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Ehrung der erfolgreichsten Außendienst-Organisationen bei der jährlichen Abschlusstagung der Allianz in Berlin 1937
© Allianz

Vom „Verschweigen“ über die „Sonderkonjunktur“ hin zur „Normalität“?
Der Nationalsozialismus in der Unternehmensgeschichte der Bundesrepublik
von
Ralf Banken
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1. Einleitung

Die Entwicklung der deutschen Unternehmen in der Zeit des Nationalsozialismus bildet heute ein junges, gleichwohl doch etabliertes Feld der bundesrepublikanischen Unternehmensgeschichte.[1] Dies war allerdings nicht immer der Fall, auch weil sich die akademische Unternehmensgeschichte erst ab Mitte der 1970er Jahre langsam methodisch und theoretisch von ihrer alten deskriptiven Zugriffsweise der Firmengeschichte und Unternehmerbiographie löste, ein Vorgang, der erst Anfang der 1990er Jahre abgeschlossen war.[2]

Bis in die 1990er Jahre wurde die Zeit des „Dritten Reiches“ jedoch auch in den Festschriften deutscher Unternehmen höchstens mit wenigen Sätzen gestreift, wofür die Deutsche Bank ein gutes Beispiel bietet. In der Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Deutschen Bank von 1970 wurde die Zeit des Nationalsozialismus nur auf wenigen Seiten thematisiert und hierbei vor allem die „normalen“ geschäftlichen Gegebenheiten, insbesondere die Bilanzentwicklung, der politische Druck auf den Vorstand sowie die inflationären Rahmenbedingungen im Krieg dargestellt.[3] Diese einseitige Perspektive nutzte 1970 der DDR-Historiker Eberhard Czichon zu einer tendenziösen Anklageschrift über die Geschichte der Bank im „Dritten Reich“ und insbesondere über die Rolle des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Hermann Josef Abs.[4]

 

Hermann Josef Abs (1901–1994), von 1957 bis 1967 Sprecher der Deutschen Bank, mit seinen Nachfolgern Karl Klasen (1909–1991; l.) und Franz Heinrich Ulrich (1910–1987; r.) im April 1967. Abs war von 1938 bis 1945 Vorstandsmitglied der Bank und in dieser Funktion für Zwangsverkäufe jüdischer Unternehmen mitverantwortlich.

© Fotograf: Unbekannt | Quelle: Deutsche Bank AG, Kultur und Gesellschaft, Historisches Institut, Frankfurt am Main | Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

 

Die Ursachen für die Scheu der bundesdeutschen Unternehmen, sich ihrer NS-Vergangenheit zu stellen, aber auch für die Nichtbeachtung der NS-Zeit durch die Unternehmensgeschichtsschreibung bis in die 1990er Jahre waren dabei vielfältig. Zum einen verteidigte die bundesrepublikanische Gesellschaft die Institution des Privatunternehmens als zweifelsohne systemrelevanten Teil der sozialen Marktwirtschaft in den Zeiten des Ost-West-Konfliktes vor den Angriffen aus dem Ostblock, wie die bundesdeutschen Reaktionen auf die propagandistischen „Braunbücher“ der DDR in den 1960er Jahren deutlich machen. Dies war übrigens eine Haltung, die sich erst ab Anfang der 1950er Jahre eingestellt hatte, nachdem zuvor selbst aus der Perspektive der US-Amerikaner die deutschen Großunternehmen für den Nationalsozialismus mit verantwortlich gemacht wurden, eine Sichtweise, die die ehemaligen Alliierten und auch die westdeutsche Öffentlichkeit nach 1950 aufgaben. Erst dieses Abrücken vom Vorwurf des Steigbügelhalters ermöglichte den bundesdeutschen Unternehmen, eine Haltung des Verschweigens einzunehmen.[5]

Noch wichtiger als dieser fehlende öffentliche Druck war zudem, dass das im „Dritten Reich“ aktive Führungspersonal noch bis Ende der 1960er Jahre in vielen Unternehmensleitungen saß oder es im Aufsichtsrat beaufsichtigte. Auch zahlreiche spätere Spitzenmanager verdankten diesen alten Eliten noch ihre Karriere, was maßgeblich dazu beigetrug, dass die Geschehnisse im „Dritten Reich“ bis in die 1990er Jahre hinein kein Thema in den Unternehmen wurden. Dies erklärt auch die Schwierigkeiten für die Unternehmenshistoriker, Zugang zu relevantem Archivmaterial zu erhalten und warum die Periode des „Dritten Reiches“ alles andere als im Zentrum des gerade entstehenden Faches stand.

Im Gefolge der langjährigen Diskussion zwischen dem marxistisch geprägten britischen Historiker Timothy Mason als wichtigstem Vertreter auf westlicher Seite sowie Dietrich Eichholtz, Eberhard Czichon und anderen aus der DDR, ob in Bezug auf das „Dritte Reich“ von einem Primat der Politik oder der Ökonomie zu sprechen sei, kam in den späten 1970er Jahren auch in Westdeutschland immer häufiger Widerspruch gegen die geglätteten Festschriften der Unternehmen auf. Nicht zuletzt wurde spätestens mit Ulrich Herberts Fremdarbeiter-Studie von 1985 die Zwangsarbeiterbeschäftigung auch zum Thema der Historiker.[6] Dies zeigte sich in deutlicher Weise schon kurz nach Veröffentlichung von Herberts Analyse an der Diskussion um die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen von Daimler-Benz im Jahr 1986. Sowohl die Festschrift als auch die danach vom Unternehmen bei der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte in Auftrag gegebene Dokumentation von Hans Pohl wurden zum auslösenden Moment für die in wesentlichen Teilen von Karl-Heinz Roth von der Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts verfasste Gegenstudie Das Daimler-Benz Buch.[7]

Kritik an der der geglätteten Sicht des Unternehmens auf seine eigene Geschichte: Das Daimler-Benz Buch von 1987, das von der Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts finanziert wurde, bildete den Gegenpol zu der von Daimler-Benz finanzierten Festschrift Die Daimler-Benz AG in den Jahren 1933-1945 von 1986.
Bild: Greno Verlag

