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Das zerstörte Warschau im Januar 1945. Foto: M. Swierczynski | Public Domain

Das Museum des Warschauer Aufstands
von
Monika Heinemann
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Schummriges Licht, ein Boden aus Pflastersteinen, das Heulen eines Bombenabwurfs, Aufstandslieder, der Knall einer Explosion und mit Einschusslöchern übersäte Häuserwände – im Museum des Warschauer Aufstands (Muzeum Powstania Warszawskiego) treten die Besucher buchstäblich in die Ausstellungserzählung ein. Inszenierte Straßenzüge, das Gebrüll deutscher Befehle und die bedrohlichen Schritte marschierender Soldaten, Ausstellungstexte, die im Präsenz formuliert sind – alles zielt darauf ab, die Besucher mitten hinein in die zwei Monate des Aufstands der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa, AK) gegen die deutschen Besatzer im Jahr 1944 zu ziehen.
 Willkommen im Warschau von vor 70 Jahren!

 

© Monika Heinemann

Das Museum des Warschauer Aufstands wurde am Vortag des 60. Jahrestages des Aufstandsbeginns am 31. Juli 2004 feierlich eröffnet. In einem gewaltigen Kraftakt war die Dauerausstellung konzipiert und das Gebäude des ehemaligen Elektrizitätswerks der Warschauer Straßenbahn in nur einem Jahr nach der Beschlussfassung durch den damaligen Oberbürgermeister, den späteren Präsidenten Polens Lech Kaczyński, für das geplante Museum adaptiert worden. Die Idee des Museums ist jedoch deutlich älter; schon 1983 wurde es offiziell als Abteilung des Historischen Museums der Hauptstadt Warschau gegründet. In den kommenden zwei Jahrzehnten wurde die weitere Entwicklung des Projekts jedoch immer wieder verschoben. Obwohl bereits in den 1980er-Jahren ein Standort für das Museum gefunden und ein Architekturwettbewerb zu dessen Realisierung entschieden worden war, verzögerte die sozialistische Regierung die Umsetzung des Projekts. In den 1990er-Jahren verhinderten rechtliche Auseinandersetzungen um das Grundstück weitere Fortschritte. Unter dem Ende 2002 neugewählten Oberbürgermeister Kaczyński wurden schließlich im Juli 2003 die Realisierung des Museums an einem anderen Ort, dem ehemaligen Straßenbahn-Elektrizitätswerk, und seine Eröffnung bis zum 60. Jahrestag des Aufstands beschlossen.[1] Zwar wurde das geplante Eröffnungsdatum eingehalten, allerdings war bis zu diesem Zeitpunkt erst ein kleiner Teil der geplanten Dauerausstellung realisiert, so dass das Museum kurz nach der Eröffnung wieder geschlossen und die Schau erst Anfang Oktober 2004 für das Publikum geöffnet wurde. Die endgültige Fertigstellung zog sich über die kommenden drei Jahre hin.

Die Dauerausstellung erzählt auf 3.000 m2 die Geschichte der dreiundsechzig Tage des Kampfes der schlecht bewaffneten Einheiten der Heimatarmee (und anderer, sie unterstützender Organisationen des polnischen Untergrunds) gegen die deutschen Truppen. Ausführlich werden die Vorbereitungen zum Aufstand, der Ausbruch der Kämpfe, die Versorgungslage, Religiosität, Kultur- und Propagandaaktivitäten während der zwei Monate der Kämpfe sowie die deutschen Verbrechen an Zivilisten geschildert. Die Erzählung wird auch in den weiteren Kontext der Kriegs- und Nachkriegszeit eingebettet. Einleitend werden die Entwicklungen im Generalgouvernement bis zum Sommer 1944 geschildert, beginnend mit den deutschen und sowjetischen Angriffen auf Polen im September 1939.
 Abschließend werden die Prozesse gegen führende Vertreter des nicht-kommunistischen Widerstands im sozialistischen Nachkriegspolen thematisiert. Nicht zuletzt gehört die, im Sommer 1944 von der Sowjetunion eingesetzte, sozialistische Übergangsregierung mit Sitz in Lublin zu den wichtigen Stationen des Rundgangs. Die Erzählung wird bis in die Gegenwart geführt: Den Einstieg der Ausstellung, gewissermaßen ihren Prolog, bildet die herausgehobene Würdigung der Aufständischen und ihrer Schicksale in der Volksrepublik Polen (VRP).
 Das Erste, worauf die Besucher treffen, sind inszenierte Telefonzellen, in denen ehemalige Teilnehmer der Kämpfe – aus der Perspektive des Jahres 2004 – von ihren Erfahrungen berichten.

