bundesarchiv_bild_146-1978-013-14_kinderlandverschickung_494.jpg

Ca. 1940/1945, Originaltitel: "Im Sonderzug fahren die Kinder von Berlin ab. Täglich finden neue Kindertransporte aus allen Bevölkerungsschichten der Reichshauptstadt im Rahmen der Landverschickung in andere Gaue des Reiches statt."

© Bundesarchiv, Bild 146-1978-013-14 | CC-BY-SA

Die deutsche Gesellschaft im Nationalsozialismus
Schlaglichter einer Debatte
Hg. von
Jürgen Danyel
Druckversion

Wie gelang es der NS-Führung nach 1933, die politisch polarisierte und in Teilen kriegsmüde deutsche Gesellschaft in eine Diktatur zu integrieren und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für ihre bellizistischen und rassistischen Utopien zu mobilisieren?
Diese Frage beschäftigt die historische Forschung zum Nationalsozialismus bereits seit Jahrzehnten. Unter den Stichworten „Volksgemeinschaft“ und „Zustimmungsdiktatur“ wurden in den letzten Jahren neue Erklärungsansätze in die Debatte eingebracht, die stärker die materielle und symbolische Dimension der gesellschaftlichen Integration im NS-Regime hervorheben. Indem die deutsche Gesellschaft im Nationalsozialismus als eine „Mobilisierungsdiktatur“, als „organisierte Gesellschaft“ oder als „participatory dictatorship“ beschrieben wurde, konnte die traditionelle Dichotomie von Herrschaft und Gesellschaft zugunsten einer Untersuchung des sich wandelnden Verhältnisses von Inklusion und Ausgrenzung aufgelöst werden.

International hat sich die nach wie vor boomende NS-Forschung in mehrere nationale Diskussionsstränge ausdifferenziert. Während in der deutschen Debatte der letzten Jahre die integrativen Aspekte der NS-Herrschaft im Vordergrund standen, akzentuiert die britische Forschung wieder stärker den Aspekt von Terror und Gewalt, während die amerikanische NS-Forschung stark von den prosperierenden Holocaust-Studies geprägt ist.

Auf einer dreitägigen Konferenz vom 30. September bis 2. Oktober 2013 in Potsdam unternahmen NS-Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Ländern den Versuch, den theoretischen und empirischen Ertrag dieser auf eine Gesellschaftsgeschichte des Nationalsozialismus zielenden Ansätze zu bilanzieren. Zugleich bot die Tagung ein Forum, um die unterschiedlichen internationalen Forschungsperspektiven wieder stärker zusammenzuführen. Breiten Raum nahm in der Diskussion die Frage nach der gesellschaftlichen Verortung einer Zeitgeschichtsschreibung zum Nationalsozialismus ein, die die Ära der Mitlebenden verlassen hat und nicht mehr wie in der Vergangenheit von geschichtspolitischen Kontroversen geprägt ist.

Zeitgeschichte online hat die Debatte über die Gesellschaft im Nationalsozialismus mit einer Reihe von Interviews begleitet und die Schlussdiskussion der Konferenz dokumentiert.

 

 

"Eigentlich geht es um die Grundfrage, was die Attraktivität des Nationalsozialismus für die Bevölkerung ausmachte..."

Jan-Holger Kirsch sprach mit Dietmar Süß. Dietmar Süß ist Lehrstuhlinhaber für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Augsburg.

 

"Ja, es gibt neue Fragestellungen und Forschungsergebnisse in der NS-Forschung."

Jan-Holger Kirsch sprach mit Ulrich Herbert. Ulrich Herbert ist Lehrstuhlinhaber für Neuere und Neueste Gesichte an der Universität Freiburg.

 

 

It doesn’t really make much sense any longer to speak about a particular British take on National Socialism or a particular German take…"

Christine Bartlitz sprach mit Richard Bessel. Richard Bessel ist Professor zur Geschichte des 20. Jahrhunderts an der University of York.

 

 

"Vielfach dominiert in der Forschung die Täterperspektive."

Christine Bartlitz sprach mit Christiane Kuller. Christiane Kuller ist Professorin für Neuere und Zeitgeschichte und Didaktik der Geschichte an der Universität Erfurt.

 

 

 

Schlusskommentare von Geoffrey Giles und Norbert Frei

"Wie parteigenossenschaftlich war der Nationalsozialismus?"

Abschlusskommentar von Geoffrey Giles. Geoffrey Giles ist Professor em. für Geschichte an der University of Florida at Gainesville.

 

 

"Die NS-Forschung lebt und ist weiblicher geworden."

Abschlusskommentar von Norbert Frei. Norbert Frei hat den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller Universität in Jena inne und leitet das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts.
 

 

 

Abschlussdiskussion

Winfried Süß (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)

 

Jane Caplan (University of Oxford)

 

Frank Bajohr (Institut für Zeitgeschichte München)

 

Bernd Weisbrod (Georg-August-Universität Göttingen)

 

Uta Gerhardt (Universität Heidelberg)

 

Dietmar Süß (Universität Augsburg)

 

Wolf Gruner (University of Southern California)

 

Norbert Frei (Friedrich-Schiller Universität Jena)

 

 

Die Gesellschaft im Nationalsozialismus - eine Leerstelle der Forschung?

Jürgen Danyel sprach mit den Organisatoren Thomas Schaarschmidt (ZZF Potsdam), Rüdiger Hachtmann (ZZF Potsdam), Alan Steinweis (University of Vermont) und Winfried Süß (ZZF Potsdam) über ihre Bilanz der Tagung.

 

Fotos: Marion Schlöttke