 

Wie Tim Schanetzky unlängst herausgestellt hat, wurden diese und andere Publikationen, wie beispielsweise die Ermittlungsberichte des OMGUS (Office of Military Government for Germany, United States) zur I.G. Farben, Deutschen Bank und Dresdner Bank aus der frühen Nachkriegszeit nicht von Unternehmenshistorikern, sondern in Hans Magnus Enzensbergers Reihe „Die andere Bibliothek“[8] von Vertretern der „Neuen Sozialen Bewegungen“ herausgegeben, die zunächst auch noch von einem Primat der Ökonomie im „Dritten Reich“ ausgingen.[9] Allerdings verschob sich der Schwerpunkt dieser Beiträge nach 1980 langsam von der Frage nach dem strukturellen Beitrag des kapitalistischen Systems zum Nationalsozialismus hin zur Frage nach dem Verhalten der einzelnen Unternehmen, das dann vor allem moralisch bewertet wurde. Unabhängig hiervon entstanden in den 1980er Jahren aber auch erste wissenschaftliche Untersuchungen, zum Beispiel Gerhard Mollins Montankonzerne und „Dritten Reich“ (1988) über die Montanindustrie an der Ruhr.[10] Die Autoren dieser frühen Arbeiten konnten jedoch nur zum Teil auf unternehmensinterne Archivalien zurückgreifen und mussten sich vielfach noch ausschließlich auf Material aus staatlichen Archiven stützen, wie dies etwa Peter Hayes in seinem 1987 veröffentlichten Buch über die I.G. Farben, Industry and Ideology, mit den Beständen des Nürnberger Industriellenprozesses getan hat.[11]

 

2. Die „Sonderkonjunktur“

Neben den öffentlichen Diskussionen der 1980er Jahre, die zweifelsohne deutlich gemacht hatten, dass man bei der Präsentation von NS-Unternehmensstudien hinter einen bestimmten Standard nicht mehr zurückfallen sollte, waren aber auch weitere Umstände dafür verantwortlich, dass ab Mitte der 1990er Jahre eine regelrechte Flut unternehmensgeschichtlicher Projekte entstand. Mit ausschlaggebend war zum ersten das Ende des Ost-West-Konflikts und die folgende Öffnung ostdeutscher und osteuropäischer Archive, sowie die zunehmenden Aktivitäten der deutschen Traditionsunternehmen auf ausländischen Märkten, insbesondere in den USA, wo sich diese schnell Sammelklagen gegenüber sahen.[12] Zum zweiten spielte es eine nicht unwesentliche Rolle, dass Vertreter einer jüngeren Generation von Spitzenmanagern, die sich dem früheren Führungspersonal aus dem „Dritten Reich“ nicht mehr verbunden fühlten, nun die Großunternehmen lenkten und meist gewillt waren, den Zugang zu den Unternehmensarchiven auch für die Periode des Nationalsozialismus freizugeben oder sogar eigene Studien zu initiieren.[13]

Drittens verfolgte die Forschung zur NS-Wirtschaftsgeschichte seit Anfang der 1990er Jahre auch immer häufiger mikroökonomische Herangehensweisen, da das Potential der bis dahin dominierenden Makrostudien weitgehend ausgeschöpft war und allein der bislang vernachlässigte mikrohistorische Zugriff auf die Unternehmen, Unternehmer und andere betrieblich relevante Gruppen sowie die Untersuchung ihrer Handlungsspielräume zusätzliche Erkenntnisse versprach.[14] Schließlich führten viertens – und dies nicht mit dem geringsten Gewicht – auch die öffentlichen Diskussionen über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg im Rahmen der „Raubgolddebatte“ ab 1996 dazu, dass die Beteiligung der deutschen Unternehmen an den NS-Verbrechen genauer in den Blick geriet.[15] Mehrere Unternehmen wie die Dresdner Bank, die Allianz oder die Degussa vergaben in den Jahren 1997/98 größere Forschungsaufträge,[16] zu denen sich andere und unabhängig von diesen Unternehmensaufträgen begonnene Forschungsarbeiten gesellten, wie etwa Petra Bräutigams Studie Mittelständische Unternehmer im Nationalsozialismus (1997) über die mittelständische Schuh- und Lederindustrie Baden-Württembergs oder das voluminöse Werk Flugzeugindustrie und Luftrüstung 1918–1945 (1998) von Lutz Budraß.[17]

 

Ehrung der erfolgreichsten Außendienst-Organisationen bei der jährlichen Abschlusstagung der Allianz in Berlin 1937: Die Gesellschaft versicherte sowohl Unterorganisationen der NSDAP als auch Gebäude in Auschwitz und wirkte bei der Enteignung von Lebensversicherungspolicen von Juden mit. In den 1990er Jahren war die Allianz wie viele andere große deutsche Unternehmen Ziel von Sammelklagen.
Bild: Allianz

 

Auch wenn seitdem immer noch apologetische Jubiläumsschriften erschienen – etwa von Gerhard Seibold über den Saarländer Industriellen Hermann Röchling oder mehrere Darstellungen von Gregor Schöllgen über Unternehmen im Fränkischen[18] –, stellen die allermeisten Studien zur NS-Unternehmensgeschichte seit Mitte der 1990er Jahre keine geschönte Auftragsforschung durch „gekaufte“ Historiker dar. So unterscheiden sich die Fragestellungen und Erkenntnisse der von den Unternehmen beauftragten Historiker auch nicht von Ergebnissen „unabhängiger“ Historiker ohne Untersuchungsauftrag seitens einer Firma. Statt Schönfärberei dominieren quellengesättigte empirische Darstellungen und seriöse Analysen auf hohem fachlichem Niveau, die auch immer die Beteiligung der Unternehmen an den NS-Verbrechen kritisch in den Blick nehmen.[19]