 

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Begleitet wird diese Inszenierung von einem Text, der über die Verfolgung und Ermordung von Aufständischen in den 1940er- und 1950er-Jahren und die Erinnerungspolitik in der VRP in den folgenden Jahrzehnten berichtet. Festgestellt wird dort, dass „erst das freie Polen, für das sie [die Aufständischen] im Warschauer Aufstand gekämpft haben, ihnen Ehre erweisen wird“. Somit wird bereits zu Beginn des Rundgangs von Seiten der Ausstellungsmachern deutlich gemacht, dass sich das Museum als Ort der Anerkennung und des Gedenkens für die Aufständischen verstanden wissen will. Die Jahre der sozialistischen Volksrepublik dagegen, werden als Zeit der Besatzung verstanden.
 Diesem Ansatz folgend sind die Hauptprotagonisten der Ausstellung die Aufständischen, in erster Linie die Mitglieder der Heimatarmee (AK). Diese werden als Helden und Märtyrer im Kampf um die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes herausragend präsentiert. Symbolisch dafür stehen zwei memoriale Elemente, die in die Ausstellung integriert sind. Bereits in einem der ersten Abschnitte findet sich eine Installation, die als Denkmal für die Aufständischen konzipiert ist: als „Symbol unserer Erinnerung und Ausdruck der Ehrerbietung für den Warschauer Aufstand und seine Teilnehmer“, wie es in der darauf angebrachten Inschrift heißt.

 

© Monika Heinemann

Das so genannte Monument, das „Herz des Museums“, hat die Form eines metallenen Quaders, aus dem neben anderen Geräuschen auch das Geräusch eines Herzschlags dringt.[2] Das Denkmal reicht vom Parterre bis in den ersten Stock; es ist somit von vielen Punkten der Ausstellung zu sehen. Der „Herzschlag“ ist zudem fast in der gesamten Ausstellung zu hören. Damit werden die Besucher immer wieder an die vorgegebene Deutung der Ereignisse erinnert, von denen sie erst im Laufe des Rundgangs erfahren. Kurz bevor man die Ausstellung verlässt, stößt man auf die Installation „Stadt der Gräber“, die explizit als Gedenkort (miejsce pamięci) angelegt ist:
 

 



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In einer quadratischen, von Mauerresten umgebenen Fläche sind drei symbolische Gräber in das Straßenpflaster eingelassen. Unvermittelt finden sich die Besucher hier in einem provisorischen Friedhof inmitten zerstörter Häuser wieder. An den Mauerresten sind Fotografien von einhundert gefallenen Aufständischen angebracht, die fast ausnahmslos lachende und junge Gesichter zeigen. In verglasten Hohlräumen des Mauerwerks werden, Reliquien gleich, Objekte gezeigt, die den Toten gehörten. Hier soll der Opferbereitschaft und dem Märtyrertod der jungen Aufständischen gedacht werden. Beide Installationen schaffen räumlich und interpretatorisch einen klaren Rahmen für den Ausstellungsrundgang, in dem kein Raum für eigenständige Reflexionen oder kritisches Hinterfragen gegeben ist. Die Aufständischen stehen in dieser Schau stellvertretend für die Warschauer Bevölkerung und das besetzte Polen. Der Zeitraum zwischen August und September 1944, in dem innerhalb der befreiten Stadtgebiete zivile und staatliche Verwaltungsstrukturen aufgebaut wurden, wird als Keimzelle eines unabhängigen Polen und Vorbote einer möglichen demokratischen polnischen Staatlichkeit nach Kriegsende gefeiert. Die Zivilisten in der umkämpften Stadt – die die Mehrheit der Bevölkerung ausmachten – sind hier lediglich Randfiguren. Sie finden nur in solchen Themen und Zusammenhängen Erwähnung, in denen sie das heroische und martyrologische Grundnarrativ stützen. So wird etwa die Begeisterung der Bevölkerung bei Ausbruch des Aufstands ausführlich geschildert. Ebenso finden jene Priester Erwähnung, die den Warschauern geistliche Unterstützung boten, oder die Vertreter der Kulturszene, die sich an der Aufrechterhaltung der Moral im Verlauf der Kämpfe beteiligten. Dadurch wird der Eindruck einer verschworenen Gemeinschaft zwischen Aufständischen und Zivilisten erweckt. Es scheint, als sei die Haltung der Bevölkerung bis zum Ende unverändert positiv gewesen. Dabei schlug die Einstellung der Zivilbevölkerung angesichts der sich zunehmend verschlechternden Versorgungs- und Sicherheitslage bald um, was in der Ausstellung unerwähnt bleibt.[3] Der einzige Moment, in dem Zivilisten im Mittelpunkt der Darstellung stehen, ist das Massaker an den etwa 40.000 Bewohnern des Stadtteils Wola, das in den ersten Tagen des Aufstands von SS-Einheiten verübt wurde. In einem Zelt sind Stapel von Protokollen der Exhumierungsarbeiten ausgelegt, die in den Massengräbern nach Kriegsende stattfanden. Zentrales Element der Wahrnehmung, die diese zurückgenommene und dennoch erschütternde Darstellung hervorruft, stellt jedoch nicht das Leiden der Bewohner dieses Stadtteils dar, sondern die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Besatzer, die durch die nüchterne Sprache der Protokolle noch unterstrichen wird.

