Belgisch-Kongo, verwiesen auf diese Gefahr, die junge europäische Intellektuelle für eine evolutionäre Dekolonisation Afrikas darstellen würden.[54]

Die deutsche Diplomatie war sich also bewusst, dass kommunistische Einflüsse bis nach Afrika vorgedrungen waren. Aber weniger der sogenannte, unter sowjetischer Vorherrschaft stehende Ostblock als vielmehr westeuropäische Kreise wurden hierfür primär verantwortlich gemacht. Die Erfolgschancen des Kommunismus in Afrika wurden als gering eingeschätzt. Dennoch sollte kein Risiko eingegangen werden. Mit einer Unterstützung der gerade entstehenden afrikanischen Nationalismen sollten die jungen Nationalstaaten auch ideologisch für den Westen eingenommen werden. Kommunistische Züge sollten, wenn vorhanden, zumindest vom „sowjetischen System“ gelöst werden, wofür Zugeständnisse wie eine dirigistische Wirtschaftspolitik in Kauf genommen wurden.

Die vermeintliche Andersartigkeit Afrikas und die Überzeugung, dass der „außereuropäische“ Kommunismus der Sowjetunion auf dem Kontinent letztlich kaum Chancen habe, zeigt, wie auch hier alte Rassismen und die Vorstellung von einem europäischen Wirkungsmonopol vorherrschend blieben.

 

3.c Die Dekolonisierung

„Bis in die jüngste Zeit hinein war Afrika abhängig von Mutterländern und deren Stiefkind. Es war der Benjamin der Kontinente. Es war nur Objekt und nicht Subjekt der Politik.“[55]Mit diesen Worten leitete Ministerialdirektor Hasso von Etzdorf, Leiter der Abteilung „West II“ und damit zuständig für Afrika, sein Referat mit dem Titel „Afrika in der Weltpolitik“ ein, das sich vertiefend den afrikanischen Umbrüchen widmen sollte. Die verschiedenen Entwicklungen in den jeweiligen Staaten würden zum einen aus den unterschiedlichen Kolonialsystemen, zum anderen aus den jeweiligen afrikanischen Kräften und deren „eigenen“ Ideen resultieren. Diese „Eigenheit“ sollte aber nicht zu wörtlich genommen werden: „Die stärkste Idee, und sie ist europäischen Ursprungs, ist der Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit“.Dekolonisierung stilisierte von Etzdorf so zu einem genuin europäischen Vorgang. Der afrikanische Nationalismus in diesem Prozess sei „jedoch ein Nationalismus, der sich durchaus nicht immer in den Grenzen gewachsener Nationen hält, denn er gründet sich auf oft willkürlichen kolonialen Grenzziehungen. Man sollte ihn daher besser Afrikanismus nennen“.[56] Unter Afrikanismus verstand von Etzdorf also ein Gemisch aus europäischem Nationalismus und kolonialen Traditionen. Zu diesem würde sich noch ein unbewusster wirtschaftlicher und sozialer Umbruch gesellen, an dessen Gestaltung die Afrikaner kaum beteiligt wären: „Wir sehen eine Art Renaissance sich entwickeln im Sinne der italienischen Stadtstaaten, mit einem Renaissance-Gefühl, aber leider ohne eine Renaissance-Kultur“.[57]

Von Etzdorf unterschied grundsätzlich zwischen zwei Kategorien von afrikanischen Staaten im Dekolonisierungsprozess.

In die erste Kategorie fielen bei ihm Schwarzafrika mit seinen sich rasch entwickelnden afrikanischen Nationalismen.[58] Es handele sich um Staaten, die nur teilweise oder nie kolonisiert gewesen seien sowie um Teile des „noch kolonialen“ Afrikas, die auf die Dauer kaum von Weißen gehalten werden könnten.[59]

Staaten der zweiten Kategorie wurden in seinen Augen von einer „schwarz-weißen Koexistenz“ bestimmt.[60] Hierzu erklärte von Etzdorf: „Es handelt sich hier um ein Rassenlaboratorium, wo die Voraussetzungen für ein Zusammenleben von Schwarz, Weiss und vielfach auch Braun geschaffen werden müssen. Das Hauptproblem ist also die Rassenfrage“.[61] Innerhalb dieser Kategorie nähmen die Südafrikanische Union und Algerien aufgrund ihrer besonders intensiven Beziehung zu Europa eine Sonderstellung ein.[62]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die bürokratische Elite der Zentrale den Dekolonisierungsprozess akzeptiert hatte. Allerdings wurden Abstufungen und Ausnahmen gemacht, auf die in den folgenden Abschnitten noch einzugehen sein wird. Einige afrikanische Staaten befanden sich 1959 faktisch schon seit Jahren unter einer Art „weißer Selbstverwaltung“. Eine mit der Dekolonisierung einhergehende generelle Machtverschiebung zu Gunsten der schwarzen Bevölkerung schien deshalb, aus Sicht der deutschen Diplomaten, „nicht immer“ angebracht. Nicht allein Rücksichtnahmen auf westliche Verbündete oder der Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten spielten hier eine Rolle. Zur Basis der Argumentation war die Quantität einer weißen Besiedlung gemacht worden. Diese Auffassung in einer klaren Stellungnahme für die Diplomaten vor Ort auszuformulieren, war eine Aufgabe, deren Bearbeitung in der Zentrale auch 1959 noch ausstand, weshalb der „richtige“ Umgang mit dem Dekolonisierungsprozess den Diplomaten vielfach selbst überlassen blieb.[63]

Alle drei großen Konferenzschwerpunkte lassen erkennen, welche Bedeutung der Dekolonisierungsthematik beigemessen wurde. Der Klärungsbedarf zu diesbezüglichen Fragen war so erheblich, dass viele Konferenzabschnitte letztlich immer wieder auf sie zurückfielen. Es scheint deshalb sinnvoll, sich näher mit der Dekolonisierung und ihrer „Handhabung“ auf der Konferenz auseinanderzusetzen. Hierzu sollen die drei Komplexe a) Kolonialistische Plädoyers - Standpunkte zur europäischen Kolonisierung, b) Rückzugspunkte weißer Dominanz - Grenzen der Dekolonisierung und c) Zwischen Post- und Neokolonialismus - Formen und Ideen künftiger Bande untersucht werden.

 

4.a Kolonialistische Plädoyers - Standpunkte zur europäischen Kolonisierung

Auch wenn sich das Interesse der Konferenzteilnehmer auf den Dekolonisierungsprozess konzentrierte, fiel der hierüber geführte Diskurs doch häufig auf den Kolonialismus selbst zurück. Kritische Äußerungen traten dabei nur selten zu Tage. Bemerkungen wie die von Botschafter Werner Gregor, dass selbst ein „Kolonialismus, der in der besten Absicht und mit viel Verständnis“durchgeführt werde, zwar„grosse zivilisatorische Errungenschaften auf allen Gebieten (Gesundheitswesen, Erziehung, Infrastruktur)“liefern, „für die Bevölkerung des Landes“aber keine wirkliche Hilfe darstellen könne, bildeten die Ausnahme.[64] Zudem plädierte selbst er dafür, deshalb nicht in einen Antikolonialismus zu verfallen.[65] Kolonialpropagandisten waren auf der Konferenz also eindeutig in der Überzahl. Auch die Zentrale bildete hier keine Ausnahme, und so erklärte Abteilungsleiter von Etzdorf, „dass der Kolonialismus auch Gutes gebracht“habe.Erst durch ihn habe Schwarzafrika „die Grundlagen für das Entstehen“von Staaten erhalten.[66]Van Scherpenberg griff diesen Punkt auf und führte aus, dass die„Zeit des Kolonialismus“auch eine Zeit enormer europäischer Investitionen gewesen sei.[67]

Neben der Zentrale waren auch viele Diplomaten um das Ansehen des Kolonialismus bemüht. Legationsrat Dencker verwies auf Äthiopien, dessen starke Unterentwicklung ohne jegliche Verschuldung einer Kolonialmacht zustande gekommen sei.[68] Generalkonsul Heinrich Hendus versuchte, den westlichen Kolonialismus zu relativieren, indem er erklärte, einen neuartigen, „farbigen“ Kolonialismus ausgemacht zu haben.[69] Soehring bemerkte, dass die Grenzen von Belgisch-Kongo und Französisch-Äquatorialafrika allesamt willkürlich gezogen worden seien. Dennoch hätten die neuen Regierungen diese beibehalten.[70] Gezielt wurde in all diesen Fällen die Praxis afrikanischer Eigenstaatlichkeit genutzt, um die 1959 im Umlauf befindlichen antikolonialistischen Thesen fragwürdig erscheinen zu lassen.

Doch auch aus historischer Perspektive wurde argumentiert. So holte Soehring weit aus und kam auf den Belgisch-Kongo und die „weise“ Politik des belgischen Königs, gemeint war wohl Leopold II. (1835-1909), zu sprechen.Im Kongo sei ein kolonialer Wohlfahrtsstaat geschaffen worden, dessen „Geschäftstüchtigkeit und Humanitarismus“nur bewundert werden könnten.[71]

Es lässt sich also aufzeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Konferenzteilnehmer gegenüber dem Kolonialismus positiv eingestellt war. Er hatte ihrer Ansicht nach afrikanische Staatlichkeit überhaupt erst ermöglicht und eine gewaltige Aufbauarbeit auf dem „dunklen“ Kontinent geleistet. Armut in Afrika wurde weniger als eine Folge des Kolonialismus als vielmehr als ein Produkt „natürlicher“ afrikanischer Gegebenheiten wahrgenommen. Nun lief der Kolonialismus seinem Ende entgegen. Seine Prägekraft auf die Mentalität der Konferenzteilnehmer hatte er dabei jedoch kaum eingebüßt .

