Vietnam Veterans Memorial in Washington DC
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The Vietnam Veterans Memorial in Washington DC, Quelle: Gary Todd, CC0, via Wikimedia Commons.

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The Vietnam Veterans Memorial in Washington DC, Quelle: Gary Todd, CC0, via Wikimedia Commons.

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The Vietnam Veterans Memorial in Washington DC, Quelle: Gary Todd, CC0, via Wikimedia Commons.

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The Vietnam Veterans Memorial in Washington DC, Quelle: Gary Todd, CC0, via Wikimedia Commons.

Museumsarbeit im Fokus politischer Interessen

Einblicke einer deutschen Gastwissenschaftlerin in die US-amerikanische Ausstellungspraxis

Um mich mit der Präsentation von Geschichte in amerikanischen Museen auseinanderzusetzen, war ich im vergangenen Jahr für zwei Monate Gastwissenschaftlerin am US-amerikanischen Nationalmuseum für Geschichte. Das National Museum of American History (NMAH) ist eines von elf Museen der Smithsonian Institution, die in Washington rund um die National Mall platziert sind. Die Mall ist eine Art Park, der in der Innenstadt zwischen dem Capitol und dem Arlington-Friedhof sowie dem Weißen Haus und dem Jefferson Memorial liegt. In diesem Park sind auch das United States Holocaust Memorial Museum sowie berühmte Personen- und Kriegs-Denkmale gelegen. Auf engem Raum wird hier Geschichte einer nationalen, aber auch internationalen Öffentlichkeit präsentiert – ein zentraler Ort der Public History.

 

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Abb. 1.: Übersicht über die Verteilung der Smithsonian Museen auf der Mall in Washington, Quelle: Website Smithsonian.

 

In meiner Zeit als „Researcher“ am NMAH wollte ich mich vor allem damit beschäftigen, wie Krieg und Gewalt in US-Museen dargestellt werden, und mich dabei auf die Neukonzeption der militärhistorischen Ausstellung „Price of Freedom. Americans at War“ im NMAH konzentrieren. Dies ist eine der Dauerausstellungen des Hauses, die bereits seit mehr als 20 Jahren vor Ort gezeigt wird und komplett neu entwickelt werden soll. Ein Jahr vor Beginn des Aufenthalts nahm ich Kontakt zu Mitarbeiter:innen des NMAH auf, um eine mögliche Begleitung der Ausstellungsplanungen zu klären. Daraufhin bekam ich eine Einladung vom Museum, die Reisefinanzierung wurde durch meinen Arbeitgeber, das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam gewährleistet, woraufhin ich meine Reise buchte.

 

Wiederherstellung der „wahren“ Geschichte

Alles schien gut geplant, dann kamen der Regierungswechsel in den USA und die Forderungen des neuen Präsidenten an das Smithsonian. Im März 2025 erließ Trump die Executive Order „RESTORING TRUTH AND SANITY TO AMERICAN HISTORY“. Unter dem Aufruf zur Wiederherstellung einer „wahren“ und „reinen“ amerikanischen Geschichte wurde hier unter anderem behauptet: „Smithsonian Institution has, in recent years, come under the influence of a divisive, race-centered ideology“. Die Museen wurden aufgefordert, ihre Ausstellungen von angeblich unangemessenen, ideologischen Darstellungen zu befreien und ein Symbol von „American greatness“ zu werden, das „the richness of American history and innovation“ würdigt und die Herzen der Amerikaner mit Stolz erfüllt.

Kritische Perspektiven auf Verbrechen und Ungerechtigkeiten in der amerikanischen Geschichte sollten nicht mehr widergespiegelt werden. Solch ein kritischer Blick ist aber eine der zentralen Aufgaben von Museen, die bislang auch im NMAH umgesetzt wird. Aus der Ferne war ich natürlich sehr um die Arbeit der Museen sowie die Ausstellungen besorgt und fragte mich, ob ich unter diesen Umständen überhaupt in die USA reisen sollte bzw. könnte. Die amerikanischen Historiker:innen, mit denen ich sprach, zeigten sich zwar auch bedrückt, hofften aber trotzdem, dass wir Europäer:innen den Kontakt halten und sie weiter besuchen würden. Zudem versicherten sie mir, dass die Ausstellungen zumindest im NMAH noch unverändert und vorerst auch keine Modifikationen vorgesehen seien. Allerdings verwiesen sie auch darauf, dass wir „kritische“ Nachrichten vielleicht besser über den Messenger-Dienst Signal austauschen sollten statt über Emails oder WhatsApp. Diese Formen der Vorsichtsmaßnahmen kannte ich bisher nur von osteuropäischen Kolleg:innen, die versuchten, ihre Mobiltelefone möglichst „sauber“ zu halten. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob diese Maßnahmen übertrieben oder berechtigt sind, habe mich aber in meiner Kommunikation daran gehalten.