Im gesamten Rest der Ausstellung stehen Mut und Opferbereitschaft der Kämpfenden im Mittelpunkt der Darstellungen. So wird etwa der Einfallsreichtum der Heimatarmee bei der Überwindung militärischer und alltäglicher Probleme immer wieder hervorgehoben. Die Erzählung vermittelt damit paradoxerweise einen optimistischen Eindruck. Dies geschieht vor allem durch die Art und Weise der Inszenierung der Objekte. Beispielhaft hierfür ist ein Abschnitt, der sich der Versorgungslage der Bevölkerung während der Kämpfe widmet: Während die Ausstellungstexte abstrakt von Entbehrungen und Hunger berichten, sind auf den zahlreichen, großformatigen Fotografien, die diese Sektion dominieren, ausschließlich Personen zu sehen, die Speisen zubereiten, essen oder aber Lebensmittel und Wasser transportieren; viele von ihnen lächeln in die Kamera.

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Selbst die Beschriftungen der präsentierten Objekte benennen ausschließlich deren Funktion bei der Zubereitung von Speisen. Das visuelle Narrativ widerspricht somit dem Kognitiven. Es wird der Eindruck vermittelt, dass die Probleme erfolgreich bewältigt wurden. Das Leiden der Menschen bleibt dagegen außen vor. Durch diese Form der Präsentation, die in der gesamten Schau in ähnlicher Weise Anwendung findet, wird schließlich der (verlorene) militärische Kampf gegen die Besatzer zu einem moralischen Sieg umgedeutet.

Die Darstellung der deutschen Besatzer, der unmittelbaren Gegner im Kampf, perpetuiert ein stereotypes Feindbild, das bereits in der Volksrepublik Polen tradiert wurde. Angesichts der Ereignisse während des Aufstands kaum überraschend, konzentriert sich die Ausstellung auf die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Besatzer. So wird die Völkerrechtswidrigkeit und Unehrenhaftigkeit ihrer Handlungen immer wieder betont. Damit wird zugleich der Kontrast zwischen den deutschen Besatzern und den heroischen, ehrenhaften Aufständischen unterstrichen.
 Dies geschieht nicht zuletzt auf einer sprachlichen Ebene: So ist die Bezeichnung Soldat nahezu ausschließlich den polnischen Kämpfern vorbehalten. Zudem sticht eine weitere Begriffswahl ins Auge: In der gesamten Schau wird fast ausschließlich von den Deutschen (Niemcy) gesprochen, womit der Kampf in Warschau und während des Krieges eine ethnisch-nationale Komponente erhält. Diese Wortwahl wird von Seiten der Ausstellungsmacher sehr bewusst eingesetzt. Man möchte die Verantwortung Deutschlands im Krieg unterstreichen und sieht in der Verwendung des Begriffs Nationalsozialisten, wie er im westlichen Diskurs dominiert, die Gefahr einer Verengung auf einen kleinen Kreis Verantwortlicher.[4]

Neben den Deutschen stellt die Sowjetunion ein weiteres zentrales Feindbild der Erzählung dar. Ursprünglich dominierte sie sogar die Ausstellung, denn der Abschnitt in dem Die Deutschen in Warschau umfangreich geschildert werden, wurde erst nachträglich in die Schau integriert.[5] Die Rolle der UdSSR im Sommer 1944 wird mit Bezugnahme auf zwei Ereignisse verurteilt. Zum einen ist dies die Verweigerung einer wirkungsvollen Unterstützung der Aufständischen von Seiten der Roten Armee – obwohl ihre Truppen auf der gegenüberliegenden Weichselseite in unmittelbarer Nähe standen. Zum anderen beziehen sich die Ausstellungsmacher auf das sogenannte Lubliner Komitee, einer provisorischen Übergangsregierung polnischer Kommunisten in den von der Roten Armee befreiten Gebieten. Das Lubliner Komitee bildete den Ausgangspunkt für die Etablierung der sozialistischen Nachkriegsordnung in Polen. Die Darstellung der Sowjets ist, ebenso wie die der deutschen Besatzer, normativ und sehr emotionalisiert, was die Benennung Josef Stalins als „sowjetische Inkarnation des Bösen“ prägnant illustriert.[6] Der Dämonisierung der UdSSR folgend, werden auch ihre Verbündeten abgelehnt: die polnischen Kommunisten des Polnischen Komitees der Nationalen Befreiung (Polski Komitet Wyzwolenia Narodowego, PKWN). Betont wird die Fremdheit dieser neuen Macht, ihre Abhängigkeit von Moskau und den sowjetischen Truppen. Gestalterisch vermittelt wird diese Deutung mit dem leuchtenden Rot, in dem die gesamte Sektion gehalten ist, sowie dem überdimensionalen Symbol von Hammer und Sichel im Raum.