Insgesamt lassen sich in der unternehmensgeschichtlichen Literatur zur NS-Zeit dabei fünf Forschungsschwerpunkte erkennen.[20] Den wichtigsten Fokus bildet die Frage nach dem Verhältnis des Privatunternehmens zum nationalsozialistischen Regime, beziehungsweise die Frage nach den konkreten Strategien und Handlungsspielräumen der Firmen. Im engen Zusammenhang damit steht als zweiter Untersuchungsgegenstand die Ursachensuche für das Verhalten der Unternehmen, also die Frage, aus welchen konkreten Motiven heraus die Entscheidungen von den jeweiligen Firmenleitungen getroffen wurden. Drittens stellt die direkte Beteiligung der deutschen Unternehmen am nationalsozialistischen Unrecht ein wichtiges Untersuchungsgebiet dar, das von der Übernahme „arisierter“ Firmen, der Verwertung geraubter Güter, dem Zwangsarbeitereinsatz bis zur Involvierung in den Holocaust reicht. In anderen Arbeiten steht dagegen viertens die Bedeutung langfristiger Strukturentwicklungen und ihre Bedeutung für die Unternehmen im „Dritten Reich“ im Vordergrund der Analyse, es wird also vor allem der Frage nachgegangen, welche der beobachtbaren Entwicklungen spezifisch nationalsozialistische Ursachen besaßen und welche, unabhängig davon, eher langfristigen Trends zuzuordnen sind. Schließlich widmen sich fünftens zahlreiche Studien und Kollektivbiographien auch der Rolle einzelner Unternehmer und Manager in der NS-Zeit, wie etwa Rolf-Dieter Müllers Untersuchung Der Manager der Kriegswirtschaft über Hans Kehrl aus dem Jahre 1999.[21]

Der Unternehmer und NS-Wirtschaftsfunktionär Hans Kehrl (1900–1984) – in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren veröffentlichte das ehemalige SS-Mitglied apologetisch-geschichtsrevisionistische Schriften im „Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung“ des Holocaustleugners Udo Walendy (Foto von 1942).
© Fotograf: Unbekannt | Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1998-0525-500, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

 

Als Ergebnis der Studien lässt sich generell festhalten, dass – wie der Historiker Werner Plumpe es formulierte – durch die Beschäftigung mit der Rolle der Firmen im Nationalsozialismus tendenziell eine „Entdämonisierung der Unternehmen“ erfolgte.[22] In all diesen Unternehmensstudien wurde ein Primat der Politik konstatiert, demnach die deutschen Unternehmen in der Zeit des „Dritten Reiches“ eher mitmachten, als dass sie selbst die Initiative übernahmen, insbesondere hinsichtlich der NS-Vernichtungspolitik. Trotz des immer stärkeren Eindringens politisch-ideologischer Gesichtspunkte in die Erwartungsbildung der Unternehmen gaben diese ihre Eigeninteressen nie auf und die strategischen Entscheidungen privatkapitalistischer Unternehmen folgten selbst unter den extremen ideologischen Verhältnissen des „Dritten Reichs“ letztlich ökonomischen Kriterien. Die staatliche Lenkung der Unternehmen erfolgte dabei mehr durch die Veränderung der Rahmenbedingungen als durch direkte Zwangsmaßnahmen. Tatsächlich gelang dem Regime die Lenkung der Wirtschaft auch immer nur dann mit großem Erfolg, wenn es den Unternehmen ökonomische Anreize setzte und ihnen einen Handlungsspielraum beließ. Weiter ist es in der Forschung unbestritten, dass die Unternehmen trotz der Staatsinterventionen und Bewirtschaftungsmaßnahmen bis 1945 stets Handlungsspielräume besaßen, auch wenn diese vom Regime stetig verkleinert wurden. Nur über die Größe dieser Handlungsspielräume und wie diese ausgenutzt wurden, wird weiterhin in der Forschung gestritten, wie etwa die 2008 ausgetragene Kontroverse zwischen Peter Hayes einerseits und Christoph Buchheim und Jonas Scherner andererseits zeigt.[23]

 

3. Die Entwicklung seit Mitte der 2000er Jahre und Forschungsdesiderate

Trotz der auslaufenden „Sonderkonjunktur“ der 1990er Jahre sind seit 2005 zahlreiche weitere Studien zur Geschichte deutscher Unternehmen in der Zeit des Nationalsozialismus entstanden und weitere Projekte sind auf dem Weg, wenngleich die absolute Zahl gegenüber der Boomphase von 1997 bis 2004 abgenommen hat. Zu nennen sind hier beispielhaft die Dissertation von Michael Schneider Unternehmensstrategien zwischen Weltwirtschaftskrise und Kriegswirtschaft über die Chemnitzer Wanderer-Werke aus dem Jahr 2005, oder aber das 2011 erschienene Buch von Roman Köster über den Bekleidungshersteller Hugo Boss im „Dritten Reich“.[24] In zunehmendem Maße rückte auch die Entwicklung der verschiedenen Unternehmen einzelner Branchen in den Fokus der Unternehmenshistoriker, wie etwa die deutsche Radio- und Fernsehindustrie, die Kilian Steiner 2005 in Ortsempfänger, Volksfernseher und Optaphon analysierte.[25] Insbesondere die Bankbranche bildet weiterhin einen deutlichen Schwerpunkt der unternehmenshistorischen Forschung.[26]

Wie schon zuvor, gingen mehrere dieser Untersuchungen auch auf Aufträge der jeweiligen Firmen zurück, teilweise entstanden – wie im Fall BMW – sogar mehrere Publikationen.[27] Ein besonderes Beispiel für die Vergabe von Forschungsaufträgen bilden dabei die beiden Flick-Studien, die am Institut für Zeitgeschichte und der Universität Jena erarbeitet wurden.[28] Gleichzeitig entstanden unabhängig von diesen Forschungsaufträgen aber auch wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten, am bemerkenswertesten die Dissertation von Kim Christian Priemel zur Konzerngeschichte Flicks vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik.[29] Bezeichnenderweise kamen hier sowohl die in Auftrag gegebenen Untersuchungen als auch die unabhängig von den Unternehmen entstandenen Studien zu den gleichen Ergebnissen – gemeinsam bestätigen sie zudem die Resultate der bisherigen Forschung.[30]