 

Das National Museum of American History

Meine Einreise war unproblematisch und im September 2025 trat ich somit meinen Dienst im Museum an. Dort konnte ich zunächst feststellen, dass die bestehenden Ausstellungen weiter einen kritischen und von Multiperspektivität geprägten Blick auf die Geschichte bieten. Das NMAH zeigt, anders als unsere Nationalmuseen wie das Deutsche Historische Museum in Berlin oder das Haus der Geschichte in Bonn, nicht eine Dauerausstellung (für mindestens 15 Jahre) und verschiedene Wechselausstellungen für jeweils mehrere Monate, sondern ca. 20 Dauerausstellungen gleichzeitig, worunter Präsentationen mit einer Fläche von wenigen 100 bis zu mehreren 1000 Quadratmetern sind. Die Ausstellungen fokussieren jeweils ein Thema der amerikanischen Geschichte wie etwa „America on the Move“, die wohl den meisten Raum einnimmt, zeigt sie doch die Entwicklung von der Pferdekutsche über die Eisenbahn bis hin zum Auto bzw. LKW anhand zahlreicher Originale. Mit „American Democracy“ und „American Presidency“ wird vor allem die Politikgeschichte beleuchtet, „American Enterprise", „The Value of Money“ oder auch „On the Water“ fokussieren eher die Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte. Relativ neu ist die „Entertainment Nation“-Ausstellung, die die Populärkultur in den Blick nimmt. Gemeinsam mit „Many Voices, One Nation“ und auch den kleineren Ausstellungen „Food“ oder „Within these Walls“ über den Alltag mit Fokus auf Essen und Wohnen wird hier die Gesellschaftsgeschichte der USA präsentiert.

In all diesen Ausstellungen stehen weniger die Objekte als das jeweilige Narrativ im Vordergrund. Es werden Geschichten erzählt und inszeniert. Wenn es keine attraktiven Objekte gibt, wird etwas gebaut oder gezeichnet bzw. in den neueren Ausstellungen medial präsentiert. Medien spielen eine wichtige Rolle, daher darf es auch schon einmal lauter werden – und die Besucher:innen dürfen das auch. Insgesamt versuchen die Ausstellungen vor allem zu unterhalten und weniger zu belehren, was allerdings auch auf Kosten der Information geht – so mein Eindruck. Das mag aus der Sicht der Historikerin kritisch zu bewerten sein, aus Sicht der Besucher:innen erscheint dies weniger als Problem, denn die Ausstellungen waren sehr gut besucht, von Gruppen ebenso wie von Einzelpersonen, aber besonders von Familien.[1]

 

Ein kritischer Blick auf die Militärgeschichte?

Die Militärgeschichte wird in der Ausstellung „The Price of Freedom. Americans at War“ thematisiert. Diese ist bereits 2004 eröffnet worden und eine Neukonzeption steht daher eigentlich längst an. Es wurde bereits ein Team gebildet, das erste neue Ansätze für eine neue Schau diskutierte. Unter anderem sollte die Zusammenarbeit mit Veteranen, die die alte Ausstellung geprägt hat, reduziert werden. Ich bleibe hier sehr vage, denn letztendlich habe ich keine neuen Konzept- oder Diskussionspapiere gesehen. Mir schien, dass niemand aktuell konkrete Papiere verfassen möchte, die im Zweifel gegen sie/ihn verwendet werden können. Mit Blick auf die Executive Order des Präsidenten wäre das eine verständliche Reaktion. Trotzdem ist es wünschenswert, dass die Ausstellung erneuert, d.h. nicht nur in der Gestaltung, sondern auch inhaltlich überholt wird. Sie zieht eine Argumentationslinie von den „French and Indian Wars to the present day“.[2] Im Schwerpunkt geht sie bis zum Irakkrieg 2003, es finden sich jedoch auch aktuelle Ergänzungen. Die „Message“ ist relativ klar zu erkennen: Amerikanische Soldaten kämpfen seit jeher erfolgreich und „sauber“ für die Freiheit in den USA, aber auch in der Welt. Die Darstellungen der Kriege konzentrieren sich auf Uniformen, Waffen und Medaillen; Tod und Gewalt, Opfer und Verbrechen fehlen eher.