© Monika Heinemann

Symbolisch werden mit diesem Zeichen auch die Biogramme führender Vertreter des „Lubliner Polens“ sprichwörtlich abgestempelt und damit die Porträtierten als Handlanger des Feindes markiert.

 

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Die Kommunisten, wie sie in der gesamten Schau kollektiv gefasst werden, stehen in Opposition zu den Aufständischen, dem „für die Unabhängigkeit kämpfenden Untergrund“. Sie werden hierdurch aus der nationalen Wir-Gemeinschaft ausgeschlossen, die in der Ausstellung konstruiert wird.[7]



Wie bereits geschildert, haben die Ausstellungsmacher auf moderne Mittel der Erzählung und Gestaltung gesetzt. Um den Rundgang für die Besucher attraktiv zu machen, werden umfangreiche Szenografien und verschiedenste audiovisuelle Medien eingesetzt. Die gesamte Ausstellungsfläche ist mit einer umfassenden Licht- und Geräuschkulisse ausgestattet. Ein Teil der Exponate und Installationen kann von den Besuchern berührt oder begangen werden. Dazu gehört etwa eine Waffe, deren Abzug man betätigen kann, ein Motorrad der Wehrmacht, das bestiegen werden kann, sowie der Nachbau eines Tunnels der Warschauer Kanalisation in Originalabmessungen, durch den man sich – in Anlehnung an diesen wichtigen Verbindungsweg der Aufständischen, zwischen den einzelnen Stadtteilen – allein im Dunkeln zwängen kann.[8] Diese Elemente verleihen der Schau die Anmutung eines Freizeitparks und Abenteuerspielplatzes und sind bei den Besuchern sehr beliebt, wenngleich sie mit den realen historischen Bedingungen kaum etwas zu tun haben – man stelle sich etwa nur einen Abwasserkanal vor und vergleiche diesen mit dem sauberen, beheizten, sicheren Nachbau im Museum.
 Bei der Vermittlung setzen die Ausstellungsmacher in hohem Maße auf Personalisierungen, zumeist werden Akteure mittels Porträtfotos und kurzen Biogrammen vorgestellt. Dabei handelt es sich jeweils um führende Vertreter der Aufständischen und des polnischen Untergrundstaates (oder Vertreter niedrigerer Ränge, die sich während der Kämpfe besonders ausgezeichnet haben) aber auch führende Repräsentanten der deutschen Besatzungsmacht, der sowjetischen Führung und der Vertreter des PKWN. An mehreren Stellen finden sich Videoaufzeichnungen von Zeitzeugeninterviews.

Während die Ausstellung also auf moderne Medien und Vermittlungsmethoden setzt, bleibt sie inhaltlich gleichzeitig einem eindimensionalen, heroisierenden und stereotypen Geschichtsbild verhaftet. So handelt es sich etwa bei den vorgestellten Protagonisten ausschließlich um Personen, die sich in herausragender, bewundernswerter, oder aber besonders verachtenswerter Weise hervorgetan haben; sie stellen jeweils positive (oder negative) Vorbilder bzw. Schablonen dar. Ganz normale Menschen und deren Erfahrungen, also auch sich widersprechende Aussagen und Erlebnisse, finden sich hingegen in der Schau kaum – ganz im Gegensatz zum Anspruch der Ausstellungsmacher.[9] Zudem setzten die Verantwortlichen auf ein hohes Maß an Emotionalisierung der Erzählung. Dies wird durch einen wertenden Sprachgebrauch in den begleitenden Texten erreicht.[10] Auch die Integration von memorialen Elementen in die Ausstellungsfläche trägt zu diesem Effekt bei. Die interpretationsleitende Wirkung sowohl des Monuments als auch des Gedenkortes fügt sich stimmig in die einseitige Argumentation der Ausstellung ein, die kaum Raum lässt für alternative Deutungen oder, von der Erzählung abweichende, historische Fakten.
 Ein Beispiel hierfür ist der Umgang mit der in der polnischen Historiografie am stärksten diskutierten Frage zum Warschauer Aufstand – der Frage nach seinem Sinn. In der Schau selbst findet sich nur ein kleiner Verweis darauf, dass es innerhalb der Exilregierung auch Gegenpositionen zur Entscheidung für den Aufstandsbefehl gab. Bevor die Besucher jedoch die Chance erhalten, diesen abstrakten Hinweis zu finden, wurde die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung bereits mehrfach direkt oder indirekt – und jeweils eindeutig positiv – beantwortet. Auf eine unmissverständliche Positionierung treffen die Besucher noch vor dem Betreten der eigentlichen Ausstellung. Über der Eingangstür prangt großformatig das Motto der Schau: „Wir wollten frei sein und diese Freiheit uns allein verdanken“.