 

Friedrich Flick (1883–1972) während der Bekanntgabe des Urteils über sieben Jahre Haft im sogenannten Flick-Prozess, dem Fall V der Nürnberger Nachfolgeprozesse am 22. Dezember 1947. Flick profitierte in hohem Maße von Enteignungen jüdischer Unternehmen und Zwangsarbeit; sein Konzern nahm eine bedeutende Rolle in der Rüstungsproduktion ein. Nach dem Krieg stieg Flick, mit dem Großen Bundesverdienstkreuz dekoriert, zu einem der vermögendsten Unternehmer der Bundesrepublik auf.
Bild: NARA

 

Im Unterschied zur Zeit des Booms der Unternehmensgeschichte standen nach 2005 aber vor allem Studien zu Familienunternehmen im Fokus der Arbeiten. Neben den Flicks wurden auch das Unternehmen von Otto Wolf,[31] der Quandt’sche Konzern[32] oder die Reemtsmas[33] näher beleuchtet, nicht zuletzt weil öffentlicher Druck die Familien dazu gebracht hatte, Forschungsaufträge zu vergeben. Deutlich ist dabei zu erkennen, dass sich die Unternehmerfamilien aufgrund der Verwandtschaftsverhältnisse zu den im „Dritten Reich“ handelnden Unternehmern sehr viel schwerer taten, diese Forschungen zu initiieren.[34] Trotzdem haben die Unternehmen auch unabhängig von größeren öffentlichen Diskussionen in den letzten Jahren Forschungsaufträge vergeben, aktuelle Beispiele hierfür sind Aufträge der Firmen Dr. Oetker oder C & A, beide bezeichnenderweise Familienunternehmen.[35] Daneben gerieten aber auch ausländische Unternehmen und die Kooperation ihrer deutschen Filialen in den Blick der Forschung, wie im Fall von General Motors und Opel auch veranlasst durch Aufträge der Firmen selbst.[36] Schließlich hat aber auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband als einer der wenigen Wirtschaftsverbände eine Untersuchung seiner Aktivitäten während des Nationalsozialismus im Rahmen einer an der Universität Bonn entstehenden Dissertation bei Günther Schulz in Auftrag gegeben.[37]

Zusätzlich entstanden und entstehen weiterhin auch unabhängig von den Forschungsaufträgen der Unternehmen zahlreiche Studien. Als Beispiel ist hier die Habilitationsschrift Schweizer Aluminium für Hitlers Krieg? von Cornelia Rauh über die Alu Suisse,[38] die augenblicklich von Harald Wixforth betriebene Studie zur Reichskreditgesellschaft[39] oder mehrere Qualifikationsarbeiten am Mannheimer Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte von Christoph Buchheim zu nennen, darunter die Dissertation von Gerd Höschle über die deutsche Textilindustrie zwischen 1933 und 1939.[40] Dabei kristallisierten sich mit dem Verhalten der Unternehmen in den vom Deutschen Reich besetzten Gebieten[41] und hinsichtlich des Umgangs mit Zwangsarbeit mehrere inhaltliche Schwerpunkte heraus.[42] Doch auch einzelne Produktionswerke größerer Konzerne wie Bosch und Hoechst,[43] oder jüdische Unternehmer[44]gerieten in den Blick der Unternehmenshistoriker.

Obgleich bereits erste Synthesen der bisherigen Ergebnisse der NS-Unternehmensgeschichte der letzten 20 Jahre vorliegen,[45] bleiben doch unzweifelhaft noch zahlreiche Wissenslücken, beispielsweise über weitere Familienunternehmen und hier vor allem über die kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Sinnvoll wären auch Studien zu weiteren Konsumgüterproduzenten, einzelnen Volksbanken sowie Sparkassen und Wirtschaftsverbänden. Vor allem aber fehlen Untersuchungen zu den zahlreichen Staats- und Parteiunternehmen (z.B. die Bank der deutschen Luftfahrt, RWE, Reichsbahn, Wilhelm-Gustloff-Werke, die staatliche Importgesellschaft Roges, UFA) – nur wenige Untersuchungen liegen hierzu bereits vor.[46] Die 2012 erschienene voluminöse Studie Das Wirtschaftsimperium der deutschen Arbeiterfront 1933-1945 von Rüdiger Hachtmann macht besonders gut deutlich, dass eine bessere Kenntnis über die Aktivitäten von Staats- und Parteiunternehmen für die richtige Beurteilung der deutschen Unternehmen im Nationalsozialismus zwingend notwendig ist, da diese Unternehmen zwischen 1933 und 1945 erheblich expandierten und aufgrund ihres mitunter sehr aggressiven Wachstumskurses die privaten Firmen häufig unter Handlungsdruck setzten.[47]

 

Hitler, Reichsverkehrsminister und Generaldirektor der Reichsbahn Julius Heinrich Dorpmüller (1869–1945) und der Staatssekretär der Reichskanzlei Hans-Heinrich
Lammers (1879–1962; v.r.n.l.) während einer Kundgebung am 4. Februar 1937 auf dem Balkon der Reichskanzlei, nachdem die Reichsbahn wieder unter Reichshoheit gestellt wurde. Bislang war die Reichsbahn während der NS-Zeit trotz ihrer großen Bedeutung für das Regime noch nicht Gegenstand umfangreicher  unternehmensgeschichtlicher Untersuchungen.

 © Fotograf: Unbekannt | Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-H28799, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

 

4. Fazit

Insgesamt kann festhalten werden, dass es trotz des zu Ende gegangenen Booms von Mitte der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre auch in den nächsten Jahren zahlreiche weitere Studien und Projekte zur NS-Unternehmensgeschichte geben wird und sich dieser Bereich der Unternehmensgeschichte weiterhin durch einen hohen wissenschaftlichen Standard sowie eine innere Unabhängigkeit der Bearbeiter von Forschungsaufträgen auszeichnen wird.