 

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Abb. 2: Inszenierung eines Krankentransports mit einem Hubschrauber, Foto: Irmgard Zündorf, 2025.

 

Allein der Bereich zum Vietnam-Krieg fällt aus dieser Kritik heraus und dürfte aus der Sicht der aktuellen Regierung nicht dazu beitragen, „American greatness“ zu präsentieren. Dieser Krieg ist allerdings auch in der amerikanischen Gesellschaft nach wie vor umstritten und wird selbst von den Veteranen nicht als Heldengeschichte erzählt. In diesem Bereich finden sich sowohl die lebensgroße Inszenierung einer Fotografie zum Abtransport von Verletzten mit dem Hubschrauber (Abb.2) als auch eine nachgebaute Zelle für amerikanische Kriegsgefangene in Vietnam sowie eine Fotowand mit ikonischen und weniger bekannten Bildern. Die Fotografien sind nicht großgezogen, sondern eher wie an einer Pinnwand aufgehängt und zeigen verschiedenste Impressionen: Amerikanische Soldaten, vietnamesische Zivilisten und Leichen sowie Fotos von Protestaktionen in den USA. (Abb. 3) Auch das berühmte Bild des Mädchens Kim Phúk, das nackt vor einem Napalm-Anschlag flieht, fehlt nicht. Zudem wird das ebenfalls bekannte Foto mit zivilen Opfern eines amerikanischen Massakers präsentiert und auch deutlich benannt: „Vietnamese civilians killed by U.S. troops at My Lai“. Dieses Bild löste bei seiner Veröffentlichung heftige Diskussionen über die Schuld der eigenen Soldaten in der amerikanischen Gesellschaft aus.[3]

 

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Abb. 3: Fotowand zum Vietnam-Krieg, Foto: Irmgard Zündorf, 2025.

 

Das Foto der Leichen von Frauen, Männern und auch mehreren Kindern ist nur eines von vielen an der Pinnwand und erschreckt die deutsche Historikerin vielleicht mehr als die amerikanischen Besucher:innen, sind diese Bilder doch Teil des kollektiven Gedächtnisses und gehören zur Diskussion um die Bedeutung dieses Krieges. Sie stellen aber auch das Gesamtnarrativ der Ausstellung, die USA kämpften überall erfolgreich für die Freiheit, in Frage. Allerdings lassen sich die Bilder auch leicht übersehen, nehmen sie doch einen wesentlich geringeren Raum ein als die Hubschrauberinszenierung. Die Präsentation zum Vietnam-Krieg wird abgeschlossen durch eine Vitrine mit Objekten, die vor dem Vietnam Memorial auf der Mall in Washington abgelegt wurden. Auch dieses Denkmal, das vor allem aus einer Granitwand besteht, in die die Namen aller verstorbenen und vermissten Soldaten eingemeißelt sind, stellt in dem sonst eher figürlich geprägten Denkmalgelände eine Besonderheit dar. Die Verbindung von Geschichte und lebendiger Erinnerungskultur zeigt, dass hier keine Freiheitshelden gestorben sind, sondern Individuen, die vermisst werden und deren Kampf nach wie vor hinterfragt wird. (Abb. 4) So gelungen mir dieser Bereich erscheint, bleibt die Gesamtschau doch eine Erfolgsgeschichte, in der die Opfer weitgehend ausgeblendet werden. Dies zeigt sich besonders in der Präsentation zum Irak-Krieg und zum Einsatz in Afghanistan, die zum Beispiel Uniformen, Medaillen, Roboterfahrzeuge und Bilder glücklicher Kinder, die Hilfsgüter auspacken, umfasst.

 

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Abb. 4: Objekte, die am Vietnam Memorial in Washington abgelegt wurden, Foto: Irmgard Zündorf, 2025.