In der ersten Sektion wird dann neben den bereits erwähnten Telefonzellen das Video eines Interviews mit Jan Nowak-Jeziorański ausgestrahlt. In diesem schildert der berühmte Kurier des polnischen Untergrunds wortreich und emotional seine Überzeugung, dass es keine Alternative zu einem Aufstand in Warschau gegeben habe. Dies bestätigt auch ein Zitat, das prominent die unmittelbar folgende Darstellung des allgemeinen Besatzungskontextes der Jahre 1939–1944 überspannt: „Man musste das alles erlebt haben, um zu verstehen, dass Warschau nicht nicht kämpfen konnte.“

Ein weiteres charakteristisches Element der Ausstellungserzählung – aber auch des gesamten Museumskomplexes – ist die umfassende Verwendung religiöser Symbolik. Kreuze und Ausstellungselemente, die an Grabsteine erinnern, finden sich in der gesamten Ausstellung verteilt. Zudem ist in das Museumsgebäude eine katholische Kapelle integriert. Diese ist einem Priester geweiht, der während des Aufstands umgekommen ist. Sein Märtyrerschicksal – und seine Seligsprechung durch den polnischen Papst Johannes Paul II. – wird in der Schau prominent geschildert. In der Kapelle, die von den Ausstellungsräumlichkeiten aus zugänglich ist, finden jeden Sonntag und an besonderen Feier- und Gedenktagen Gottesdienste statt. Im Park, der das Museumsgebäude umgibt, befindet sich ein Altar, der für Gottesdienste bei Feierlichkeiten genutzt wird. Mit diesen Elementen wird dem ethnisch-nationalen Antagonismus, der der Erzählung zugrunde liegt, eine religiöse Komponente hinzugefügt. Diese unterstützt die martyrologische Deutung der Todesopfer unter den Aufständischen. Letztendlich wird hierdurch auch das Autostereotyp des „Polen–Katholiken“ (Polak–katolik) perpetuiert.

Das Museum des Warschauer Aufstands ist inzwischen zehn Jahre alt. Seit seiner Eröffnung hat es sich in kürzester Zeit als eine zentrale Kulturinstitution nicht nur Warschaus sondern auch Polens etabliert. Sowohl für die polnische Geschichtspolitik als auch für die Museumslandschaft ist es ein Vorzeigeprojekt, dessen Bedeutung bis in die Gegenwart als zentral anerkannt wird. Seine Bewertung ist dabei durchaus widersprüchlich. Bei Vielen ist es der Höhepunkt eines Besuchs der Hauptstadt geworden.[11] Die Mehrzahl der Besucher verlässt es begeistert; etwa ein Drittel kommt ein zweites Mal wieder – auch außerhalb verordneter Schulausflüge.[12] Unter Wissenschaftlern und Mitarbeitern anderer historischer Museen wird es dagegen unterschiedlich bewertet. Hinsichtlich neuer Techniken der Gestaltung und Inszenierung aber auch mit seinen vielfältigen kulturellen Aktivitäten[13] ist es zum Vorreiter einer Modernisierung der gesamten polnischen Museumslandschaft geworden, insbesondere im Bereich der Geschichtsmuseen. Was jedoch die in der Dauerausstellung vermittelten Interpretationen der Geschichte betrifft, gibt es durchaus Kritik[14] – wenn auch meist in privaten Gesprächen artikuliert. Insbesondere die Überwältigung der Besucher durch die einseitige heroische Erzählung trifft auf Widerspruch. So ist zu beobachten, dass vor allem jungen Besuchern nach dem Verlassen des Museums oft nicht bewusst geworden ist, dass der Aufstand in einer Niederlage (nicht einem Sieg!) endete und immense Opfer kostete.[15] Mit diesem Zwiespalt ist das Museum sowohl zu einem Vorbild als auch zu einer Abgrenzungsfolie für Museums- und Ausstellungsprojekte geworden, die seit 2004 neu entstanden sind oder gegenwärtig geplant werden. Das Museum des Warschauer Aufstands ist jedoch nach wie vor ein bedeutender Referenzpunkt im polnischen historischen Museumswesen.