Dass an dieser Normalität auch einige apologetische Ausreißer nichts ändern werden, dafür sorgen zum ersten die bisherigen Erkenntnisse, hinter die seriöse Historiker kaum zurückfallen können. Dementsprechend fallen auch die Fachrezensionen mancher wenig zufrieden stellender Werke kritischer aus.[48] In Einzelfällen führten sie sogar bereits zu einer heftigen – und berechtigten – Grundsatzkritik an der Arbeitsweise einzelner Verfasser von Unternehmensgeschichten.[49] Zum zweiten bilden aber nicht nur die fachlichen Standards, sondern auch die kritischen Erwartungen der interessierten Öffentlichkeit eine Hemmschwelle für die Erstellung beschönigender Darstellungen, da die jeweiligen Bearbeiter der Studien auch einen Ruf zu verlieren haben. Auch deswegen ist schließlich drittens vielen der großen deutschen Firmen mittlerweile bewusst, dass eine Aufarbeitung ihrer NS-Geschichte von Nöten ist, was die ausführliche und unvoreingenommene kritische Behandlung der NS-Zeit durch unabhängige Historiker auch in mehreren neuen „Festschriften“ deutlich macht.[50]




[1] Ausführlich hierzu: Ralf Banken, Kurzfristiger Boom oder langfristiger Forschungsschwerpunkt? Die neuere deutsche Unternehmensgeschichte und die Zeit des Nationalsozialismus, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 56 (2005), H. 3, S. 183-196; Norbert Frei, Tim Schanetzky (Hg.), Unternehmen im Nationalsozialismus. Zur Historisierung einer Forschungskonjunktur. Göttingen 2010.

[2] Toni Pierenkemper, Unternehmensgeschichte. Stuttgart 2000, S. 28-39.

[3] Fritz Seidenzahl, 100 Jahre Deutsche Bank 1870-1970. Frankfurt am Main 1970, S. 357-375.

[4] Eberhard Czichon, Deutsche Bank – Macht – Politik. Faschismus, Krieg und Bundesrepublik. Köln 1970.

[5] Tim Schanetzky, Jubiläen und Skandale. Die „lebhafte Kampfsituation“ der achtziger Jahre, in: Norbert Frei, Tim Schanetzky (Hg.), Unternehmen im Nationalsozialismus. Zur Historisierung einer Forschungskonjunktur. Göttingen 2010, S. 68-78.

[6] Ulrich Herbert, Fremdarbeiter. Politik und Praxis des „Ausländer-Einsatzes“ in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches. Berlin 1985.

[7] Hans Pohl, Stefanie Habeth, Beate Brüninghaus, Die Daimler-Benz AG in den Jahren 1933 bis 1945. Eine Dokumentation. Stuttgart 1986; Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (Hg.), Das Daimler-Benz-Buch. Ein Rüstungskonzern im ‚Tausendjährigen Reich‘. Nördlingen 1987.

[8] Office of Military Government for Germany, United States, Finance Division/Militärregierung der Vereinigten Staaten für Deutschland, Finanzabteilung, Ermittlungen gegen die Dresdner Bank. 1946 Nachforschungen. Übers. und bearb. von der Dokumentationsstelle zur NS-Politik, Hamburg. Nördlingen 1986; dass., Ermittlungen gegen die Deutsche Bank. 1946/1947. Nördlingen 1986; dass., Ermittlungen gegen die I.G. Farben. Nördlingen 1986.

[9] Schanetzky, Jubiläen, S. 69-74.

[10] Gerhard Mollin, Montankonzerne und „Drittes Reich“. Der Gegensatz zwischen Monopolindustrie und Befehlswirtschaft in der deutschen Rüstung und Expansion 1936-1944. Göttingen 1988. Siehe auch: Gustav-Hermann Seebold, Ein Stahlkonzern im Dritten Reich. Der Bochumer Verein 1927-1945. Wuppertal 1981; Mathias Riedel, Eisen und Kohle für das Dritte Reich. Paul Pleigers Stellung in der NS-Wirtschaft. Göttingen 1973.

[11] Peter Hayes, Industry and Ideology. I.G. Farben and in the Nazi Era. Cambridge/Mass. 1987.

[12] Susanne-Sophia Spiliotis, Verantwortung und Rechtsfrieden. Die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft. Frankfurt am Main 2003; Jürgen Lillteicher, Der NS-Staat und die Unternehmen. Die Wechselwirkung zwischen historischer Forschung und der Bewertung der NS-Vergangenheit in Öffentlichkeit, Justiz und Politik von 1945 bis heute, in: ders. (Hg.), Profiteure des NS-Systems? Deutsche Unternehmen und das „Dritte Reich“. Berlin 2006, S. 10-30. Siehe hierzu auch den Beitrag von Sebastian Brünger, „Unternehmensgeschichte und Erinnerungskulturen. Zeithistorische Auftragsforschung der 1990er Jahre am Beispiel der Degussa“ in diesem Themenschwerpunkt.

[13] Banken, Kurzfristiger Boom, S. 196.

[14] Werner Plumpe, Statt einer Einleitung. Stichworte zur Unternehmensgeschichtsschreibung, in: ders, Christian Kleinschmidt (Hg.), Unternehmen zwischen Markt und Macht. Aspekte deutscher Unternehmens- und Industriegeschichte. Essen 1992, S. 9-12; Christian Kleinschmidt, Festvortrag „20 Jahre AKKU“, in: Akkumulation 29/2010, S. 1-6; Schanetzky, Jubiläen, S. 77.

[16] Als Ergebnis entstanden zahlreiche Einzelstudien, siehe als Beispiel für die hier genannten Unternehmen: Johannes Bähr, Die Dresdner Bank in der Wirtschaft des Dritten Reichs. München. 2006; Dieter Ziegler, Die Dresdner Bank und die deutschen Juden. München 2006; Harald Wixforth, Die Expansion der Dresdner Bank in Europa. München 2006; Gerald Feldman, Die Allianz und die deutsche Versicherungswirtschaft 1933-1945. München 2001; Peter Hayes, Die Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft. München 2004; Ralf Banken, Edelmetallmangel und Großraubwirtschaft. Die Entwicklung des deutschen Edelmetallsektors und die Degussa AG 1933-1945. Berlin 2009.