 

Zwischen Niedergeschlagenheit und Hoffnung

Leider wurde die Neukonzeption der Ausstellung vorerst mit der Begründung zurückgestellt, dass die entsprechenden Gelder fehlten. Dies lässt sich nicht unmittelbar mit den eingangs erwähnten Forderungen der US-Regierung erklären, indirekt aber schon, denn die Finanzzusagen hängen an der Regierung. Die Kolleg:innen, die mir noch im vergangenen Jahr die Mitarbeit im Team der Neukonzeption zugesagt hatten, konzentrierten sich jetzt auf ihre Sammlungsarbeit. Neuvorhaben wurden nicht diskutiert, jedenfalls nicht mit einer Gastwissenschaftlerin. Insgesamt schwankte die Stimmung zwischen Niedergeschlagenheit und Sorgen hinsichtlich der inhaltlichen Arbeit, aber auch ganz konkret der eigenen Arbeitsstelle, der Hoffnung auf bessere Zeiten und auf den starken Leiter der Smithsonian Institution Lonny Bunch, der bisher alle Einflussnahmen abgewehrt hat. Gleichzeitig war aber auch ein gewisses Misstrauen der Mitarbeiter:innen untereinander zu spüren. Kurz, die Stimmung war nicht gut und wurde durch den im Oktober 2025 umgesetzten Shutdown nicht besser.[4] Dass bei einer Haushaltssperre einfach keine Gehälter für Mitarbeiter:innen der Regierung mehr gezahlt werden und diese auch nicht zur Arbeit gehen dürfen, war mir bis dahin in dieser Tragweite nicht bewusst. Insgesamt wurde mir vor Ort erst klar, wie unsicher die finanzielle Situation der Kolleg:innen selbst in den Smithsonian-Häusern ist.

Die Absicherung durch Kündigungsmodalitäten und Sozialversicherungen ist überhaupt nicht mit einer Festanstellung im öffentlichen Dienst in Deutschland zu vergleichen. Grundsätzlich werden Gehälter stärker individuell ausgehandelt, weswegen dieses Thema auch Teil des Studiums der Public History in den USA ist. Als Gast an der American University durfte ich an verschiedenen Seminaren teilnehmen und auch bei Diskussionen über Bewerbungsschreiben und Gehaltsverhandlungen zuhören. Dort wurde zudem festgestellt, dass der Arbeitsmarkt aktuell durch die massiven Kürzungen der Regierung im Bereich der Kultur – und die staatlichen Fördermittel sind in diesem Bereich bereits wesentlich geringer als in Deutschland – sehr eingeschränkt ist. Dies betraf sowohl die Stellen für Absolvent:innen als auch für Studierende. Es muss allerdings auch konstatiert werden, dass in den USA die meisten Museen privat bzw. über Spendengelder finanziert werden und daher stärker konjunkturellen Schwankungen unterliegen, was sich aktuell zusätzlich negativ auf die Arbeitsplatzsicherheit auswirkt. Die Reaktionen auf die Ermordung von Charles Kirk[5] verdeutlichten die Unsicherheit noch einmal und zeigen, wie schnell jemandem in den USA gekündigt werden kann. Zahlreiche Personen wurden damals aus dem staatlichen Dienst entlassen, nachdem sie sich kritisch zu Kirk und/oder seinen politischen Aussagen in den Sozialen Medien geäußert hatten.

 

„Entsammeln“ auf politischen Druck

Im Verlauf meines Aufenthaltes habe ich keine Anhänger der gegenwärtigen Regierung kennengelernt oder sie haben sich mir gegenüber nicht als solche zu erkennen gegeben. Beim Kaffee wurde offen und kritisch über die finanziellen Kürzungen und die Forderungen der Regierung gesprochen. Es wurden Pläne gemacht, wie Objekte gesichert werden sollten, die als Teil einer „divisive, race-centered ideology“ betrachtet werden könnten. Die Sorge, dass nicht nur Einfluss auf die Inhalte bestehender und künftiger Ausstellungen genommen wird (von der Regierung kam z.B. eine Liste mit Begriffen, die aus den Museumstexten gestrichen werden sollten), sondern auch auf die Sammlungsbestände, war allen Kolleg:innen anzumerken. Befürchtet wurde sogar, dass Objekte nicht nur aus dem Museumsbestand entfernt, sondern vernichtet werden könnten. Diese Problematik zeigt sich sehr deutlich an der Geschichte transsexueller Menschen. Da es diese Personengruppe laut den Regierungsverlautbarungen gar nicht gibt, würden auch keine Objekte zum Thema benötigt. Alles bereits dazu Gesammelte unterliege einem Irrtum und könne oder müsse vernichtet werden. Mit der Zerstörung von Quellen wird Geschichte umgeschrieben, noch bevor sie erzählt werden kann. Noch geht zumindest das Smithsonian nicht auf die Forderungen der Regierung ein und die Mitarbeiter:innen entwickeln eigene Wege, Objekte zu sichern, indem sie sie zum Beispiel geheim halten. So würde ich auf jeden Fall die Strategie bezeichnen, nicht alle Bestände zu digitalisieren oder in eine Datenbank aufzunehmen. Umstrittene Objekte sind dann zwar von außen schwieriger zu identifizieren und können nicht ausgesondert werden. Aber sie sind natürlich auch innerhalb des Museums kaum noch auffindbar – ein zweischneidiges Schwert und sicher keine langfristige Lösung.