 

4.b Rückzugspunkte weißer Dominanz - Grenzen der Dekolonisierung

Wie schon erwähnt, hatte die Zentrale in ihrer Beurteilung der Dekolonisierung zwischen zwei Kategorien von Staaten unterschieden, aus denen sich unterschiedliche Problemlagen ergaben. Neben den einer schwarzen Bevölkerung vorbehaltenen Gebieten, die im nächsten Abschnitt behandelt werden sollen, bestanden auch solche mit einer „gemischtrassigen“ Population. In letzteren hatte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vielfach eine weiße Selbstverwaltung etabliert. Nicht mehr die Dekolonisierung, sondern „Rassenfragen“ bestimmten hier das Geschehen.[72]

Auf der Konferenz wurde in diesem Zusammenhang unterschieden „einerseits zwischen dem Territorium der Schwarzen und dem Problem des weißen Siedlers, der das Territorium nicht nur als eine Verdienststätte, sondern als Heimat ansieht, und andererseits dem, was hier als Rassenlaboratorium bezeichnet wurde“.[73] Ersteres ließe sich in Kenia finden, wo die „White Highlands“ mit ihrer starken weißen Besiedlung, ein noch ungelöstes „Rassenproblem“ darstellen würden.[74] Ein „Rassenlaboratorium“ sei dagegen Tanganjika mit seinem auf dem Prinzip der „Rassenpartnerschaft“ gestützten Wahlrecht. Auch die Föderation von Rhodesien und Njassaland dürfte hierzu gezählt worden sein, auch wenn „in diesem, bis dato vielfach für die Koexistenz der Rassen als vorbildlich angesehenen Staatsgebilde[75] hinter der mit dem Slogan der Partnerschaft gezierten demokratisch-parlamentarischen Fassade die spät-kolonialistischen Rassengesetzgebungen durchaus lebendig sind“.[76] „Rassenprobleme“ würden in diesem Gebiet alle anderen Probleme überlagern. Sogar dessen Bündnisfähigkeit wurde deshalb in Zweifel gezogen,[77] was Legationsrat Herbert Schröder, aus dem Afrikareferat des AA, zu der Bemerkung veranlasste: „Ich bin der Auffassung, dass wir in Afrika keinen Schritt weiterkommen werden, wenn nicht der Weisse, der dort das Heimatrecht erworben hat und dort lebt, sich ebensogut Afrikaner nennt wie der Schwarze, der dort lebt“.[78] Interessanterweise stellte Südwestafrika das einzige „gemischtrassige“ Gebiet dar, in welchem den „Eingeborenen“ ein eigenes „Engagement“ in ihrem Streben nach politischer Mitbestimmung eingeräumt[79] und in der Frage einer „grundsätzlichen Lösung des schwarz-weiß Problems“ keine Stellung bezogen wurde.[80] Das ehemals deutsche Kolonialgebiet schien in den Betrachtungen einen „Sonderweg“ zu beschreiten.

„Sonderfälle“ dieses Kategoriensystems, welches sich vor allem auf das Afrika südlich der Sahara bezog, bildeten die Union von Südafrika und das Département Algerien. Das übrige Nordafrika wurde praktisch nicht in den Diskurs mit einbezogen. 1959 schon bestehende Eigenstaatlichkeiten und das Eingeständnis nordafrikanischer „Interessen“ an Gesamtafrika hatten hierfür den Ausschlag gegeben.[81]

Algerien bildete einen Sonderfall, da bei einer klaren bundesdeutschen Positionierung im Algerienkrieg[82] außenpolitische Auswirkungen auf den arabischen Raum[83] und das alliierte Frankreich[84] befürchtet werden mussten. Der zehnprozentige Anteil sogenannter „Europäer“ an der algerischen Gesamtbevölkerung von fast 10 Mio. Menschen „(einschließlich 160.000 zum großen Teil assimilierter eingeborener Juden)“ dürfte aber auch eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt haben.[85] Den zweiten Sonderfall stellte die Union von Südafrika dar:

„Die Südafrikanische Union ist ein Stück Europa, das eigentlich nur zufällig auf afrikanischem Boden liegt, und bildet deshalb auf dieser Afrikakonferenz ein Kuriosum, welches in die hier zur Erörterung stehende typische Problematik des übrigen schwarzen Kontinents, wie ´erwachender schwarzer Nationalismus´, ´ausgehender Kolonialismus´ und ´Pan-Afrikanismus´, nicht hineinpasst oder, wo dies doch der Fall ist, wie in der Rassenfrage, für die westliche Afrikapolitik ein ´embarrassment´ europäischer Herkunft ist“.[86]

Diese Bemerkung macht deutlich, wie sehr man die Union mit Europa verwoben glaubte. Weiter hieß es, dass auch die „positiven Elemente“ der Apartheidspolitik Berücksichtigung finden müssten, da „die Schwarzen in ihren Reservaten mit weißen Steuergeldern“erzogen und gefördert würden.[87]Zudem habe die Union „Bantustans“[88] einrichten lassen, in denen die Schwarzen segregiert wohnen dürften. Zum Arbeiten könnten sie in die weißen Gebiete kommen, wie der „italienische Wanderarbeiter“ nach Deutschland, was den Referenten des Länderreferates zu der Bemerkung veranlasste: „Man muß anerkennen, daß dieser Apartheidsplan eine originelle Lösung der Rassenfrage erstrebt sowie Vision, Schwung und bestechende Logik besitzt“.[89]

Ähnliche Planungen hatten auch im „Dritten Reich“ für ein zu schaffendes Deutsch-Mittelafrika bestanden.Strikte „Segregation“ und „Rassenhygiene“ hätten das dortige Bild dominieren sollen,[90] wozu neben einem„Reichskolonialgesetz“ auch ein „Kolonialblutschutzgesetz“ entworfen worden war.[91] Dass einige Konferenzteilnehmer den Umgang der Union mit ihrer schwarzen Bevölkerung so positiv einschätzten, dass hiergegen keine Widerworte erhoben wurden, dürfte unter anderem auch hierauf zurückzuführen sein. Aus Mentalität wie politischer Vorstellungswelt der Afrikadiplomaten war dieses Erbe des Nationalsozialismus noch nicht verschwunden.

Im Diskurs der Konferenzteilnehmer war die Dekolonisierung in den Gebieten der zweiten Kategorie somit einer „Rassenfrage“ gewichen. Weißen Siedlern wurde Heimatrecht und eine afrikanische Identität zugesprochen. Diese Gebiete sollten auch weiterhin einer weißen Bevölkerung vorbehalten bleiben oder doch zumindest unter weißer Dominanz verweilen. Dementsprechend konnte die Dekolonisierungsfrage das deutsche Afrikaengagement hier auch nicht belasten. Sie war, so befanden die Konferenzteilnehmer, bereits „erfolgreich“ gelöst. Bestehende „Rassenprobleme“, wie sie besonders in der Union von Südafrika zum Vorschein kamen, konnten als „innenpolitische Angelegenheiten“ aufgefasst und sprichwörtlich zu den außenpolitischen Akten gelegt werden.

 

4.c Zwischen Post- und Neokoloniamlismus - Formen und Ideen künftiger Bande

Für die Staaten der ersten Kategorie, die nicht über eine starke weiße Besiedlung verfügten, hatte, in den Augen der Konferenzteilnehmer, das Ende des Kolonialismus eine neue Basis des europäisch-afrikanischen Beziehungsgefüges erforderlich gemacht. Es bestand Einigkeit darüber, dass nur ein friedlicher, evolutionärer Übergang zu dem Ziel führen könnte, Europa auch diesen Teil Afrikas zu erhalten.[92]

Ein tragfähiges Konzept sollte erstellt werden, um den Afrikanern diese Bindung an Europa attraktiv erscheinen zu lassen. Von Etzdorf schlug vor, das Christentum hierfür zu nutzen. In der anschließenden Diskussion wurde der Gedanke aber verworfen, da die schwarzen Afrikaner zum einen der Moral[93] und der Komplexität[94] des Christentums nicht gewachsen seien und ihnen zum anderen das Angebot des Islam, über vier Ehefrauen verfügen zu dürfen, einfach zu verlockend erscheine.[95] Der Wunsch, eine anziehende Idee zu entwerfen, um Afrika vom Kommunismus zu entfernen und gleichzeitig Europa näher zu bringen, spielte aber auch im weiteren Konferenzverlauf eine zentrale Rolle. Bezeichnenderweise wurde dieses Thema gerade in der Diskussion zu den handels- und entwicklungspolitischen Angelegenheiten erneut aufgegriffen. Man hoffe, so hieß es, bei einer geeigneten geistigen Bindung weniger finanzielle Investitionen tätigen zu müssen. Generalkonsul a.D. Voigt erklärte hierzu, dass die Schwäche des Westens weniger in der geringen Anzahl „seiner investierten Dollars“ in Form von Entwicklungshilfe als in seiner politisch-geistigen Position liege. „Der Westen hätte auf diesem geistig-ideologischen Gebiet etwas zu bieten, einfach deswegen, weil er der Westen ist, denn westlicher Prägung ist die Idee der nationalen Freiheit und der Unabhängigkeit“.