[17] Petra Bräutigam, Mittelständische Unternehmer im Nationalsozialismus. Wirtschaftliche Entwicklungen und soziale Verhaltensweisen in der Schuh- und Lederindustrie Baden-Württembergs. München 1997; Lutz Budraß, Flugzeugindustrie und Luftrüstung 1918-1945. Düsseldorf 1998; Andreas Meyhoff, Blohm & Voss im „Dritten Reich“. Eine Hamburger Großwerft zwischen Geschäft und Politik. Hamburg 2001; Astrid Gehrig, Nationalsozialistische Rüstungspolitik und unternehmerischer Entscheidungsspielraum. Vergleichende Fallstudien zur württembergischen Maschinenbauindustrie. München 1996.

[18] Gerhard Seibold, Röchling. Kontinuität im Wandel. Stuttgart 2001; Gregor Schöllgen, Diehl. Ein Familienunternehmen in Deutschland 1902-2002. Berlin, München 2002.

[19] Neil Gregor, Wissenschaft, Politik, Hegemonie. Zum Boom der NS-Unternehmensgeschichte, in: Norbert Frei, Tim Schanetzky (Hg.), Unternehmen im Nationalsozialismus. Zur Historisierung einer Forschungskonjunktur. Göttingen 2010, S. 79-93.

[20] Siehe hierzu mit ausführlichen Hinweisen zur Literatur bis 2005: Banken, Kurzfristiger Boom, S. 185-196.

[21] Rolf-Dieter Müller, Der Manager der Kriegswirtschaft. Hans Kehrl – Ein Unternehmer in der Politik des Dritten Reichs. Essen 1999. Siehe auch: Paul Erker, Toni Pierenkemper (Hg.), Deutsche Unternehmer zwischen Kriegswirtschaft und Wiederaufbau. Studien zur Erfahrungsbildung von Industrie-Eliten. München 1999; Hartmut Berghoff, Cornelia Rauh-Kühne, Fritz K. Ein deutsches Leben im zwanzigsten Jahrhundert. Stuttgart, München 2000.

[22] Werner Plumpe, Unternehmen im Nationalsozialismus, in: Werner Abelshauser, Jan-Ottmar Hesse, Werner Plumpe (Hg.), Wirtschaftsordnung, Staat und Unternehmen. Neue Forschungen zur Wirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus. Festschrift für Dietmar Petzina zum 65. Geburtstag. Essen 2004, S. 243-266; ders., Die Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte des Nationalsozialismus. Überlegungen aus systemtheoretischer Perspektive, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2004/2, Märkte im vorindustriellen Europa, S. 241-245.

[23] Während Hayes stärker auch die Zwangslagen und den Druck „politischer“ Vorgaben des nationalsozialistischen Regimes betont, sehen Buchheim und Scherner die Handlungsspielräume der Privatunternehmen hierdurch in erheblich geringerem Maße beschränkt. Siehe hierzu: Christoph Buchheim, Unternehmen in Deutschland und NS-Regime 1933-1945. Versuch einer Synthese, in: Historische Zeitschrift 282 (2006), S. 351-390; ders., Jonas Scherner, Anmerkungen zum Wirtschaftssystem des „Dritten Reichs“, in: Werner Abelshauser, Jan-Otmar Hesse, Werner Plumpe (Hg.), Wirtschaftsordnung, Staat und Unternehmen. Neue Forschungen zur Wirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus. Festschrift für Dietmar Petzina zum 65. Geburtstag. Essen 2003, S. 81-97; Peter Hayes, Corporate Freedom of Action in Nazi Germany, in: Bulletin of the German Historical Institute 45 (2009), S. 29-42; Christoph Buchheim, Jonas Scherner, Corporate Freedom of Action in Nazi Germany. A Response to Peter Hayes, in: ebenda, S. 43-50; Peter Hayes, Rejoinder, in: ebenda, S. 52-55.

[24] Michael C. Schneider, Unternehmensstrategien zwischen Weltwirtschaftskrise und Kriegswirtschaft. Chemnitzer Maschinenbauindustrie in der NS-Zeit 1933-1945. Essen 2005; Roman Köster, Hugo Boss, 1924-1945. Die Geschichte einer Kleiderfabrik zwischen Weimarer Republik und „Drittem Reich“. München 2011.

[25] Kilian J. L. Steiner, Ortsempfänger, Volksfernseher und Optaphon. Die Entwicklung der deutschen Radio- und Fernsehindustrie und das Unternehmen Loewe, 1923-1962. Essen 2005. Siehe auch: Dietrich Eichholtz, Krieg um Öl. Ein Erdölimperium als deutsches Kriegsziel 1938-1943. Leipzig 2006; Titus Kockel, Deutsche Ölpolitik 1928-1938. Berlin 2005; Rainer Karlsch, Ray Stokes, Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859-1974. München 2003.