 

Unsichere Zukunft

In den Gesprächen vor Ort und den Besichtigungen zahlreicher Ausstellungen wurde mir deutlich, dass sich die amerikanischen Kolleg:inen einen progressiven, kritischen Blick auf die eigene Geschichte erarbeitet haben, dass sie verschiedene Perspektiven einnehmen, neue Wege gehen und vielfältige Geschichten erzählen möchten. Noch ist die Geschichte offen und muss nicht einseitig erzählt werden, auch nicht in den Nationalmuseen. Aktuell zeigt sich somit die Stärke der Museen in ihren Mitarbeiter:innen und Direktor:innen, die ihre Arbeit vorerst mit dem Fokus auf die Sicherung der Sammlungen fortsetzen und sich nicht aus den Institutionen drängen lassen. Einen direkten Einfluss kann die Regierung allein durch die Einschränkung der finanziellen Mittel umsetzen – ein offizielles Mitspracherecht bei den inhaltlichen Schwerpunktsetzungen hat sie nicht. Wie wir alle wissen, und das ist in Deutschland ja nicht anders, ist die Finanzierung jedoch ein mächtiger Hebel. Und auch wenn die Direktor:innen nicht so einfach entlassen werden können, kann ihnen doch das Leben schwer gemacht werden, so dass sie eventuell von sich aus zurücktreten, wie im Juni 2025 die Leiterin der National Portrait Gallery Kim Sajet in Washington. Ihr hatte der Präsident vorgeworfen, „woke“ zu sein und das Museum zu sehr im Sinne von „Diversity, Equity and Inclusion“ zu leiten. Über die Neubesetzungen auf der Leitungsebene kann wiederum staatlicher Einfluss ausgeübt werden, was sich natürlich auch auf die Neueinstellung weiterer Mitarbeiter:innen auswirkt. Die Mitarbeiter:innen aber sind zentrale Akteure der Museen, sie sind diejenigen, die „sammeln, bewahren, forschen, ausstellen und vermitteln“.[6] Denn auch wenn die Definition des internationalen Museumsverbands diese Tätigkeiten „den Museen“ zuschreibt, sind es doch stets die Menschen, die das Museum ausmachen. Ihre Position zu stärken und sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, sollte auch unser Anliegen sein.

 


[1] Hier muss allerdings erwähnt werden, dass die Smithsonian-Museen alle keinen Eintritt nehmen, was sie sicherlich zusätzlich attraktiv macht, liegen die Museumspreise in den USA doch sonst schnell bei 20 bis 35 Dollar pro Person.

[2] Website zur Ausstellung.

[3] Zur Geschichte des Bildes und seiner Rezeption siehe auch:  Lars Klein, My Lai. Die neuen Opferbilder des Krieges, in: Gerhard Paul (Hg.), Das Jahrhundert der Bilder. 1949 bis heute, Göttingen 2008, 370-377.

[4] Der Shutdown bedeutete für die Smithsonian-Museen, dass sie sowohl für das Publikum als auch für die Mitarbeiter:innen geschlossen und keine Gehälter mehr ausgezahlt wurden.

[5] Der politische und religiöser Aktivist, Podcaster und Autor aus der US-amerikanischen Evangelikalen-Bewegung Charlie Kirk wurde am 10. September 2025 auf einer öffentlichen Veranstaltung in den USA erschossen.

[6] Vgl. Museumsdefinition, in: ICOM Deutschland.

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Zitation

Irmgard Zündorf, Museumsarbeit im Fokus politischer Interessen. Einblicke einer deutschen Gastwissenschaftlerin in die US-amerikanische Ausstellungspraxis, in: zeitgeschichte|online, , URL: https://www.zeitgeschichte-online.de/themen/museumsarbeit-im-fokus-politischer-interessen