Nun hätten jedoch auch die Sowjets dies aufgegriffen.[96] Er führte aus:„Gewiß, die Idee der Freiheit ist durch das sowjetische Vorgehen nicht ausgeschöpft, aber was noch von den freiheitlichen Idealen des Westens bleibt, das ist für die Entwicklungsländer so schemenhaft, daß es nicht verstanden wird. Demokratie, Parlamentarismus, Rechtsstaat und ähnliche Ideale sind im Westen geprägte Begriffe. Für das ganze Gros der Entwicklungsländer sind sie eine taube Nuß“.Dem „einfachen“ afrikanischen Gemüt müssten „einfache“ Ideen geboten werden. Obwohl van Scherpenberg erklärte, dass es eine solche attraktive „einfache“ Idee nicht gebe,[97] setzte Voigt seine Argumentation fort[98] und erklärte: „Es bleibt dem Westen weiter nichts übrig, als immer weiter auf der Suche nach der großen zündenden Parole zu bleiben, mit der er einmal die ganzen Entwicklungsvölker innerlich und nicht mit Dollars und Pfunden an sich ziehen kann“.[99] Im Laufe der Diskussion wurden auch die vom amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt 1941 formulierten vier Freiheiten von Not, Furcht, Rede und Glauben vorgeschlagen,[100] nur um gleich darauf wieder verworfen zu werden.[101] Das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“[102] und „so etwas wie“ eine afrikanische „Entwicklungscharta“[103] wurden ebenfalls genannt, um die Afrikaner „zufrieden zu stellen“. Bis zum Ende der Konferenz sollte jedoch kein als ausreichend tragfähig erachtetes Konzept gefunden werden.

Gesondert behandelt wurden in der Diskussion rohstoffreiche Gebiete wie die Sahara oder der Belgisch-Kongo. Zu ersterer wurde angemerkt, dass sich das dort ansässige Volk der Tuareg als Teil der „weißen Rasse“[104] sicher schon nach kurzer Zeit aus einer „schwarzen Herrschaft“ befreien würde.[105] Einige Tuaregs würden sich schon im Fessan versammeln,[106] wo vor kurzem größere Erdölvorkommen entdeckt worden seien.[107]Van Scherpenberg interessierte hieran vor allem, ob ein„Sahara-Staat“entwickelt werden könnte, durch dessen territoriale Integrität es dann möglich sei, das Öl der Sahara aus dem nordafrikanischen Machtbereich herauszulösen. Als Preis für seine protegierte Existenz hätte dieser eine „gewisse Verbindung“ mit Europa einzugehen.[108]Die Herauslösung einzelner, an Bodenschätzen reicher Gebiete aus einer „schwarzen Herrschaft“ wurde auch im Falle des Kongo besprochen. Eindeutige Stellungnahmen wurden zu dieser Problematik allerdings nicht abgegeben.

In jedem Falle sollte Afrika weiter an Europa gebunden bleiben. In den Augen der deutschen Diplomaten hatten die Kolonialmächte den formalen Kolonialismus in den Staaten der ersten Kategorie hierfür freiwillig geopfert.

Damit war aber auch eine geistige Klammer verschwunden. Lediglich Freiheiten „von“ standen noch im Raum. Eine ideologische Grundlage, warum und vor allem wie Europa und Afrika in derselben Intensität verbunden bleiben sollten, fehlte. Ebenso schien eine konkrete, „westliche“ Ideologie zu fehlen, was sich auch auf das bundesrepublikanische Selbstverständnis der an der Afrikapolitik beteiligten Mitarbeiter und Führungskräfte des AA ausgewirkt haben dürfte. Diejenigen, die in Afrika für den Westen und dessen Werte werben, deren globale Ausbreitung fördern sollten, waren sich scheinbar dessen, was „den Westen“ in seinem Innersten, seine Werte, ausmachte keineswegs in dem Maße bewusst, wie es hierzu nötig gewesen wäre. Einer offenen Propagierung ihrer eigenen rassistischen Ideologie beraubt, gleichzeitig frei von jeglichem ideologischem Ersatz, ließen sie lediglich lose, „westliche“ Begriffe im Raum treiben.

Die Einsicht in die Diskrepanz, dass eine dominante Position Europas und damit auch der Bundesrepublik in Afrika allein durch finanzielle Zuwendungen, wie sie beispielsweise die Entwicklungshilfe verkörperte, langfristig nicht zu halten sein würde, schien dabei durchaus vorhanden gewesen zu sein.

Afrika, als dem Gegenstand der Konferenz, wurde immer wieder eine gewisse „Rückständigkeit“ unterstellt, die zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Entwicklung künftiger Beziehungen haben würde.

In einem dritten Schritt soll deshalb nun der Frage nachgegangen werden, inwieweit Afrika eine eigene Staatlichkeit zugetraut wurde. Inwieweit wurde den Afrikanern überhaupt eine „Befähigung“ zum selbständigen Schaffen und damit zu eigener Staatlichkeit attestiert? Drei Schwerpunkte die sich in der Auseinandersetzung mit diesen Fragen immer wieder bildeten, sollen zu ihrer Beantwortung im Folgenden herangezogen werden: a) Kultur und Natur als Indikatoren eigenständigen, staatlichen Potentials, b) Erfolgskomponenten staatlicher Entwicklung und c) Europas Rolle innerhalb afrikanischer Entwicklung.

 

5.a Kultur und Natur als Indikatoren eigenständigen, staatlichen Potentials

Zunächst soll darauf eingegangen werden, wie die Konferenzteilnehmer Afrika zwischen den Polen „Natur“ und „Kultur“ positionierten. Kulturelle Ausdrucksfähigkeit war auf der Konferenz immer wieder als Basis staatlicher Entwicklung genannt worden.

Interessanterweise wurde Afrika auf der Konferenz auch noch 1959 eher mit Begriffen aus Flora und Fauna in Zusammenhang gebracht. Über einen Kameruner Abgeordneten hieß es sogar: „Wenn man die Augen schließt und das traurige Schimpansengesicht mit den außerordentlich klugen Augen nicht vor sich sieht, sondern nur hört, was er zu sagen hat, hat man das Gefühl, man spricht mit einer Exzellenz“.[109] Solch rassistisch-animalische Vergleiche kamen im Konferenzprotokoll zwar selten vor, Bezüge zur Flora dafür aber umso häufiger. Die „non-committed world“, so hieß es, gehöre „ihrer Natur nach“ zum Westen,[110] Europas „Saat“ stecke in afrikanischem „Boden“[111] und habe dort „Wurzeln geschlagen“.[112]

Eigene kulturelle Leistungen wurden schwarzen Afrikanern nur in begrenztem Umfang zugestanden. Zu einem Vergleich europäischer und afrikanischer Schüler hieß es: „In der Aneignung reinen Gedächtnisstoffes sollen sie vielfach die europäischen Kinder übertreffen, insbesondere auch, weil ihr Ehrgeiz manchmal größer ist. Bezüglich der Selbständigkeit des Denkens werden ihre Fähigkeiten allerdings schwächer beurteilt“.[113] Auch im Vergleich mit Asien schnitt afrikanische Kultur eher schlecht ab, da die asiatische „Staatengeschichte“ eine sehr viel „nachhaltigere“ gewesen sei.[114]Lediglich für das Rechtswesen,[115] die Musik und die Architektur Afrikas wurden gewisse „Zugeständnisse“ gemacht.[116] .

Auch 1959 wurde die schwarze afrikanische Bevölkerung demnach eher einer stagnierenden „Natur“ als sich entwickelnden „Kulturen“ zugeordnet. Dabei wurde einer Idee Ausdruck verliehen, derzufolge nur die europäische Kultur, die auch Trägerin staatlicher Werte sei, den natürlichen Stillstand des „dunklen Kontinents“ durchbrechen könne. „Der schwarze Afrikaner“ schien den deutschen Diplomaten „biologisch“ dafür prädestiniert, europäische Ideen aufzunehmen; selbständig weiterentwickeln konnte er sie in ihren Augen aber nicht. Den Erwartungen einer Elite, die Kultur als den Indikator jeglicher staatlicher Entwicklung betrachtete, an eine selbständige, afrikanische Staatlichkeit musste diese Einschätzung einen deutlichen Dämpfer verpassen.

 

5.b Erfolgskomponenten staatlicher Entwicklung

Auch wenn ein afrikanischer Staat sich in den Augen der Konferenzteilnehmer nicht selbständig entwickeln konnte, bestand doch die Möglichkeit, durch Nutzung ausgewählter europäischer „Erfolgskomponenten“ vitale Staatskörper auch in Afrika zu errichten.