Auch in der Debatte um die Ausrichtung der staatlichen Geschichtspolitik, die Anfang des neuen Jahrhunderts in Polen entbrannte, wurde das Museum zu einem zentralen Ort. Seine Initiatoren - sowohl der Oberbürgermeister Warschaus als auch die mit der konkreten Umsetzung Beauftragten – gehörten zu den Vertretern der sogenannten Neuen Geschichtspolitik. Unter diesem Schlagwort propagierten Anhänger der Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość, PiS), zu der auch Lech Kaczyński gehörte, und sie unterstützende Intellektuelle die Notwendigkeit einer aktiven staatlichen Beeinflussung der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Vergangenheit. Ziel einer solchen Geschichtspolitik sollte die Etablierung eines positiven Patriotismus sein. Dieser Patriotismus sollte auf einem Geschichtsbild basieren, das sich auf die heroischen und martyrologischen Elemente polnischer Vergangenheit konzentriert und die Auseinandersetzung mit deren negativen und umstrittenen Aspekten ausblendet.[16] Das Museum des Warschauer Aufstandes wurde zum zentralen Vorzeigeprojekt dieser geschichtspolitischen Richtung.

In weiterer Perspektive hat der enorme Publikumserfolg und der mediale Erfolg des Projekts Museen verstärkte Aufmerksamkeit seitens der polnischen Politik verschafft – als Mittel staatlicher Prägung der historischen Erinnerung. So gründete etwa die von der PiS geführte Regierungskoalition 2006 ein Museum der Geschichte Polens (Muzeum Historii Polski), das seine Tätigkeit unter dem programmatischen Motto Museum der Freiheit aufgenommen hat. Seine Fertigstellung ist gegenwärtig jedoch unsicher.[17] Die 2007 neugewählte Regierung unter Führung der Bürgerplattform (Platforma Obywatelska, PO) initiierte in den Jahren 2007–2008 – wesentlich in Reaktion auf das deutsche Museumsprojekt eines Zentrums gegen Vertreibungen“ bzw. „Sichtbaren Zeichens“ – die Gründung des Museums des Zweiten Weltkrieges (Muzeum Historii II Wojny Światowej), das gegenwärtig in Danzig entsteht.[18] Gerade in lokalen und regionalen Kontexten werden neue oder umfangreich modernisierte Museen jedoch auch als Mittel der Stadtentwicklung gesehen, als Möglichkeit der Aufwertung vernachlässigter Regionen und Stadtteile und der Erhöhung touristischer Attraktivität. Seit 2004 hat in Polen ein veritabler Museumsboom eingesetzt, der sich im Bereich sowohl historischer Museen als auch Kunstmuseen manifestiert. Der Erfolg des Museums des Warschauer Aufstands kann als ein wesentlicher Katalysator dieser Entwicklung gesehen werden.[19]

In Warschau selbst ist das Museum, ganz dem Anspruch seiner Initiatoren entsprechend, zu einem wichtigen Informations- aber auch Gedenkort für den Aufstand und seine Teilnehmer geworden. Hier finden nicht nur Gedenkfeiern zu den Jahrestagen des Aufstands statt. Der „Park der Freiheit“, der das Museumsgebäude umgibt, ist zu einem Ort der Denkmalsetzung geworden. Zentrales Element ist hier eine 156 Meter lange Gedenkmauer, auf der die Namen aller im Aufstand gefallener Kämpfer gesammelt und kontinuierlich vervollständigt werden.

 

© Monika Heinemann

Diese Individualisierung der Erinnerung ist eine Entwicklung, die nicht nur in Polen, sondern auch international zu beobachten ist. Ziel ist hier jedoch auch, dass die Besucher zum Museumskomplex eine persönliche Beziehung aufbauen, ihn als Ort des Gedenkens an verstorbene Familienmitglieder auffassen. Die Museumsverantwortlichen möchten ihre Institution als einen „persönlichen, familiären – einen Warschauer Pantheon“ verstanden wissen.[20] In der Umsetzung dieses Anspruchs zeigt sich noch einmal exemplarisch die einseitige heroisierende Sicht auf die Kämpfe von 1944. Denn die Gedenkmauer, ebenso wie die später hinzugekommenen Denkmäler für einzelne Gruppen von Aufständischen[21], erinnern allein an die aktiven Kämpfer. Die überwiegende Mehrheit der in der Stadt eingeschlossenen Bevölkerung, die Zivilisten, blieben dagegen lange Zeit in den memorialen Elementen sowohl der Dauerausstellung als auch des übrigen Museumskomplexes unerwähnt. Erst 2010 wurde im „Park der Freiheit“ ein kleines Denkmal enthüllt, das explizit der während der Kämpfe ermordeten Zivilbevölkerung gewidmet ist. Bemerkenswert ist, dass es von ehemaligen Aufständischen initiiert worden ist – nicht vom Museum.[22]

