raf1.jpg

© Abisag Tüllmann, Stuttgart, 27.10.1977; Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

Die RAF als Geschichte und Gegenwart
Texte und Materialien zum »Deutschen Herbst« und seinen Folgen
Hg. von
Jan-Holger Kirsch und Annette Vowinckel
Druckversion
2007 jährt sich zum dreißigsten Mal der so genannte „Deutsche Herbst“ von 1977. Die Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF, die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ nach Mogadischu und die Befreiung der darin festgehaltenen Geiseln durch ein Kommando der GSG 9 sowie die Selbstmorde von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim markierten im September und Oktober 1977 eine drastische Zuspitzung der Ereigniskette, die mit den Frankfurter Kaufhausbrandstiftungen im April 1968 begonnen hatte. Die terroristischen Aktivitäten, die ihren offiziellen Abschluss erst mit der schriftlichen Auflösungserklärung der RAF vom April 1998 fanden, waren – um das Mindeste zu sagen – für Staat und Gesellschaft der Bundesrepublik eine enorme Belastungsprobe.
 
Dass diese Ereignisse nicht einfach der Vergangenheit angehören, sondern nach wie vor – oder gerade jetzt – eine besondere Gegenwärtigkeit besitzen, hat die Diskussion über eine eventuelle Begnadigung des ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar sehr deutlich gemacht. Die Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler, Klars Gnadengesuch abzulehnen, hat die politische Debatte im Mai 2007 vorerst beendet. Gesellschaftlich ist dieses Thema hingegen nach wie vor kaum verarbeitet – dies haben die zum Teil eruptiven und emotionalen Stellungnahmen vor Augen geführt. Auch die zeithistorische Forschung, die allmählich intensiver in die 1970er-Jahre vordringt, steht bei der gesellschafts-, medien-, politik-, rechts- und geschlechtergeschichtlichen Einordnung des RAF-Terrorismus und vergleichbarer Phänomene in anderen Ländern noch am Anfang. Andererseits gibt es bereits zahlreiche Einzelforschungen, die für ein differenzierteres Bild sorgen als manche Aufgeregtheiten in den Medien – und die das „Medienphänomen RAF“ auch selbst zum Thema machen.

Die Redaktion Zeitgeschichte-online nimmt die dreißigste Wiederkehr des „Deutschen Herbstes“ zum Anlass, in einem Schwerpunkt ausgewählte Texte zur Geschichte des deutschen Linksterrorismus zu bündeln und im Internet zugänglich zu machen. Außerdem bieten wir hier einen Pressespiegel zu den Debatten der letzten Monate sowie Hinweise zur neueren Forschungsliteratur, zu Rezensionen und Online-Ressourcen. Der Themenschwerpunkt wird nach und nach weiter ausgebaut; Vorschläge und Manuskriptangebote nimmt die Redaktion gern entgegen (E-Mail: kirsch@zeitgeschichte-online.de)

Beiträge

Matthias Dahlke
Transnationaler und nationaler Terrorismus auf dem Weg zum „Deutschen Herbst“
Jörn Ahrens
Die Rote Armee Fraktion (RAF) im deutschen Spielfilm
Rebecca Wittmann
Nazis und Terroristen vor westdeutschen Gerichten
Anna Pfitzenmaier
Eine kommentierte Filmographie (1967–2007)
Anna Pfitzenmaier
Eine kommentierte Filmographie (1967–2007)
Anna Pfitzenmaier
Eine kommentierte Filmographie (1967–2007)

Reprints

Irene Bandhauer-Schöffmann
Konstruktionen von Geschlecht und Nation in den österreichischen Sicherheitsdiskursen anlässlich der Palmers-Entführung 1977
Svea Bräunert
Nicolas Büchse
Der Deutsche Herbst und die Veränderung der politischen Kultur in der Bundesrepublik
Gisela Diewald-Kerkmann
Zum Anteil der Frauen in der RAF und in der Bewegung 2. Juni
Gisela Diewald-Kerkmann
Gerichtsverfahren gegen Mitglieder der RAF
Regine Igel
Die Kooperation von RAF, Roten Brigaden, CIA und KGB
Christian Jansen
ProtagonistInnen, Propaganda und Praxis des Terrorismus der frühen siebziger Jahre
Sven Kramer
Terrorism, State Violence, and the Left in German Novels of the 1970s and 1980s
Wolfgang Kraushaar
Ein umstrittenes Beziehungsgeflecht
Rolf Sachsse
Zur Semiosphäre der Erinnerung an die Rote Armee Fraktion
Martin Steinseifer
Strategien, Dynamiken, Darstellungen, Deutungen
Petra Terhoeven
Linksterroristinnen im Visier der italienischen und deutschen Öffentlichkeit
Klaus Weinhauer
Aspekte einer Sozial- und Kulturgeschichte der Inneren Sicherheit