Eine dieser Komponenten bildete die als wünschenswert betrachtete Überlappung von „Rasse“ und Staat. Deshalb sollten die neuen Staaten, um „gesunde“ Staatsvölker zu erhalten, nicht die alten Kolonialgrenzen übernehmen. Soziale und „landsmannschaftliche“Gegensätze seien sonst die Folge.[117] In zahlreichen Länderberichten wurde immer wieder indirekt darauf verwiesen, dass ein „reinrassiger“ Staat grundsätzlich eine bessere Ausgangslage bilde. So wurde auf die „rassisch“ relativ einheitliche, hamitische Bevölkerung[118] des stabilen Somalia verwiesen.[119] Für Liberia wurde Staatspräsident William Tubman bescheinigt, dass er die politischen Spannungen des Landes erfolgreich beseitigt habe, da nur „Neger oder Negerabkömmlinge“liberianische Staatsbürger werden könnten.[120] Der Vielvölkerstaat Äthiopien bildete in diesem Zusammenhang eine Ausnahme. Er verfügte aber über die „Klammer“ der „staatsbewussten amharischen Herrenbevölkerung“.[121] Diese habe die nicht vorhandene „Reinrassigkeit“ erfolgreich ausgeglichen.[122] Als „Herrenvolk“ wurden in diesem Zusammenhang auch die Hereros in Südwestafrika bezeichnet.[123]

Eine weitere Komponente stellte die „Befriedung“ der „Stämme“ dar. Diese Aufgabe, die schon die Kolonialmächte beschäftigt hatte, diente auch nun als Indiz für die guten „Führungsqualitäten“ eines Staatspräsidenten. „Der Ministerpräsident Ghanas hat die Eigenschaften eines modernen Volkstribunen, der die Massen zu packen weiß“, wurde zu Kwame Nkrumah vermerkt.[124] Selbst der 1959 vom Westen als stark prosowjetisch eingeschätzte Sékou Touré wurde in dieser Hinsicht gelobt.[125]

Auch die Opferung demokratischer Grundwerte zur Stabilisierung des Staatskörpers schien allen Konferenzteilnehmern legitim. Der Bericht über den Staatspräsidenten des Französisch-Kongo, Fulbert Youlou, der den Abgeordneten der sozialistischen Partei das Betreten des Parlamentssaales verboten hatte, wurde von Generalkonsul Soehring mit Befriedigung verlesen.„Er hat auch in letzter Zeit in durchaus richtiger Erkenntnis der Lage ein interessantes Experiment gemacht, nämlich die Todesstrafe für politische Vergehen wiedereingeführt, die auf öffentlichem Platz vollstreckt werden soll“.[126] Solch autoritäre Züge wurden in den Referaten immer wieder als Kriterium für erfolgreiche Staatlichkeit angeführt, was Ministerialdirektor Harkort in der Schlussdiskussion zu der Bemerkung veranlasste, dass die Bundesrepublik meist zu den Staaten die besten Beziehungen unterhalte, die „manchmal sogar in unseren Augen reaktionäre sind“.[127]

„Rasseneinheit“ oder Dominanz einer „Herrenrasse“, „Befriedung der Stämme“, Autoritarismus und die schon in den früheren Abschnitten erwähnten „europäischen Züge“ bildeten ein Geflecht von Eigenschaften, die nach Ansicht der Diplomaten zu einer erfolgreichen staatlichen Entwicklung in Afrika beitrugen. Der Terminus des angestrebten „evolutionären Übergangs“ sollte in den Augen der Konferenzteilnehmer auf diese Weise seine praktische Umsetzung erfahren. Die Kontinuität „vergangener“, kolonialistischer Systeme, aber auch eines Staatsverständnisses, wie es nicht zuletzt auch im „Dritten Reich“ vertreten worden war, wird hier offenkundig.

 

5.c Europas Rolle innerhalb afrikanischer Entwicklung

Abschließend soll nun auf die Rolle Europas bzw. die „europäischen Züge“ in der afrikanischen Entwicklung eingegangen werden. Deren Bedeutung konnte in den Augen der Konferenzteilnehmer gar nicht überschätzt werden.

Immer wieder wurde auf die gebende Funktion Europas in der Darstellung des Verhältnisses der beiden Kontinente zueinander hingewiesen.[128] So hatten angeblich „die Grundsätze der englischen Demokratie und des englischen Rechtswesens“ in Nigeria „feste Wurzeln gefasst“.[129] Erst von den Franzosen hatten die Guineer „das Raisonieren“ gelernt.[130] Diese „Ausstrahlungskraft“ der Kolonialmächte veranlasste van Scherpenberg zu der Bemerkung: „Das politische Denken und das ganze politische System der Mutterländer hat auf diese Gebiete doch mehr oder weniger abgefärbt“.[131]In der positiven Einschätzung europäischer Produktivität auf afrikanischem „Boden“ herrschte Übereinstimmung. An der Frage des „Schutzes“ dieses „Produktes“ durch seinen Schöpfer zerbrach der Konsens.

Europa besäße eine „Verantwortung“ für Afrika, da es den Kontinent doch erst „zur Existenz gebracht“ habe, erläuterte Soehring. „Es ist, wenn das Wort auch nicht sehr geschätzt wird, ein paternalistisches Verhältnis, und dieses paternalistische Verhältnis scheint mir überhaupt der Ansatzpunkt zu sein für die Frage, wie wir in Zukunft zusammen mit den Afrikanern leben sollen“.[132] Konsul Walter Reichhold widersprach und erklärte, dass es durchaus eine„negro-afrikanische Kultur“gäbe, die von den „jungen Intellektuellen“ Afrikas vertreten würde. Es wäre„außerordentlich gefährlich“, sich nochmals an einer paternalistischen Politik zu versuchen. „Und andererseits wissen diese Leute, dass wir oder unsere Vorfahren nicht hierher gekommen sind, um hier Kultur zu säen und das Christentum zu verbreiten, sondern um Silber und Gold und andere Dinge zu suchen“.[133]Soehring konterte, dass aber doch der Sklavenhandel den Europäern„eine gewisse Verpflichtung“auferlegt habe.[134] Nun griff van Scherpenberg ein, der beide Aussagen nicht kommentarlos stehen lassen konnte:

„Wir wollen hier nicht von Schuld sprechen, sondern von der Einstellung der Afrikaner zu uns. Und ich möchte hier einmal mit dem ganzen Unfug der Verpflichtung der weissen Welt gegenüber der farbigen Welt, gegenüber den Entwicklungsländern, aufräumen. Diese Verpflichtung, von der gesprochen wird, ist genauso verlogen wie the white man’s burden.[135] Wir sollten diese Dinge sehr nüchtern von unserem Interesse aus sehen. [...] Die moralische Begründung ist immer eine Folge, aber sie darf nie ein Motiv der Politik sein“.[136]

Hier zeigt sich noch einmal deutlich, wie allumfassend die Bindung Afrikas an Europa perzipiert wurde. Selbst die „Existenz“ Afrikas schien ohne europäisches Wirken in Frage gestellt. Afrika wurde als Produkt Europas gedacht. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch, welch eine Wunde der Antikolonialismus in die bis dahin bestandene Logik gerissen hatte. Eine Verantwortung für, gar eine Kolonialschuld an Afrika konnte und wollte sich 1959 schon nicht mehr jeder der Konferenzteilnehmer eingestehen. Das Lager der Konferenzteilnehmer war in moralisierende Kolonialromantiker und interessenfokussierte Realisten zerfallen.

 

6. 1960 – Ein Wendejahr?

Was bedeutete die Dekolonisierung Afrikas nun für die deutsche außenpolitische Elite? War 1959, nur zwei Monate vor dem Beginn des Afrikajahres, tatsächlich ein Umdenken zu erkennen? Inwieweit sollte 1960 tatsächlich ein Wendejahr werden?

In den Augen vieler deutscher Diplomaten waren den schwarzen Afrikanern Jahrhunderte lang europäische Ideen zugeführt worden, sodass ihr Geist sich auf Europa ausgerichtet hatte. Die Konferenzteilnehmer glaubten, hierin eine Art kulturelles Band erkennen zu können, welches Afrika immer enger an Europa gebunden und entscheidend geprägt habe. Durch dieses Band sei Europa eine Art Verantwortung gegenüber Afrika zugefallen, die sich im Kolonialismus ausgedrückt habe.

Mit dem Ende des Kolonialismus wurde dieses Band nun auf eine harte Belastungsprobe gestellt. Der Kolonialismus hatte neben seiner logistischen auch eine ideelle Brückenfunktion besessen. Nach seinem Wegbrechen konnte die logistische Versorgung Afrikas mit europäischen Einflüssen durch die neu geschaffene „Entwicklungshilfe“, die kulturelle Versorgung durch „Kulturhilfe“ und „Public Relations“ aufrechterhalten werden. Das ideologische Grundgerüst, das Fundament der Beziehungen, war jedoch zusammengebrochen. Weder war es dem Westen gelungen, eine Ideologie gegen den Kommunismus in Afrika aufzubauen, noch hatte Europa für ein „Eur-afrika“ den ersten, entscheidenden intellektuellen Ansatz geliefert. So verwundert es nicht, dass der Konferenzdiskurs immer wieder auf eine Art kurzfristige „Notlösung“, die finanzielle Unterstützung in Form von Entwicklungshilfe, zurückgeworfen werden sollte. An der Gestaltung eines attraktiven geistigen Überbaus zur Beibehaltung dominanter europäisch-afrikanischer Beziehungen scheiterte er.

