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Der Bau der ungarisch-serbischen Grenze, Südungarn am 12. August 2015 Foto: Andrea Schmidt/ Délmagyarország[CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Der Bau der ungarisch-serbischen Grenze
Südungarn am 12. August 2015

Foto: Andrea Schmidt/ Délmagyarország [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Europa an der Grenze
Zeithistorische Anmerkungen zur „Flüchtlingskrise“
Hg. von
Annette Schuhmann und Christoph Plath
unter Mitarbeit von Mariella Steinweg und Benjamin Köhler
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Letzte Veröffentlichung: Juni 2016

Zu den Zielen des Fachportals Zeitgeschichte-online gehört nicht zuletzt die Beobachtung der Gegenwart. Allerdings, und das unterscheidet das Portal vom Auftrag der sogenannten Leitmedien, beobachten wir aktuelle Ereignisse, Konflikte und Debatten aus der Perspektive der zeithistorischen Forschung.
Das Thema, das derzeit alle europäischen Gesellschaften am heftigsten umtreibt, sind die Migrationsbewegungen aus den Krisenländern der Welt.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsbewegungen nach Europa  ̶  die Mehrzahl der Kriegsflüchtlinge lebt ja längst nicht auf diesem Kontinent, sondern unter extremen Bedingungen in Jordanien, im Libanon und der Türkei  ̶  werden Konflikte sichtbar, deren Ursachen bis weit in die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts zurückreichen.
Die „Flüchtlingskrise“, wie sie allenthalben genannt wird, ist weder unangekündigt über Europa hereingebrochen, noch können sich die politischen Eliten in West- und Osteuropa damit beruhigen, mit den Ursachen dieser Krise nichts zu tun zu haben.  
Die Debatten um den Umgang mit den Flüchtlingsströmen werden schließlich von der jeweiligen Definition des „Fremden“, von absurden Abschottungsideen, von Verantwortungslosigkeit, Schuldzuweisungen und moralisch überladener Rhetorik bestimmt. Eine tiefergehende Ursachenforschung, der Verweis auf historische Kontinuitätslinien oder gar eine Diskussion über die Zukunftsfähigkeit des kapitalistischen Gesellschaftssystems, das derzeit in der Tat überfordert zu sein scheint, findet dagegen kaum statt.

Zwar verspricht eine Erweiterung der aktuellen Diskurse um die Perspektiven der zeithistorischen Forschung keine Lösung des Problems. Eine sachlichere und ehrlichere Analyse der Krisenhintergründe, der Verzicht auf Ost-/West- Stereotype und eine Debatte, die den historischen Verlauf nicht mehr unterschlägt, sollte jedoch möglich sein.
Um den Rahmen der Diskussionen zu erweitern, haben wir einen Themenschwerpunkt initiiert, der mit Beiträgen von Historiker/innen beginnt, die sich mit dem Phänomen der Fremdenfeindlichkeit und ihrer Geschichte in Osteuropa, in der ehemaligen DDR und dem heutigen Tschechien auseinandersetzen. Der Themenschwerpunkt wird sukzessive erweitert, denn die Krise hat gerade erst begonnen…

Annette Schuhmann

Beiträge

Ulrich Herbert
Zeithistorische Bemerkungen zu einem aktuellen Problem
Frieder Günther
Das Bundesinnenministerium und die jüdischen DPs im Lager Föhrenwald
Jan C. Behrends
Einige Bemerkungen zum Umgang mit der Flüchtlingskrise in Osteuropa
Patrice Poutrus
Ein Kommentar zum Thesenpapier: „Historische Ursachen der Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern“ aus dem Jahr 2000
Martina Winkler
Historische Perspektiven auf die aktuelle Lage in der Tschechischen Republik
Emmanuel Droit
Frankreich oder die Krise der republikanischen Willkommenskultur
Hedwig Richter
Arbeitsmigration in die Bundesrepublik Deutschland von den fünfziger bis in die siebziger Jahre
Jens Brinkmann
Philip Scheffners Dokumentarfilm „Revision“ im Forum der Berlinale
Sandra Vacca, David Christopher Stoop
Die Ausstellung „Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland“ im Deutschen Historischen Museum
Martina Winkler
Globalgeschichte, Herr Sloterdijk und die AFD
Teresa Koloma Beck
Über zu kurze Wege in der öffentlichen Debatte nach den Anschlägen vom 13. November 2015 in Paris
Frank Bösch
Unbürokratisches Engagement für Flüchtlinge: Zum Tod von Rupert Neudeck (1939-2016)
Benjamin Köhler
Zur gesellschaftlichen Konstruktion des Fremden aus soziologischer Sicht