[26] Ludolf Herbst, Thomas Weihe (Hg.), Die Commerzbank und die Juden 1933-1945. München 2004; Ingo Köhler, Die „Arisierung“ der Privatbanken im Dritten Reich. Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung. München 2005; Christopher Kopper, Bankiers unterm Hakenkreuz. München, Wien 2005; Hermann-Josef Ten Haaf, Kreditgenossenschaften im „Dritten Reich“. Bankwirtschaftliche Selbsthilfe in der Diktatur. Ostfildern 2011; Jaroslav Kucera, Der zögerliche Expansionist. Die Commerzbank in den böhmischen Ländern 1938-1945, in: Bankhistorisches Archiv 31 (2005), H. 1, S. 33-56; Harald Wixforth, Die langfristigen Folgen der Bankenkrise und die Zeit des Nationalsozialismus 1931-1945, in: Institut für bankhistorische Forschung (Hg.), Die DekaBank seit 1918. Liquiditätszentrale, Kapitalanlagegesellschaft, Asset Manager. Stuttgart 2008, S. 87-166; Johannes Bähr, Bankenkrise, Drittes Reich und Nachkriegszeit, in: ders., Axel Drecoll, Bernhard Gotto, Die Geschichte der BayernLB. München 2009, S. 134-188; Gerald D. Feldman, Oliver Rathkolb, Theodor Venus, Ulrike Zimmerl, Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit, Bd. 1: Creditanstalt-Bankverein, Bd. 2: Creditanstalt-Regionalbanken, Länderbank und Zentralsparkasse. München 2006; Gerald D. Feldman, Financial Institutions in Nazi Germany. Reluctant or Willing Collaborators?, in: Francis R. Nicosia, Jonathan Huener (Hg.), Business and Industry in Nazi Germany. New York 2004, S. 15-42; Harold James, Banks and Business Politics in Nazi Germany, in: ebenda, S. 43-65; Christoph Kreutzmüller, Ingo Loose, Die Bank der Deutschen Arbeit 1933-1945 – eine nationalsozialistische „Superbank“?, in: Bankhistorisches Archiv 31 (2005), H. 1, S. 1-32; Johannes Bähr, Die Banken im „Dritten Reich“ – was wir heute darüber wissen und wie sich der Umgang der Banken mit ihrer Geschichte verändert hat. Gastvortrag an der Frankfurt School of Finance and Management am 27. September 2011. Zudem erscheint in Kürze eine Studie zur Geschichte der Deutschen Zentralgenossenschaftsbank (DZ-Bank) und ihrer Vorgängerinstitute, in der Harald Wixforth die Entwicklung des Bankinstitutes für die Zeit des Nationalsozialismus analysiert.

[27] Till Lorenzen, BMW als Flugmotorenhersteller 1926-1940. Staatliche Lenkungsmaßnahmen und unternehmerische Handlungsspielräume. München 2008; Constanze Werner, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit bei BMW. München 2005.

[28] Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto, Kim Christian Priemel, Harald Wixforth, Der Flick-Konzern im Dritten Reich. München 2008; Ralf Ahrens, Norbert Frei, Jörg Osterloh, Tim Schanetzky (Hg.), Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht. München 2009.  

[29] Kim Christian Priemel, Flick. Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. Göttingen 2007.

[31] Ulrich S. Soénius, Peter Danylow (Hg.), Otto Wolff. Wirtschaft und Politik im 20. Jahrhundert. München 2005.

[32] Joachim Scholtysek, Der Aufstieg der Quandts. Eine deutsche Unternehmerdynastie. München 2011.

[33] Erik Lindner, Die Reemtsmas. Geschichte einer deutschen Unternehmerfamilie. Hamburg 2007.

[34] Zur Diskussion um die Aufarbeitung der Aktivitäten des Quandt-Konzerns im „Dritten Reich“ siehe: Willi Winkler, NS-Vergangenheit. Das laute Schweigen der Quandts, in: Süddeutsche Zeitung, 21.11.2007; Ralf Stremmel, Zeitgeschichte im Fernsehen. Die preisgekrönte Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“ als fragwürdiges Paradigma, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 58 (2010), H. 4, S. 455-481; Scholtysek, Quandts, S. 9-18.

[35] Zum Projekt C & A im Nationalsozialismus siehe: Walter Pellinghausen, Textildiscounter C & A. „Für Führer, Volk und Vaterland“, in: Süddeutsche Zeitung, 13.05.2011. Für das Forschungsprojekt „Handlungsspielräume und Systemzwänge. Das Familienunternehmen Dr. Oetker im NS-Regime“, das am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Augsburg angesiedelt ist, siehe: www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/geschichte/lstnng/Projekte/oetker/ (Stand 03.04.2012).

[36] Henry Ashby Turner, General Motors und die Nazis. Das Ringen um Opel. Berlin 2006; Simon Reich, Corporate Social Responsibility and the Issue of Compensation. The Case of Ford and Nazi Germany, in: Francis R. Nicosia, Jonathan Huener (Hg.), Business and Industry in Nazi Germany. New York 2004, S. 104-128.

[37] Am Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn entsteht bei Günther Schulz momentan eine Studie zum Deutschen Sparkassen- und Giroverband im „Dritten Reich“: Janina Salden, Nationalsozialistische Sparkassenpolitik. Der Einfluss des Hauptamtes für Kommunalpolitik (Reichsleitung der NSDAP) auf die Entwicklung des Sparkassenwesens, siehe: www.igw.uni-bonn.de/-1/vswg/forschung-1 (Stand 03.04.2012).

[38] Cornelia Rauh, Schweizer Aluminium für Hitlers Krieg? Zur Geschichte der Alusuisse 1918-1950. München 2009.

[39] Harald Wixforth, Expansion durch „Arisierung“? Die Geschäftsausweitung der Reichs-Kredit-Gesellschaft in die „Provinz“, in: Bankhistorisches Archiv 35 (2009), H. 1, S. 1-24.

[40] Gerd Höschle, Die deutsche Textilindustrie zwischen 1933 und 1939. Staatsinterventionismus und ökonomische Rationalität. Stuttgart 2004; Ulrich Hensler, Die Stahlkontingentierung im Dritten Reich. Stuttgart 2008. Siehe auch: Michael Ebi, Export um jeden Preis. Die deutsche Exportförderung von 1932-1938.Stuttgart 2004; Jonas Scherner, Die Logik der Industriepolitik im Dritten Reich. Die Investitionen in der Autarkie- und Rüstungsindustrie und ihre staatliche Förderung. Stuttgart 2008.

[41] Ingo Loose, Kredite für NS-Verbrechen. Die deutschen Kreditinstitute in Polen und die Ausraubung der polnischen und jüdischen Bevölkerung 1939-1945. München 2007; Siehe zudem die Beiträge einer deutsch-französischen Tagung zur Entwicklung der französischen und deutschen Unternehmen während des Zweiten Weltkrieges in der Zeitschrift für Unternehmensgeschichte und Histoire, Economie & Société. Stellvertretend für die zahlreichen Beiträge siehe die beiden Einleitungen: Werner Plumpe, Les entreprises sous le nazisme. Bilan intermédiaire, in: Histoire, Economie & Société 4 (2005), S. 453-472; Michel Margairaz, Einleitung. Die französischen (und deutschen) Unternehmen während des Zweiten Weltkrieges, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 50 (2005), H. 2, S. 131-138.