Auch andere europäische Staaten waren auf die Geschwindigkeit der Dekolonisierung Afrikas nicht vorbereitet gewesen.[137] Das beste Beispiel dafür bot Belgien, dessen Verhalten mit zur Kongokrise im Belgisch-Kongo beitragen sollte. Zudem hatte nicht jeder Europäer bereits mit dem Kolonialismus abgeschlossen. Die Bundesrepublik bildete hier keine Ausnahme.

Nur über diese können in dieser kleinen Studie aber auch Aussagen zum Weiterbestehen kolonialer Werte und Vorstellungen getätigt werden, welche mit zwei Rassismen Hand in Hand gingen. Schon in den Diskursen der Kolonialzeit hatte es in der Auseinandersetzung mit Afrika eine „moderne biologistische Form des Rassismus, die als Sozialdarwinismus gefasst werden kann“ und eine solche der „Kulturmission“ gegeben. Der koloniale Rassismus hatte sich überwiegend in der kulturellen Form manifestiert und dabei das Bild eines „kulturlosen Negers“[138] konstruiert. Dieser Rassismus wurde vom „sozialdarwinistischen“ Rassismus überzogen und durchwoben, abgelöst wurde er aber nie. Deshalb stellte der „Sozialdarwinismus“ auch die unbedeutendere Form des kolonialen Rassismus dar.[139]

In der Nachkriegszeit schien dieses Verhältnis einem Gleichgewicht gewichen zu sein. Biologistische wie kulturmissionarische Erklärungsmodelle kamen auf der Konferenz relativ gleichmäßig zur Anwendung.

Beim Unvermögen, eine neue theoretische Legitimierung zur Aufrechterhaltung europäischer Dominanzansprüche über Afrika zu entwerfen, dürfte auch diese veränderte Qualität des Rassismus eine Rolle gespielt haben. Ein starker kulturmissionarischer Ansatz hätte auf die Aushandlung der neuen Zusammenarbeit sicherlich wesentlich befruchtender gewirkt.

Dieses Unvermögen hatte die Konferenz in eine Sackgasse geführt, was auch die lavierende Haltung von Zentrale wie Vertretungen gegenüber den auslaufenden Kolonialmächten und den schwarzen wie weißen Afrikanern erklärt. Nicht allein Rücksichtnahmen auf befreundete Kolonialmächte spielten hier eine Rolle. Ebenso wichtig war die Frage, wie die „Zusammenarbeit“ nach einer Dekolonisierung überhaupt aussehen sollte. Der sich ständig wiederholende Hinweis auf die Notwendigkeit eines „empirischen Vorgehens“ zeigt, dass die Zentrale hierauf keine allgemeingültige Antwort parat hatte. Zwar waren sich alle im Oktober 1959 bewusst, dass eine Wende schon bald bevorstand. Geistig an dieser teilzuhaben, sie mitzugestalten, dazu waren sie aber nicht in der Lage.

Hierzu war der interne Diskurs des AA, aufgerüttelt durch den Antikolonialismus, inzwischen wohl aber auch schon zu weit auseinandergeklafft. Wie im letzten Abschnitt erwähnt, standen sich „Romantiker“, die immer noch von einer europäischen Verantwortung schwärmten, und „Realisten“, deren Wahrnehmung von einer eher nüchternen Betrachtungsweise bestimmt wurde, gegenüber.[140] Während die Romantiker eher in den Vertretungen präsent waren, ließen sich die Realisten vor allem in der Bonner Zentrale finden, was ihnen in der Ausarbeitung einer künftigen Afrikapolitik einen entscheidenden Vorteil hätte verschaffen können. Da es aber an adäquaten Ideen mangelte, wurde die Initiative dem „empirischen Vorgehen“ der Diplomaten vor Ort überlassen. Eine einheitliche Linie konnte so nicht aufgebaut werden.

Entsprechend zurückhaltend war deshalb der Beitrag des letzten Redners zur Abschlussdiskussion: „Es ist m.E. eine gute Mittellinie gefunden worden. Auf der einen Seite die Anerkennung, dass das Zeitalter des Kolonialismus vorbei ist; auf der anderen Seite die Feststellung, dass hier in diesem Raum nicht eine revolutionäre, sondern eine evolutionäre Entwicklung vorzuziehen ist. Ich frage mich, ob die hier gewonnenen Erkenntnisse nicht die Grundlage für ein Kommuniqué oder für eine andere Art der Publizität genommen [sic] werden könnten. Damit würde den Vorwürfen, dass wir doch irgendwie im Lager des Kolonialismus stehen, widersprochen werden.“[141] Van Scherpenberg stimmte zu, bestand aber darauf, dass das Kommuniqué sich nur zu Verlauf und Abschluss der Konferenz äußern dürfe.[142]

So verwundert es nicht, dass auch hier eine, wenn nicht die zentrale Frage der meisten Konferenzteilnehmer nicht zur Sprache kommen sollte: War Afrika „reif“ für die Unabhängigkeit?

Eine Beantwortung dieser Frage hätte aber zunächst einmal die Lösung einer weiteren, mit ihr in direktem Zusammenhang stehenden Problematik erforderlich gemacht: War die Bundesrepublik selbst, war Europa 1959 wirklich schon „reif“ für ein unabhängiges Afrika?

 

 

Quellen

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B 2 96 Fiche 1–5

Politisches Archiv

Büro Staatssekretär

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Konferenzen 1959

Gesamtlaufzeit: 1959

B 2 97 Fiche 1-5

Politisches Archiv

Büro Staatssekretär

B 2 Nr. 97

Konferenzen 1959

Gesamtlaufzeit: 1959

B 34 115

Afrika – Konferenz in Addis Abeba

v. 12. bis 18.10.1959

Bd. I

1959

B 34 116

Afrika – Konferenz in Addis Abeba

v. 12. bis 18.10.1959

Bd. II

1959 

B 130 10096

Ministerbüro

Reisen ins Ausland

Personal

Beziehungen Deutschlands zu anderen Staaten

1956

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[1] PA AA, AA, B 34, 115: Telegramm (Vortragender Legationsrat I. Kl. Graf von Baudissin an Botschaft Addis Abeba) vom 19.10.1959.

[2] Ebd.: u. a. Pressespiegel (erstellt von Attaché Müller Chorus) vom 11.11.1959.

[3] PA AA, AA, B 1, 260, Anlage 1 (Kommuniqué).

[4] Ein deutsches Engagement in Afrika sollte die Kolonialmächte, die auch nach der Dekolonisierung eine dominante Position in „ihren“ Gebieten beibehalten wollten und sollten, finanziell wie personell entlasten.

[5] PA AA, AA, B 34, 115: Schreiben (von Etzdorf zur Vorbereitung der Konferenz) vom 20.08.1959, S. 3.

[6] Horst Gründer, Zum Stellenwert des Rassismus im Spektrum der deutschen Kolonialideologie, in: Frank Becker (Hrsg.), Rassenmischehen – Mischlinge – Rassentrennung. Zur Politik der Rasse im deutschen Kolonialreich, Stuttgart 2004, S. 27-41, hier S. 41.

[7] Inhaltlich stimmen letztere mit B1 260 nicht vollständig überein, da es sich um Rohfassungen handelt.

[8] PA AA, AA, B 130, 10096.

[9] Ulf Engel & Hans-Georg Schleicher, Die beiden deutschen Staaten in Afrika: Zwischen Konkurrenz und Koexistenz. 1949-1990, Hamburg 1998. / Ulf Engel, Die Afrikapolitik der Bundesrepublik Deutschland. 1949 – 1999. Rollen und Identitäten, Hamburg 2000.

[10] Ulf Engel & Hans-Georg Schleicher, Die beiden deutschen Staaten in Afrika, S. 35 f.

[11] Rolf Hofmeier, Five decades of German-African relations: limited interests, low political profile and substantial aid donor, in: Ulf Engel und Robert Kappel (Hrsg.), Germany’s Africa Policy Revisited. Interests, images and incrementalism, London 2002, S. 39-62, hier S. 41.

[12] Olivier Podevins & Tanja Preißinger, Zwischen Hallstein-Doktrin und sozialistischer Solidarität: Das französische Schwarzafrika in den außenpolitischen Konzeptionen der beiden deutschen Staaten, in: Revue d'Allemagne et des Pays de Langue Allemande 31 (1999), S. 377-90. / Markus Eikel, Das "Dilemma" des "natürlichen Vermittlers". Die Bundesrepublikanische Außenpolitik und die französische Dekolonisation in Schwarzafrika (1958-1965), in: Revue d'Allemagne et des Pays de Langue Allemande 31 (1999), S. 453-62.

[13] Helga Haftendorn u. a., Einleitung, in: Dies. (Hrsg.), Verwaltete Außenpolitik. Sicherheits- und entspannungspolitische Entscheidungsprozesse in Bonn, Köln 1978, S. 7-11, hier S. 8.