Das Museum des Warschauer Aufstands entfaltet zudem einen regional übergreifenden Einfluss auf die polnische Erinnerungskultur. Mit ihren publikumswirksamen medialen und kulturellen Aktivitäten ist es den Museumsverantwortlichen gelungen, den Warschauer Aufstand aus seinem früher primär lokalen Kontext zu lösen und ihn als Ereignis von nationaler Bedeutung der polnischen Geschichte des Zeiten Weltkriegs zu etablieren. So wird beispielsweise seit einigen Jahren die Stunde des Aufstandsbeginns, die berühmte Stunde „W“ (1. August, 17 Uhr), nicht allein in Warschau mit Sirenengeheul und einer Schweigeminute geehrt, sondern zunehmend auch in anderen polnischen Städten.[23]

 




[1] Zur Geschichte der Bemühungen um das Museum seit Anfang der 1980er-Jahre bis 2003: Maliszewska, Izabella/Maliszewski, Stanisław: Kalendarium zmagań o Muzeum Powstania Warszawskiego [Zeitleiste des Ringens um das Museum des Warschauer Aufstands]. In: Almanach Muzealny [Museumsalmanach]. 5 Bde. Bd. 4. Hg. vom Muzeum Historyczne m. st. Warszawy. Warszawa 2003, S. 333–342.
[2] Darauf angebracht sind die einzelnen Daten der 63 Tage der Kämpfe sowie der „Anker“, das Symbol des „Kämpfenden Polens“ (Polska Walcząca), das aus den Buchstaben „P“ und „W“ zusammengesetzt ist. Der Anker wurde im besetzten Polen immer wider von Widerstandsgruppen im öffentlichen Raum platziert; als Ausdruck des kontinuierlichen Widerstandswillens richtete es sich sowohl an die deutschen Besatzer als auch an die eigene Bevölkerung.
[3] Die Erfahrungen und Stimmungen in der Zivilbevölkerung während der Kämpfe schildert Borodziej, Włodzimierz: Der Warschauer Aufstand 1944. Frankfurt am Main 2004, S. 188–204.
[4] Hintergrund dieser Überlegungen ist auch das Phänomen der Rede von „polnischen Lagern“, wenn die Konzentrations- und Vernichtungslager der Deutschen, auf besetztem polnischen Territorium während des Weltkrieges gemeint sind. Diese unreflektierte Wortwahl trifft sich immer wieder in westlichen Medien, aber auch bei Politikern (zuletzt prominent bei Barack Obama 2012) und führt in Polen jeweils zu heftiger Kritik, da man dies als Ausdruck einer langsamen Umkehr der Verantwortung für die NS-Verbrechen und insbesondere für den Holocaust von den Deutschen weg hin zu den Polen sieht.
[5] Die Sektion mit diesem Titel wurde erst Mitte 2007 eröffnet. Halle B, Keller. — In der ersten Fassung der Dauerausstellung war dem Abschnitt „Die Deutschen“ dagegen nur ein sehr kleiner Themenraum vorbehalten. Halle A, 1. Stock, Sektion 38.
[6] So lautet die Bildunterschrift zu einer Porträtfotografie Stalins. Halle A, 1. Stock, Sektion 32: „Spotkanie na Kremlu“ (Das Treffen im Kreml).
[7] Die einzige Ausnahme bildet die kleine Gruppe von etwa 300 Kämpfern der kommunistischen Volksarmee (Armia Ludowa, AL; polnische Widerstandsorganisation während des Krieges), die ebenfalls in Warschau kämpften und daher mit der Bezeichnung „Soldaten“ gewürdigt werden.
[8] Diese Installation befindet sich im Keller des Museums. Ein zweiter, deutlich breiterer und bequem zu begehender Kanal ist innerhalb des Ausstellungsrundgangs, im Zwischengeschoss arrangiert.
[9] Kowal, Paweł: Jak budowaliśmy Muzeum [Wie wir das Museum gebaut haben]. In: Dąbkowska-Cichocka, Lena et al. (Hg.): Przewodnik po Muzeum Powstania Warszawskiego [Führer durch das Museum des Warschauer Aufstands]. 3., ergänzte Aufl. Warszawa 2010, S. 7–11, hier S. 8.
[10] Zu den Emotionalisierungsstrategien der Dauerausstellung des Museums siehe: Heinemann, Monika: Emotionalisierungsstrategien in historischen Ausstellungen am Beispiel ausgewählter Warschauer Museen. In: Dies. / Hannah Maischein / Monika Flacke / Peter Haslinger / Martin Schulze Wessel (Hg.): Medien zwischen Fiction-Making und Realitätsanspruch – Konstruktionen historischer Erinnerungen. München 2011, S. 213–236.
[11] Die jährlichen Besucherzahlen oszillieren in den vergangenen vier Jahren um die Marke 500.000.