[42] Siehe etwa: Karl Heinz Roth, Jan-Peter Abraham, Reemtsma auf der Krim. Tabakproduktion und Zwangsarbeit unter der deutschen Besatzungsherrschaft 1941-1944. Hamburg 2011; Mark Spoerer, Andreas Heusler, Helmut Trischler (Hg.), Rüstung, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit im Dritten Reich. München 2010; Hans-Christoph Seidel, Der Ruhrbergbau im Zweiten Weltkrieg. Zechen – Bergarbeiter – Zwangsarbeiter. Essen 2010; Nathalie Piquet, Charbon – travail forcé – collaboration. Der nordfranzösische und belgische Bergbau unter deutscher Besatzung, 1940 bis 1944. Essen 2008; Thomas Urban, Zwangsarbeit im Tagebau. Der Einsatz von Kriegsgefangenen und ausländischen Zivilarbeitern im mitteldeutschen Braunkohlebergbau 1939 bis 1945. Frankfurt am Main 2006.

[43] Stephan H. Lindner, Hoechst. Ein I.G. Farbenwerk im Dritten Reich. München 2005; Manfred Overesch, Bosch in Hildesheim 1937-1945. Freies Unternehmertum und nationalsozialistische Rüstungspolitik. Göttingen 2008.

[44] Martin Münzel, Die jüdischen Mitglieder der deutschen Wirtschaftselite 1927-1955. Verdrängung – Emigration – Rückkehr. Paderborn 2006; Avraham Barkai, Oscar Wassermann und die Deutsche Bank. Bankier in schwieriger Zeit. München 2005.

[45] Buchheim, Unternehmen in Deutschland, S. 351-390. Siehe auch: Volker R. Berghahn, Writing the History of Business in the Third Reich. Past Achievements and Future Directions, in: Francis R. Nicosia, Jonathan Huener (Hg.), Business and Industry in Nazi Germany. New York 2004, S. 129-146; Jürgen Lillteicher, Der NS-Staat und die Unternehmen. Die Wechselwirkung zwischen historischer Forschung und der Bewertung der NS-Vergangenheit in Öffentlichkeit, Justiz und Politik von 1945 bis heute, in: ders. (Hg.), Profiteure des NS-Systems? Deutsche Unternehmen und das „Dritte Reich“. Berlin 2006, S. 10-30. Vgl. auch: Christopher Kobrak, Per Hansen (Hg.), European Business. Dictatorship, and Political Risk, 1920-1945. New York 2004.

[46] Als Beispiele für die Untersuchung von Staats- und Parteiunternehmen siehe die beiden Studien zur Preussag und dem SS-Konzern: Johannes Laufer, Als Staatskonzern im „Dritten Reich“, in: Bernhard Stier, Johannes Laufer, Susanne Wiborg, Von der Preussag AG zur World of TUI. Wege und Wandlungen eines Unternehmens 1923-2003. Essen 2005, S. 155-386; Jan Erik Schulte, Zwangsarbeit und Vernichtung. Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945. Paderborn u.a. 2001.

[47] Rüdiger Hachtmann, Das Wirtschaftsimperium der deutschen Arbeiterfront 1933-1945. Göttingen 2012.

[48] Dies war der Fall u.a. hinsichtlich: Manfred Pohl, DuMont Schauberg. Der Kampf um die Unabhängigkeit des Zeitungsverlags unter der NS-Diktatur. Frankfurt am Main 2009.

[49] Siehe etwa zur Kritik an den von Gregor Schöllgen verfassten Unternehmensgeschichten (Gregor Schöllgen, Brose. Ein deutsches Familienunternehmen 1908-2008. Berlin 2008; ders., Der Eiskönig. Theo Schöller. Ein deutscher Unternehmer 1917-2004. München 2008; ders., Gustav Schickedanz. Biographie eines Revolutionärs. Berlin 2010) etwa: Cornelia Rauh, „Angewandte Geschichte“ als Apologetik-Agentur? Wie man an der Universität Erlangen-Nürnberg Unternehmensgeschichte „kapitalisiert“, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 56 (2011), H. 1, S. 102-115; dies., Nachbemerkung zum ZUG-Artikel „Angewandte Geschichte“ als Apologetik-Agentur? Wie man an der Universität Erlangen-Nürnberg Unternehmensgeschichte „kapitalisiert“, 01.05.2011; Tim Schanetzky, Die Mitläuferfabrik. Erlanger Zugänge zur „modernen Unternehmensgeschichte“, in: Akkumulation 31/2011, S. 3-10; Toni Pierenkemper, „Moderne“ Unternehmensgeschichte auf vertrauten (Irr)Wegen?, in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 57 (2012), H. 1, S. 70-85. Vgl. auch Johannes Bährs Rezension von Schöllgens Buch zum „Eiskönig“ Schöller in: Sehepunkte 9 (2009), Nr. 6 [15.06.2009] oder Ralf Ahrens’ Besprechung der Schickedanz-Studie in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 56 (2011), H. 1, S. 120-121.

[50] Siehe als Beispiele: Johannes Bähr, GHH und MAN in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit (1920-1960), in: ders., Ralf Banken, Thomas Fleming, Die MAN. Eine deutsche Industriegeschichte. München 2008, S. 231-374; Joachim Scholtyseck, Die Geschichte der National-Bank 1921 bis 2011. Stuttgart 2011. Ende 2013 wird die Zeit des „Dritten Reiches“ zudem auch in einer Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum von Bosch ausführlich dargestellt: Johannes Bähr, Paul Erker, Thomas Flemming, Bosch. Geschichte eines Weltunternehmens. München, vorauss. 2013.