[14] Joachim Krause & Lothar Wilker, Bürokratie und Außenpolitik, in: Helga Haftendorn u. a. (Hrsg.), Verwaltete Außenpolitik. Sicherheits- und entspannungspolitische Entscheidungsprozesse in Bonn, Köln 1978, S. 39-53, hier S. 53.

[15] Ulrich Lappenküper, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 – 1990, München 2008, S. 61-62.

[16] Wilhelm Haas, Beitrag zur Geschichte der Entstehung des Auswärtigen Dienstes der Bundesrepublik Deutschland, Bremen 1969. / Heinrich End, Erneuerung der Diplomatie. Der Auswärtige Dienst der Bundesrepublik Deutschland – Fossil oder Instrument?, Neuwied/Berlin 1969. / Claus M. Müller, Relaunching German diplomacy. The Auswärtiges Amt in the 1950s, Münster 1996. / Thomas W. Maulucci, The creation and early history of West German foreign office. 1945-55, Yale 1997.

[17] Hans-Jürgen Döscher, Verschworene Gesellschaft. Das Auswärtige Amt unter Adenauer. Zwischen Neubeginn und Kontinuität, Berlin 1995, S. 311.

[18] Ulrich Lappenküper, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 – 1990, S. 61.

[19] Siehe hierzu: Jakov J. Etinger, Bonn greift nach Afrika, Berlin 1961. / Paul Friedländer & Hartmut Schilling, Kolonialmacht Westdeutschland. Zum Wesen, zu den Besonderheiten und Methoden des westdeutschen Neokolonialismus, Berlin 1962. / Johann Lorenz Schmidt, Probleme des Neokonservativismus. Die Besonderheiten des westdeutschen Neokolonialismus, Berlin 1963. / Heinz Tillmann & Werner Kowalski (Hg.), Westdeutscher Neokolonialismus. Untersuchungen über die wirtschaftliche und politische Expansion des westdeutschen Imperialismus in Afrika und Asien, Berlin 1963. / Denkschrift des afro-asiatischen Solidaritätskomitees der DDR über militärische und atomare Zusammenarbeit der BRD und der Republik Südafrika, Berlin 1964. / Wolfgang Spröte & Gerhard Hahn, DDR-Wirtschaftshilfe contra Bonner Neokolonialismus. Studie über die wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Unterstützung der Nationalstaaten durch die DDR und die staatsmonopolistische Förderung der neokolonialen Expansion des westdeutschen Monopolkapitals, Berlin 1965. / Gregor Schirmer, Der Westdeutsche Neokolonialismus - Eine Hauptgefahr für die freien Völker Afrikas und Asiens, in: Deutsche Aussenpolitik (1965), Nr. 4., S. 378-389. / Gregor Schirmer, Der Neokolonialismus der westdeutschen Bundesrepublik. in: Dokumentation der Zeit 340-342 (1965), (I: 340) S. 24-40, (II: 341) S. 20-30, (III: 342) S. 16-29. / Adolf Rüger, Wahrhold Drascher - faschistischer Kolonialexperte und bundesrepublikanischer Kolonialhistoriker, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 15 (1967), S. 1460-1466. / Das Bündnis Bonn-Pretoria. Denkschrift des afro-asiatischen Solidaritätskomitees der DDR, Berlin 1967. / Wolfgang Baatz, Afrika, die NATO und Bonn: zur Rolle des Imperialismus der BRD bei der Verwirklichung der strategischen Pläne der NATO auf dem afrikanischen Kontinent, Leipzig 1972. / Julius Mader, Neokolonialistische Praktiken der BRD gegenüber Namibia, Berlin 1978. / Gertraud Liebscher, Die Afrika-Politik des BRD-Imperialismus, in: Deutsche Aussenpolitik 23 (1978), Nr. 5, S. 89-102.

[20] Gunther Hellmann, Rainer Baumann & Wolfgang Wagner, Deutsche Außenpolitik. Eine Einführung, Wiesbaden 2006, S. 79.

[21] Wilfried von Bredow, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung, Wiesbaden 2008², S. 59: „[...] über Deutschland schwebte die ganze Zeit über ein Schatten, der bewirkte, dass die ansonsten ganz ´normale Politik´ dieses Landes doch immer unter ganz besonderer Beobachtung stand“.

[22] Wilfried von Bredow, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, S. 63.

[23] Birgit Schwelling, Die Außenpolitik der Bundesrepublik und die deutsche Vergangenheit, in: Siegmar Schmidt, Gunther Hellmann und Reinhard Wolf (Hrsg.), Handbuch zur deutschen Außenpolitik, Wiesbaden 2007, S. 101-111, hier S. 102.

[24] Birgit Schwelling, Die Außenpolitik der Bundesrepublik und die deutsche Vergangenheit, S. 103.

[25] Ulrich Lappenküper, Die Au?enpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1990, München 2008, S. 55.

[26] Kum’a Ndumbe, Alexandre: Was will Bonn in Afrika? Zur Afrikapolitik der Bundesrepublik Deutschland, Pfaffenweiler 1992, S. 363: „Das Prinzip der Solidarität mit den Kolonialmächten und dem Apartheidregime reiht die Bundesrepublik in jenes Lager ein, welches gegen die Befreiung Afrikas stets gewirkt hat.“

[27] Ulf Engel, Die Afrikapolitik der Bundesrepublik Deutschland, S. 272 und S. 282.

[28] Siegmar Schmidt, Afrika südlich der Sahara, in: Ders., Gunther Hellmann und Reinhard Wolf (Hrsg.), Handbuch zur deutschen Außenpolitik, Wiesbaden 2007, S. 532-544, hier S. 534.

[29] Chantal Metzger, Les deux Allemagnes, témoins ou acteurs de l'évolution du continent africain depuis 1949, in: Relations Internationales 77 (1994), S. 65-79, hier S. 79.

[30] PA AA, AA, B 34, 115: Schreiben (Vortragender Legationsrat I. Kl. Graf von Baudissin an Botschafter Dr. von Walther) vom 15.09.1959.

[31] Rüdiger Marco Booz, „Hallsteinzeit“. Deutsche Außenpolitik 1955 – 1972, Bonn 1995. / Werner Kilian, Die Hallstein-Doktrin. Der diplomatische Krieg zwischen der BRD und der DDR 1955-1973. Aus den Akten der beiden deutschen Außenministerien, Berlin 2001. / William Glenn Gray, Germany’s cold war. The global campaign to isolate East Germany. 1949 – 1969, Chapel Hill/London 2003.

[32] PA AA, AA, B 1, 260, S. 439: Ministerialdirektor Carstens (Diskussion VIII).

[33] Ebd., S. 24: Generalkonsul Soehring (Diskussion I): Generalkonsul Soehring stellte auf der Konferenz den wohl aktivsten Repräsentanten der konservativen Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes dar. Sein Standpunkt war von kolonialistischen und paternalistischen Zügen geprägt.

[34] Ebd., S. 15: Staatssekretär van Scherpenberg (Referat Die außenpolitische Lage Deutschlands): „[...] ich bitte, deshalb nicht etwa anzunehmen, daß unsere Außenpolitik nur aus dem Ost-West-Problem bestände. Unsere Außenpolitik muß heute vielmehr wieder auf die ganze Welt ausgerichtet sein und dazu gehört vor allem auch unser Verhältnis zur non-comitted world [sic] und zu den sog. Entwicklungsländern“.

[35] PA AA, AA, B 2, 96, Fiche 2, S. 144: Generalkonsul Soehring (Länderreferat Französisch-Äquatorialafrika und Kamerun): Soehring sah in Kamerun Startpunkte für ein erneutes deutsches Wirken in Afrika.

[36] Ebd., S. 120: Konsul I. Kl. Reichhold (Länderreferat Communauté Francaise): „Mit sentimentalen Erinnerungen können wir Deutschen in Togo nichts anfangen“.

[37] PA AA, AA, B 1, 260, S. 93 f.: Botschafter Ries (Länderreferat Liberia).

[38] Ebd., S. 40: Ministerialdirektor von Etzdorf (Referat Afrika in der Weltpolitik).

[39] Gemeint waren hier juristische Auslegungs- und wissenschaftstheoretische Rechtfertigungsversuche der Bundesrepublik, um ihren Alleinvertretungsanspruch eines gesamten Deutschlands in der Welt durchzusetzen.

[40] Ebd., S. 41 f.: Ministerialdirektor von Etzdorf (Referat Afrika in der Weltpolitik).

[41] Ulrich Lappenküper, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949 – 1990, S. 82.

[42] PA AA, AA, B 1, 260, S. 300 f.: Legationsrat I. Kl. Dumke (Referat Entwicklungspolitik).

[43] Ebd., S. 347: Ministerialdirektor Sattler (Referat Kulturelle Zusammenarbeit mit Afrika).

[44] Ebd., S. 16 f.: Legationsrat I. Kl. Hoffmann (Diskussion I): „Im Hinblick auf die künftige Entwicklung hat man bereits eine Umorientierung mit Blickrichtung auf das Endziel der sowjetischen Politik, den Kommunismus auf die ganze Welt auszudehnen, vorgenommen“.

[45] Ebd., S. 52: Legationsrat I. Kl. Schröder (Referat Afrika im Ost-West-Konflikt).