[12] Interview mit Dr. Paweł Ukielski, stellvertretender Direktor des Museums für inhaltliche Fragen, am 8. Juli 2009.
[13] Das Museum gibt nicht nur eigene Publikationen heraus und organisiert Sonderausstellungen und wissenschaftliche Tagungen, sondern es veranstaltet auch Konzerte, Stadtrundgänge, Theatervorführungen, Sommerschulen für Studenten, Graffitiwettbewerbe und Vieles mehr.
[14] Exemplarisch: Traba, Robert: Kicz patriotyczny [Patriotischer Kitsch]. In: Gazeta Wyborcza v. 6. Januar 2006. — Ostolski, Adam: Przestrzeń muzeum a polityka traumy [Der Museumsraum und die Politik des Traumas]. In: Kultura i Społeczeństwo 53/3 (2009) S. 67–87, hier S. 81–85. — Die Museumsverantwortlichen sind sich der Kritik an der einseitigen und stark normativen Ausrichtung ihrer Dauerausstellung bewusst. In Verteidigung etwa der Nicht-Thematisierung der Debatten um den Aufstand wird angeführt, dass diese museal nur schwer abzubilden seien. Siehe: W poszukiwaniu formuły nowoczesnego muzeum. Dyskusja [Auf der Suche nach der Formel für das moderne Museum. Diskussion]. In: Borussia 47 (2010), S. 123–134, hier S. 132. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Argumente für die Unausweichlichkeit des Aufstands, die in die Schau eingefügt worden sind, überzeugt diese Argumentation jedoch nicht.
[15] Schätzungen zufolge starben während der Kämpfe 150.000 bis 180.000 Menschen, davon waren 90 Prozent Zivilisten. Nach der Kapitulation wurde die Stadt von deutschen Einheiten systematisch und fast vollständig zerstört; alle verbliebenen Bewohner wurden deportiert. Borodziej, Włodzimierz: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. München 2010, S. 249f.
[16] Ruchniewicz, Krzysztof: Die polnische Geschichtspolitik nach 1989. In: Polen–Analysen 20 (2007) S. 2–8. — Wolff-Powęska, Anna: Polskie spory o historię i pamięć. Polityka historyczna [Polnische Diskussionen über Geschichte und Erinnerung. Geschichtspolitik]. In: Przegląd zachodni 1 (2007), S. 3–44.
[17] Nach dem Regierungswechsel 2007 ist die Finanzierung dieses Projekt nicht gesichert; bislang wurden von staatlicher Seite keine Mittel für die Errichtung des Museumsgebäudes und die Realisierung einer Dauerausstellung zugesagt. Das Museum existiert gegenwärtig überwiegend virtuell. Es veranstaltet u. a. Sonderausstellungen, wissenschaftliche Tagungen und gibt eigene Publikationen heraus.
[18] Die offizielle Gründung des Muzeum II Wojny Światowej erfolgte 2009. Seine Eröffnung ist für 2016 geplant.
[19] Zentral waren weiterhin finanzielle Hintergründe: Anfang der 2000er-Jahre hatte sich die Wirtschaft des Landes nach der schwierigen Transformationsphase der 1990er-Jahre weitgehend stabilisiert. Mit dem EU-Beitritt des Landes wurden neue Fördermöglichkeiten für Kulturprojekte erschlossen.
[20] Kowal: Jak budowaliśmy Muzeum, S. 8. — Im Ausstellungsführer heißt es weiter programmatisch: „Das Elektrizitätswerk ist zu einer Art patriotischem Tempel geworden.“ Ebenda, S. 9.
[21] Dies sind Denkmäler in Erinnerung an die im Aufstand kämpfenden und umgekommenen Anwälte, Sanitäter, Georgier, der Polinnen, die im Zweiten Weltkrieg kämpften, sowie an die Filmschaffenden, die als Mitglieder der Propaganda-Abteilung der AK während der Kämpfe Filmchroniken erstellten. Alle Obelisken wurden von (externen) Organisationen oder konkreten Einzelpersonen gestiftet.
[22] Urzykowski, Tomasz: Nowy pomnik: Powstańcy przepraszają warszawiaków [Ein neues Denkmal: Die Aufständischen bitten die Warschauer um Verzeihung]. In: Gazeta Wyborcza v. 3. Oktober 2010, letzter Zugriff: 4.10.2010.
[23] Ukielski, Paweł: Das „Museum des Warschauer Aufstandes“ als Erinnerungsort. In: Weber, Matthias et al. (Hg.): Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa. Erfahrungen der Vergangenheit und Perspektiven. München 2011, S. 209–218, hier S. 218.