[46] Begriffe wie „der/die Afrikaner/in“, „Schwarze/r“ und „Weiße/r“, die in den zum Teil stark rassistischen Diskursen regelmäßig zur Beschreibung der jeweiligen Population herangezogen wurden, werden im Folgenden auch außerhalb von Quellenzitaten nicht in Anführungszeichen gesetzt. Die Verwendung dieser „zeitgenössischen“ Begriffe soll lediglich einem besseren Diskursverständnis des Lesers dienen und gibt in keiner Weise politische Ansichten des Autors wieder.

[47] Ebd., S. 53: Legationsrat I. Kl. Schröder (Referat Afrika im Ost-West-Konflikt): „Die entscheidenden Triebkräfte Afrikas sind heute der Wunsch nach Unabhängigkeit, nach Anerkennung rassischer Gleichwertigkeit, nach Bildung und nach wirtschaftlichem Fortschritt“.

[48] Ebd., S. 54: Legationsrat I. Kl. Schröder (Referat Afrika im Ost-West-Konflikt).

[49] Ebd., S. 55: Legationsrat I. Kl. Schröder (Referat Afrika im Ost-West-Konflikt): „Nur ganz große und personifizierte Vorhaben sind geeignet, auch die Phantasie der afrikanischen Massen zu erfassen und politische Früchte zu tragen“.

[50] Ebd., S. 26: Ministerialdirektor Harkort (Diskussion I).

[51] Ebd., S. 71: Legationsrat I. Kl. Poensgen (Diskussion II).

[52] Ebd., S. 247: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion III).

[53] Ebd., S. 262: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion III).

[54] Ebd., S. 142: Generalkonsul Soehring (Länderreferat Belgisch-Kongo): „Wenn man bedenkt, daß ein Mann wie der Generalpräsident der Abako, einer absolut revolutionären Bewegung [...] bei seinem Zwangsaufenthalt in Brüssel mehrfach Gegenstand spontaner und unterstrichener Beifallskundgebungen der Brüsseler Studentenschaft geworden ist, so liegt es nicht allzu fern, sich an Beaumarchais, die Hochzeit des Figaro und die Reaktion zu erinnern, die diesem Stück vor Beginn der französischen Revolution durch den französischen Adel zuteil geworden ist“.

[55] Ebd., S. 32: Ministerialdirektor von Etzdorf (Referat Afrika in der Weltpolitik).

[56] Ebd., S. 33: Ministerialdirektor von Etzdorf (Referat Afrika in der Weltpolitik).

[57] Ebd.: Ministerialdirektor von Etzdorf (Referat Afrika in der Weltpolitik).

[58] Zu diesen Gebieten zählte von Etzdorf Ghana, Guinea, Liberia, Nigeria und die gesamte Communauté Française. Letztere beinhaltete unter anderem die afrikanischen Staaten Senegal, Zentralafrikanische Republik, Republik Kongo, Gabun, Tschad, Elfenbeinküste, Obervolta, Niger, Dahome, Mauretanien und Mali.

[59] Ebd., S. 36: Ministerialdirektor von Etzdorf (Referat Afrika in der Weltpolitik).

[60] Ebd.: Ministerialdirektor von Etzdorf (Referat Afrika in der Weltpolitik): „Neben dem rein farbigen Afrika, dessen Weg in die Unabhängigkeit vorgezeichnet ist, stehen die Gebiete mit nennenswertem Einschlag weisser Siedler, die Heimatrechte für sich in Anspruch nehmen“.

[61] Ebd., S. 37: Hierunter verstand er Südwestafrika (das heutige Namibia), die Föderation von Rhodesien und Njassaland (heute Sambia, Simbabwe und Malawi), Uganda sowie wohl auch Kenia.

[62] Ebd.: Ministerialdirektor von Etzdorf (Referat Afrika in der Weltpolitik): „Südafrika will ein europäischer Staat sein, ein Stück Europa nach Afrika verpflanzt“.

[63] Ebd., S. 24 f.: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion I).

[64] Ebd., S. 65 f.: Botschafter Gregor (Diskussion II).

[65] Ebd., S. 66: Botschafter Gregor (Diskussion II).

[66] Ebd., S. 66 f.: Ministerialdirektor von Etzdorf (Diskussion II).

[67] Ebd., S. 67 f.: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion II): „Die ganze Frage der Entwicklungshilfe ist ja eigentlich das Problem, wie die unentbehrlichen positiven Leistungen des Kolonialismus in diesen Gebieten ersetzt werden können, denn auch heute noch ist die Infrastruktur dieser Gebiete immer noch nicht ausreichend“.

[68] Ebd., S. 74: Legationsrat I. Kl. Dencker (Länderreferat Äthiopien).

[69] Ebd., S. 258 f.: Generalkonsul Hendus (Diskussion III).

[70] Ebd., S. 264: Generalkonsul Soehring (Diskussion III).

[71] Ebd., S. 140: Generalkonsul Soehring (Länderreferat Belgisch-Kongo).

[72] Juristisch konnten diese Staaten nicht mehr eindeutig als Kolonien bezeichnet werden. Praktisch handelte es sich um Gebiete unter eigener Verwaltung, die nur in einzelnen Bereichen, wie z. B. der Außenpolitik, dem Mutterland noch unterstellt waren. Interessanterweise wurde dieses juristische Charakteristikum in den Diskussionen vollständig von rassischen Erklärungsmodellen verdrängt.

[73] Ebd., S. 71: Generalkonsul Freiherr von Stackelberg (Diskussion II).

[74] Ebd., S. 191: Generalkonsul Freiherr von Stackelberg (Länderreferat Britisch-Ostafrika).

[75] Vgl. hierzu PA AA, AA, B 1, 260, 249: Legationsrat I. Kl. Schröder (Diskussion III): Selbst Schröder hatte nur kurze Zeit vorher erklärt: „Es war das erste Beispiel der Schaffung eines größeren Territoriums, und zwar weniger aus politischen als vielmehr aus wirtschaftlichen Erwägungen. Auf eine ganz primitive Form gebracht: Kupfer in Nordrhodesien, Kohle in Südrhodesien und die schwarze Arbeitskraft in Njassaland“.

[76] PA AA, AA, B 1, 260, S. 155: Generalkonsul Berger (Länderreferat Föderation von Rhodesien und Njassaland).

[77] Ebd., S. 259: Generalkonsul Berger (Diskussion III).

[78] Ebd., S. 260: Legationsrat I. Kl. Schröder (Diskussion III).

[79] Ebd., S. 186: Konsul I. Kl. König (Länderbericht Südwestafrika).

[80] Ebd., S. 187-188: Konsul I. Kl. König (Länderbericht Südwestafrika).

[81] Hier zeigt sich ein Rückgriff auf Wahrnehmungsmuster des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Araber wurden mit der Dekolonisierung wieder als Subjekte, als Konkurrenten Europas und europäischer Kultur in Afrika wahrgenommen. Vgl.: Dirk van Laak, Imperiale Infrastruktur. Deutsche Planungen für eine Erschließung Afrikas 1880 bis 1960, Paderborn 2004, S. 55-56.

[82] Im Algerienkrieg, der von 1954 bis 1962 dauerte und mit der Unabhängigkeit Algeriens endete, standen sich die algerische Unabhängigkeitsbewegung FLN und Frankreich gegenüber.

[83] Hierunter sind der nordafrikanische Raum (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, die Vereinigte Arabische Republik) sowie der Nahe Osten zu verstehen.

[84] Ebd., S. 227: Generalkonsul Hendus (Länderreferat Algerien): Die Einschätzung der Bedeutung Frankreichs ging so weit, dass der Algerienreferent in seinem Vortrag zur Afrikapolitik Algeriens erklärte, eigentlich über Frankreichs Afrikapolitik berichten zu müssen, da eine algerische Afrikapolitik nicht bestünde.

[85] Ebd., S. 227: Generalkonsul Hendus (Länderreferat Algerien).

[86] Ebd., S. 168: Konsul I. Kl. König (Länderreferat Union von Südafrika).

[87] Ebd., S. 169: Konsul I. Kl. König (Länderreferat Union von Südafrika).

[88] Bei Bantustans handelt es sich um rassisch isolierte, für die schwarze Bevölkerung der Union von Südafrika eingerichtete Gebiete mit autonomer Verwaltung.

[89] Ebd., S. 170: Konsul I. Kl. König (Länderreferat Union von Südafrika).

[90] Horst Gründer, Zum Stellenwert des Rassismus im Spektrum der deutschen Kolonialideologie, S. 40.

[91] Horst Gründer, Zum Stellenwert des Rassismus im Spektrum der deutschen Kolonialideologie, S. 41: „Mit diesen Apartheidsgesetzen sollte eine völlig getrennte, rassisch orientierte, koloniale Klassengesellschaft etabliert werden, in der die Afrikaner, unter Einhaltung ihrer ´artgemäßen Kultur´, einzig als ´Arbeiterreservoir´ dienen sollten“.

[92] PA AA, AA, B 2, 96, Fiche 2, S. 144 -145: Soehring (Länderreferat Belgisch-Kongo): Soehring führte hierzu in Bezug auf den Belgisch-Kongo aus, dass dieser „in einer ruhigen Evolution“ in „demokratische Einrichtungen“ überführt werden müsse, um so „unter der Hand der belgischen Krone ein großes Herzstück Afrikas in einer beruhigten, konsolidierten Weise Europa zu erhalten“.

[93] PA AA, AA, B 1, 260, S. 274: Konsul I. Kl. Reichhold (Diskussion III).

[94] Ebd., S. 278: Ministerialdirektor Sattler (Diskussion III).

[95] Ebd., S. 280: Konsul I. Kl. König (Diskussion III).

[96] Ebd., S. 325: Generalkonsul I a.D. Voigt (Diskussion IV).

[97] Ebd.: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion IV).: „Wenn sie da wäre, hätten Sie sie längst gefunden“.

[98] Vgl. hierzu PA AA, AA, B 34, 116: Diskussion IV, S. 3: In der Rohfassung beginnt Voigt seine Ausführung: „Sie ist eben nicht da, und die Aussprache, die wir in der NATO hierüber gehabt haben, hat gezeigt, dass die anderen Länder sie auch nicht haben“.

[99] PA AA, AA, B 1, 260, S. 326: Generalkonsul I a.D. Voigt (Diskussion IV).

[100] Vgl. hierzu PA AA, AA, B34, 116: Diskussion IV, S. 6: Soehring machte weitere Ausführungen zur „geistigen Hilfe“: „Sie verlangt letzten Endes auch eine geistige Vermischung. Sie wird vielleicht auch für uns Deutsche eine Konsequenz haben, die sie schon für viele lateinische Völker hat, nämlich die biologische Verschmelzung. Wenn wir eine eur-afrikanische Gemeinschaft schaffen wollen, so darf sie nicht nur geistig überlegen bleiben, sondern sie muss auch unter Umständen an ein karthagisches Reich denken“. Der Staatssekretär bemerkte hierzu nur: „Zum Connubium gehören ja immer zwei“.

[101] PA AA, AA, B 1, 260, S. 329: Konsul I. Kl. Reichhold (Diskussion IV): „Die vier Freiheiten besagen dem Afrikaner überhaupt nichts“.

[102] Ebd.: Generalkonsul Berger (Diskussion IV).

[103] Ebd., S. 343: Legationsrat I. Kl. Schröder (Diskussion IV).

[104] Die Tuareg sind ein Berbervolk, welches vor allem in der Sahara und im Sahel beheimatet ist. Auf der Konferenz wurde es der weißen Rasse zugerechnet.

[105] Ebd., S. 266: Konsul I. Kl. Reichhold (Diskussion III).

[106] Der Fessan ist eine Wüstenregion, die sich zwischen Libyen, Algerien, Tschad und Niger befindet.

[107] Ebd., S. 269: Gesandter Beye (Diskussion III).

[108] Ebd., S. 268-269: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion III).

[109] PA AA, AA, B 2, 96, Fiche 2, S. 143: Generalkonsul Soehring (Länderreferat Französisch-Äquatorialafrika und Kamerun).

[110] PA AA, AA, B 1, 260, S. 21: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion I).

[111] Ebd., S. 56: Legationsrat I. Kl. Schröder (Referat Afrika im Ost-West-Konflikt).

[112] Ebd., S. 111: Konsul I. Kl. Reichel (Länderreferat Nigeria).

[113] Ebd., S. 157-158: Generalkonsul Berger (Länderreferat Föderation von Rhodesien und Njassaland).

[114] Ebd., S. 258: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion III).

[115] Ebd., S. 327: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion IV ).

[116] Ebd., S. 354-355: Ministerialdirektor Sattler (Referat Kulturpolitik): Es sei zu berücksichtigen, „daß die Leute vom Urwald direkt ins Flugzeug springen, unter Überspringung von allem, was es an Christentum, an Kant, Leibnitz und Nietzsche bei uns gegeben hat“.

[117] PA AA, AA, B 2, 96, Fiche 2, S. 140: Wir haben die Moshi und die Balaly drüben in der Kongo-Republik, die sich gegenseitig, wenn sie können, die Hälse und die Köpfe buchstäblich abreißen, wie bei den Ereignissen des Februar ds. Js., wo man auf den Inseln im Kongo tatsächlich Leichen angeschwemmt gefunden hat, denen die Köpfe nicht abgeschnitten sondern abgerissen waren“.

[118] In der Rassenideologie setzte sich die höher stehende „hamitische Rasse“ von der niederen „negroiden Rasse“ Afrikas ab. Sie war vor allem in Nordafrika beheimatet, was auch das Zugeständnis einer nordafrikanischen „Eigenstaatlichkeit“ durch die Konferenzteilnehmer erklären dürfte.

[119] PA AA, AA, B 1, 260, S. 81: Freiherr von Stackelberg (Länderreferat Somalia).

[120] Ebd., S. 89: Botschafter Ries (Länderreferat Liberia).

[121] Die Amharen bildeten die wichtigste staatstragende Volksgruppe Äthiopiens.

[122] Ebd., S. 76: Legationsrat I. Kl. Dencker (Länderreferat Äthiopien).

[123] Ebd., S. 186: Konsul I. Kl. König (Länderreferat Südwestafrika): „Der Führungsanspruch der Hereros, des alten, kämpferischen Herrenvolkes, das weder die Vernichtungsschläge der kaiserlichen Schutztruppe noch seine Degradierung durch die weiße Herrschaft schlechthin vergessen hat [...]“.

[124] Ebd., S. 98: Botschafter Stein (Länderreferat Ghana).

[125] Ebd., S. 121: Legationsrat I. Kl. Poensgen (Länderreferat Guinea). Vgl.: Elizabeth Schmidt, Cold War and decolonization in Guinea. 1946 – 1958, Ohio 2007.

[126] PA AA, AA, B 2, 96, Fiche 2, S. 140-141: Generalkonsul Soehring (Länderreferat Französisch-Äquatorialafrika und Kamerun).

[127] PA AA, AA, B 1, 260, S. 443: Ministerialdirektor Harkort (Diskussion VIII).

[128] Ebd., S. 56: Legationsrat I. Kl. Schröder (Referat Afrika im Ost-West-Konflikt): „Nur so wird man hoffen können, daß aus der Saat, die Europa in den Boden Afrikas gesenkt hat, etwas Gutes für alle erwächst“.

[129] Ebd., S. 111: Konsul I. Kl. Reichel (Länderreferat Nigeria).

[130] Ebd., S. 125: Legationsrat I. Kl. Poensgen (Länderreferat Guinea).

[131] Ebd., S. 428: Staatssekretär van Scherpenberg (Schlussreferat).

[132] Ebd., S. 256 f.: Generalkonsul Soehring (Diskussion III).

[133] Ebd., S. 257: Konsul I. Kl. Reichhold (Diskussion III).

[134] Ebd., S. 258: Generalkonsul Soehring (Diskussion III).

[135] Vgl.: PA AA, AA, B 34, 116: Diskussion 4a, S. 15: In dieser Version erscheint noch der Einschub: „Es wird uns der Sklavenhandel vorgeworfen, aber die Leute haben unter sich so viel Sklavenhandel getrieben, dass aller Sklavenhandel, den die Weissen getrieben haben, dagegen nur ein kleiner Ausschnitt ist“.

[136] PA AA, AA, B 1, 260, S. 258: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion III).

[137] PA AA, AA, B 34, 116: Diskussion IV, S. 3.

[138] Michael Schubert, Der „dunkle Kontinent“. Rassenbegriffe und Kolonialpolitik im Deutschen Kaiserreich, in: Frank Becker (Hg.), Rassenmischehen – Mischlinge – Rassentrennung. Zur Politik der Rasse im deutschen Kolonialreich, Stuttgart 2004, S. 42-53, hier S. 43-44.

[139] Michael Schubert, Der „dunkle Kontinent“, S. 52-53: „Ein kolonialer Siedlungsrassismus, der in seiner Qualität zu vergleichen ist mit der die kontinentale Ostkolonisation begründenden völkischen Lebensraumpropaganda“.

[140] Nicht zwingend muss bei Letzteren ein „neues“ Denken der deutschen Nachkriegsgesellschaft oder gar eines nun anbrechenden „Postkolonialismus“ vermutet werden. Schon in Deutschlands prä- wie hochkolonialer Phase war die Meinung vertreten worden, dass Kolonien im Allgemeinen unrentabel und Siedlungskolonien im Besonderen in Afrika unnötig seien (Vgl.: Dirk van Laak, Imperiale Infrastruktur, S. 59, 63, 145 f.). Im „Dritten Reich“, welches die ersten und mittleren Dienstjahre vieler Konferenzteilnehmer prägte, hatte diese Kritik den Kolonialdiskurs sogar dominiert. Die Nationalsozialisten hatten sich gegen einen Kolonialismus im herkömmlichen Sinne ausgesprochen und für Kolonien im Sinne von reinen „Rohstofflieferanten“ plädiert (Vgl.: Karsten Linne, Deutschland jenseits des Äquators? Die NS-Kolonialplanungen für Afrika, Berlin 2008, S. 41 f.). An diese Strategie schienen die „Realisten“ nun anknüpfen zu wollen.

[141] PA AA, AA, B 1, 260, S. 446: Botschafter Gregor (Diskussion VIII).

[142] Ebd., S. 447: Staatssekretär van Scherpenberg (Diskussion VIII).